Börsensturz Chinas Zentralbank pumpt Milliarden in den Geldmarkt

Die chinesische Zentralbank will der schwächelnden Wirtschaft mit kurzfristigen Krediten stützen. Die Hilfen umfassen rund 19 Milliarden Euro. Die bisherigen währungspolitischen Eingriffe zeigen bisher kaum Wirkung.
Kommentieren
Erst am Dienstag hatte die Zentralbank die Leitzinsen gesenkt - und zwar zum fünften Mal seit November. Quelle: dpa
Chinesische Zentralbank greift ein

Erst am Dienstag hatte die Zentralbank die Leitzinsen gesenkt - und zwar zum fünften Mal seit November.

(Foto: dpa)

Peking/ ShanghaiChinas Zentralbank legt nach und greift der schwächelnden Wirtschaft mit weiteren Maßnahmen unter die Arme. Die Währungshüter stützten am Mittwoch den Interbanken-Geldmarkt mit sogenannten kurzfristigen Liquiditätsgeschäften (SLO) in Höhe von 140 Milliarden Yuan, umgerechnet knapp 19 Milliarden Euro. Diese Kredite, die nach sechs Tagen fällig werden, haben einen durchschnittlichen Zinssatz von 2,3 Prozent, wie die Notenbank mitteilte. Sie hatte die SLOs 2013 eingeführt, um ihren geldpolitischen Werkzeugkasten zu erweitern.

Erst am Dienstag hatte die Zentralbank die Leitzinsen gesenkt - und zwar zum fünften Mal seit November. Zudem bekommen Geschäftsbanken künftig mehr Freiraum bei der Kreditvergabe, was die nach den USA weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft ankurbeln soll. Schlechte Konjunkturdaten nährten zuletzt die Sorge, dass die Regierung in Peking ihr Wachstumsziel von sieben Prozent in diesem Jahr verfehlen könnte - es wäre ohnehin das geringste Plus seit einem Vierteljahrhundert. In der Folge brachen die chinesischen Börsen ein und setzten auch den weltweiten Finanzmärkten stark zu.

Trotz der Zinssenkung beruhigten sich die Aktienanleger in Fernost kaum. Der Leitindex der Börse Shanghai ging am Mittwoch 1,3 Prozent schwächer aus dem Handel, nachdem er in einem stark schwankenden Handel zeitweise mehr als vier Prozent im Plus gelegen hatte. Der Shanghai/Shenzhen-Index verlor 0,6 Prozent. Beide Barometer brachen allein in den vergangenen fünf Handelstagen um mehr als 20 Prozent ein.

An diesen Märkten kracht es
Aktienmarkt China
1 von 10

Mit Chinas Aktienmarkt fing alles an: Jahrelang propagierte die Regierung in Peking den Einstieg in Aktien – ganz offiziell in den Staatsmedien. Der kleine Mann sollte an der Börse investieren und den chinesischen Unternehmen zu Kapital verhelfen. Doch mit dem stagnierenden Wirtschaftswachstum kamen Zweifel auf. Die Börsen in Schanghai und Shenzhen brachen innerhalb weniger Wochen drastisch ein. Und das Virus China begann, sich auszubreiten.

Dax
2 von 10

So zog Chinas Schwäche zum Beispiel auch das deutsche Aktienbarometer nach unten. Viele exportorientierte Dax-Unternehmen, vor allem die Autobauer, haben gelitten. Weil am Donnerstag die USA zusätzlich mit guten Konjunkturdaten aufwarten konnten und die Zinswende damit näher zu rücken scheint, ließ der Leitindex am Freitag weiter Federn. Zum Handelsschluss notierte er gut 300 Punkte tiefer bei 10.124 Punkten. Auf Wochensicht verlor der Dax knapp acht Prozent oder 861 Punkte.

Dow Jones
3 von 10

Die voraussichtlich schlimmste Woche des Jahres für Aktien hat am Freitag auch die Wall Street nicht verschont. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus China lagen die wichtigsten Indizes in New York zur Eröffnung deutlich im Minus. Der Dow-Jones-Index lag mit 16.815 Punkten ein Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 2.016 Zählern ebenfalls fast ein Prozent tiefer.

Yuan
4 von 10

Nicht nur an den Börsen, auch bei den Währungen ging es zuletzt deutlich bergab. Anfang der Woche gab die chinesische Zentralbank überraschend den Yuan-Wechselkurs frei – woraufhin dieser um mehrere Prozent nach unten rauschte. Auch in den Folgetagen konnte die Regierung den Kurs nur mit Mühe über Devisenverkäufe stabilisieren. Grundsätzlich will Peking daran festhalten, den Referenzkurs für den Wechselkurs nach Angebot und Nachfrage zu bestimmen.

Türkische Lira
5 von 10

Nicht nur der Yuan, auch die Schwellenländerwährungen allgemein haben in dieser Woche stark gelitten. Die türkische Lira, zum Beispiel, erreichte einen historischen Tiefstand nach dem anderen. Der Grund: Investoren ziehen ihr Geld aus den Schwellenländern ab und investieren es eher wieder im Dollar und Euro-Raum. Viele Schwellenländer hängen am Tropf Chinas. Das Vertrauen der Investoren schwindet daher.

Ölpreis
6 von 10

Nach unten ging es diese Woche auch für den Ölpreis. Zuletzt kostete ein Barrel Brent noch 45,90 Dollar, ein Barrell der Sorte WTI noch knapp über 40 Dollar. Experten gehen längst davon aus, dass der Preisverfall weitergeht. Der Grund: Die USA hat durch die Schieferölförderung in nur vier Jahren die eigene Ölproduktion nahezu verdoppelt. Das dadurch steigende Angebot will und kann die Opec auch mittelfristig durch eigene Produktionskürzungen nicht kompensieren.

Ölaktien
7 von 10

Doch nicht nur der Ölpreis leidet: Auch die Aktien der großen Ölunternehmen Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell und Petrochina sind zuletzt deutlich eingebrochen. Experten warnen Anleger derzeit vor einem Wiedereinstieg.

Die jüngsten geldpolitischen Schritte könnten allerdings die Zinsmarge der Geschäftsbanken belasten, wie aus einem Bericht des Handelshauses Citic hervorgeht. Dabei haben Chinas Geldhäuser ohnehin damit zu kämpfen, dass das Kreditgeschäft immer weniger profitabel, dafür aber risikoreicher wird. Die fünf größten Institute dürften höhere notleidende Darlehen und geringeres Gewinnwachstum vermelden, wenn sie diese Woche neue Geschäftszahlen vorlegen.

Die Institute versuchen unterdessen mehr Geld mit Gebühren zu verdienen, welche bisher 20 bis 30 Prozent ihrer gesamten Einnahmen ausmachen. „Einige Bank-Manager sagen, sie zielen auf einen Anteil von 40 bis 50 Prozent“, sagte Xingyu Chen, Analyst beim Wertpapierhändler Phillip Securities in Hongkong. Erträge, die nicht über Zinsen eingespielt werden, fallen etwa im Investmentbanking an, in der Vermögensverwaltung oder bei Depotgebühren.

Ein heikles Thema ist der Abfluss von Investorengeld, vor allem nach der jüngsten Yuan-Abwertung, die die Märkte überrascht hat. „Es ist klar, dass sich der Kapitalabfluss kurzfristig beschleunigen wird, egal, was China mit dem Yuan macht“, warnte Oliver Barron vom Beratungshaus NSBO Beijing.

Derweil nimmt die Börsenaufsicht nach den heftigen Kursturbulenzen verstärkt Aktienhändler wegen des Verdachts illegaler Geschäftspraktiken ins Visier. Acht Mitarbeiter des landesweit größten Handelshauses Citic werden Verstöße gegen die Börsenregeln vorgeworfen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Citic sei über das Vorgehen nicht informiert worden, erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung an die Hongkonger Börse.

Auch gegen Journalisten gehen die Behörden vor. Einem Reporter des angesehenen Wirtschaftsmagazins Caijing wird wie anderen Verdächtigen die Verbreitung von Falschinformationen vorgeworfen. Ferner schränkten die Behörden für 164 Investoren den Handel am Terminmarkt für einen Monat ein. Ziel sei es, „Spekulation“ einzudämmen.

  • rtr
Startseite

0 Kommentare zu "Börsensturz: Chinas Zentralbank pumpt Milliarden in den Geldmarkt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%