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Bridgewater-Gründer Was Ray Dalio an der Modern Monetary Theory gefällt

Der Gründer des weltgrößten Hedgefonds sieht eine Zusammenarbeit von Notenbank und Regierung als unausweichlich an – und stützt damit manche linke US-Politiker.
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„Das Konzept von MMT ist, den Zinssatz bei null zu fixieren und die Inflation strikt durch einen Wechsel von fiskalischen Überschüssen und Defiziten zu regulieren.“ Quelle: Bloomberg
Raymond Dalio

„Das Konzept von MMT ist, den Zinssatz bei null zu fixieren und die Inflation strikt durch einen Wechsel von fiskalischen Überschüssen und Defiziten zu regulieren.“

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Raymond Dalio war bisher nicht als Sozialist bekannt. Aber der Gründer von Bridgewater, dem weltgrößten Hedgefonds mit einem Volumen von 160 Milliarden Dollar, liebäugelt mit der Modern Monetary Theory, abgekürzt MMT. Und die wird zurzeit vor allem von Politikern wie Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders vertreten, die – freilich nur nach US-Maßstab – als Sozialisten gelten können und sich zuweilen auch selber so bezeichnen.

Die MMT-Theorie stellt überkommene Vorstellungen in Frage. Sie fordert, die Trennung von Geld- und Finanzpolitik aufzuheben und wichtige staatliche Aufgaben, etwa die Bereitstellung von Jobs in Krisenzeiten, durch Schaffung von Geld zu finanzieren.

Selbst links der in den USA politischen Mitte angesiedelte Ökonomen wie Larry Summers bekämpfen MMT aufs Schärfste. Dabei fordert Summers, ähnlich wie sein aus Frankreich stammender Kollege Olivier Blanchard, zugleich eine höhere Staatsverschuldung, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Dalio spricht in einem Beitrag auf der Karriereplattform Linked-in und auf seiner Webseite (www.economicprinciples.com) von „Geldpolitik 3“ und von MMT. Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe. „Geldpolitik 1“ ist aus seiner Sicht die klassische Zinspolitik. „Geldpolitik 2“ wäre dann der Einsatz massiver Anleihekäufe, wie nach der Finanzkrise 2008 weltweit geschehen. Beide Versionen seien weitgehend verbraucht. Eine Sichtweise, mit der er keineswegs allein dasteht.

Daher gehört aus seiner Sicht „Geldpolitik 3“ die Zukunft. Darunter versteht er, ganz allgemein gesprochen, eine enge Koordination von Geld- und Finanzpolitik. Generell ist er auch dafür, dass „Geldpolitik 3“ tatsächlich umgesetzt wird. Im Detail zählt er eine Menge Variationen auf, die denkbar seien. MMT wäre dabei ein Teilbereich von diesem Feld an Optionen. Dabei übt auch Dalio deutliche Kritik an einigen Punkten dieser Theorie, lehnt sie aber nicht klar ab.

Doch gleichzeitig sieht er auch Probleme einer weitgehenden Verschmelzung von Geld- und Finanzpolitik. Seiner Meinung nach erfordere dies auf beiden Seiten sehr versierte Akteure und eine politische Konstellation, in der beide Seiten zusammenarbeiten können. In den USA giftet gerade Präsident Donald Trump gegen die Notenbank Fed – keine gute Voraussetzung also.

Dalio macht darauf aufmerksam, dass es diese Verschmelzung in der Vergangenheit bereits häufiger gegeben hat. Er nennt als wichtigstes Beispiel die USA der 1930er-Jahre, die sich seiner Meinung nach auf diese Weise aus der damals tiefen Weltwirtschaftskrise befreit haben. Er nennt aber auch Deutschland in der selben Zeit, Japan in jüngerer Zeit und das chinesische Kaiserreich.

„Das Konzept von MMT ist, den Zinssatz bei null zu fixieren und die Inflation strikt durch einen Wechsel von fiskalischen Überschüssen und Defiziten zu regulieren“, schreibt Dalio. Wie gesagt: MMT stellt die gewohnten Verhältnisse auf den Kopf.

Dalio fasst dann zusammen: Während wir es gewohnt seien, dass die Finanzpolitik recht starr und die Zinsen beweglich seien, verhalte es sich nach dem Schema von MMT umgekehrt. Er fügt hinzu: „Falls Sie es noch nicht gemerkt haben, das ist mehr oder minder das, was wir schon haben, und was zwangsläufig in Zukunft noch mehr passieren wird.“

Ein Vorschlag von MMT lautet auch, in einer Krise mit gedrucktem Geld Jobs zu schaffen und für Vollbeschäftigung zu sorgen. Hier lässt Dalio eine Mischung aus Zustimmung („Ich mag die Idee, dass Leute arbeiten, statt von der Wohlfahrt zu leben“) und Skepsis („Es kommt darauf an, wie es gemacht wird“) erkennen.

Einigen Punkten der Theorie widerspricht er auch. Zum Beispiel glaubt er nicht, dass Unternehmer nur gemäß ihrer geschäftlichen Aussichten investierten und dabei die Kosten der Finanzierung ausblendeten. Ebenso wenig stimmt er zu, dass Inflation vor allem auf zu starke Macht der Unternehmen bei der Preissetzung zurückzuführen ist. Trotzdem ist auffällig, dass er anders als Summers und Blanchard grundsätzlich eine gewissen Offenheit für das Konzept zeigt.

Der Hedgefonds-Gründer listet in einem Tableau eine ganze Reihe von Variationen für Geldpolitik 3 auf, die mehr oder minder direkt und über den öffentlichen oder privaten Sektor funktionieren. Am privatesten und direktesten wäre das das „Hubschrauber-Geld“, das die Notenbank direkt an die Verbraucher überweisen würde. Am indirektesten und über die öffentliche Schiene wäre das Verfahren, großzügige Finanzpolitik mit hohen Anleihekäufen zu kombinieren. Das war ansatzweise bereits zu erkennen, hier gibt es eine durchlässige Linie zwischen „Geldpolitik 2“ und „3“. Weitere Varianten laufen auf einen Schuldenerlass hinaus – entweder direkt oder indirekt durch eine Geldentwertung.

Die meisten dieser Varianten ähneln aus der Perspektive eines braven Ordnungspolitikers im besten Fall der Rocky Horror Picture Show und im schlimmsten Fall den schrecklichsten Szenen aus einem Schwedenkrimi. Dalio legt sich nicht auf eine der Varianten fest. Er fordert aber, sie alle rechtzeitig zu erforschen und überprüfen. „Es ist eine gigantische Aufgabe, das Beste herauszufinden“, schreibt er, „daher glauben wir, dass die Verantwortlichen, allen die Notenbanker, jetzt hart daran arbeiten müssen“.

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