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Benoît Cœuré EZB-Direktor – Neue Langfristkredite für Banken sind möglich

Die wirtschaftliche Abkühlung im Euro-Raum ist stärker und breiter als erwartet. Die EZB denkt laut über Langfristkredite für Geschäftsbanken nach.
Update: 15.02.2019 - 17:41 Uhr 1 Kommentar
Der Franzose gehört zu dem sechsköpfigen Führungsteam der EZB. Quelle: AFP
Benoît Cœuré

Der Franzose gehört zu dem sechsköpfigen Führungsteam der EZB.

(Foto: AFP)

Frankfurt Vor dem Hintergrund der eingetrübten Konjunkturaussichten denkt die Europäische Zentralbank über erneute Geldspritzen nach. Er könne sich eine Neuauflage der Langfristkredite für Geschäftsbanken vorstellen, sagte EZB-Direktor Benoît Cœuré am Freitag auf einer Veranstaltung in New York. „Das ist möglich. Wir diskutieren das“, sagte er. „Es könnte Spielraum geben für einen weiteren TLTRO.“

So werden in der Finanzbranche solche längerfristigen und günstigen EZB-Kredite bezeichnet. Die Währungshüter wollten aber sicherstellen, dass sie zweckdienlich seien. Bislang hat sich noch kein Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Euro-Notenbank so deutlich zu diesen Anschubhilfen für die Wirtschaft geäußert.

Der Europäische Bankenindex weitete nach den Aussagen seine Gewinne aus und lag 3,5 Prozent im Plus. Auch der Dax zog an und gewann zeitweise zwei Prozent auf über 11.300 Punkte.

Die EZB hatte 2016 eine Serie dieser Geldsalven aufgelegt, um die Kreditvergabe anzukurbeln. An den Börsen wird seit geraumer Zeit spekuliert, sie könnte wegen der schwachen Konjunkturentwicklung erneut zu diesem Instrument greifen. Volkswirten zufolge gibt es auch aus einem anderen Grund Bedarf. Denn ab Juni sinkt die Restlaufzeit mancher bestehender TLTRO-Darlehen auf unter ein Jahr.

Banken dürfen diese Gelder dann nicht mehr zur Berechnung bestimmter Finanzpolster (NSFR) heranziehen. Vor allem in südlichen Euro-Ländern, die in größerem Umfang TLTRO-Kredite bezogen hatten, dürften günstige Anschlussfinanzierungen deshalb willkommen sein. Cœuré wies auf der Veranstaltung zudem darauf hin, dass die wirtschaftliche Abkühlung im Euro-Raum stärker und breiter ausgedehnt sei als erwartet.

Die Inflationsentwicklung werde wohl verhaltener ausfallen. Die Euro-Wächter waren nach einer Serie überwiegend schwacher Konjunkturdaten auf ihrer Zinssitzung im Januar zu der Auffassung gelangt, dass die Gefahren für die wirtschaftlichen Perspektiven inzwischen überwiegen. Eine Rezession hielt EZB-Chef Mario Draghi zuletzt aber für unwahrscheinlich.

Das Wachstum im Währungsraum lag im vierten Quartal lediglich bei 0,2 Prozent und fiel damit so schwach aus wie im Sommer. An den Börsen wird inzwischen damit gerechnet, dass die Notenbank frühestens 2020 zum ersten Mal seit 2011 ihre Zinsen anhebt. Offiziell stellt die EZB in Aussicht, ihre Schlüsselsätze noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinaus nicht anzutasten.

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1 Kommentar zu "Benoît Cœuré: EZB-Direktor – Neue Langfristkredite für Banken sind möglich"

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  • Es gibt in der Eurozone keinen Mangel an Geld und Schulden. Man kann ein Problem nicht mit der gleichen Denkweise lösen durch welche es entstanden ist, nämlich durch billige Kredite. Das billige Geld, welches der Euro gebracht hat, liegt heute auf den Bankkonten reicher Griechen und Italienern. Diese überweisen das Geld lieber auf Konten in Deutschland als es im eigenen Land zu investieren. Was wir brauchen sind Lösungen. Diese können aber nur von der Politik kommen und nicht von der Notenbank. Die Notenbank trägt leider derzeit dazu bei, dass finanzpopulistische Regierungen gewählt werden.