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Die Deutschen lassen ihr Geld auf dem Girokonto herumliegen, weil es sich kaum lohnt, nach Alternativen zu suchen.

(Foto: dpa)

Bundesbank-Monatsbericht Warum die Deutschen immer mehr Geld auf Girokonten bunkern

Viele Sparer suchen wegen der Niedrigzinsen gar nicht erst nach höheren Renditen, so die Bundesbank. Bei vielen Unternehmen sieht das ganz anders aus.
4 Kommentare

Frankfurt Der Theorie nach sollten niedrige Zinsen dazu führen, dass die Anleger höhere Risiken eingehen, um doch noch etwas Rendite zu bekommen. Das ist die Absicht der Geldpolitiker, die auf diese Weise den Unternehmen die Ausgabe von Risikokapital wie Aktien oder Anleihen erleichtern und damit Investitionen und den gesamten Wirtschaftskreislauf antreiben wollen.

Außerdem, auch das ist ein Bestandteil der Theorie, sollten niedrige Zinsen dazu führen, dass die Bürger ihr Geld lieber ausgeben als zu sparen. Das hilft der Wirtschaft und unterstützt die seit langem unter dem Zielwert von knapp zwei Prozent liegende Inflation im Euro-Raum. Hinzu kommt: Anlagestrategen fordern die Sparer immer wieder auf, längerfristig zu denken und mehr in Aktien zu investieren.

In der Praxis aber reagieren die privaten Haushalte in Deutschland anders, wie die Bundesbank in ihrem Monatsbericht schreibt. „Zwar nahm die Suche nach Rendite bei den privaten Haushalten von 2014 bis 2017 allmählich zu, spielte aber insgesamt eine untergeordnete Rolle“, heißt es dort. Auf die Portfoliostruktur der Privaten habe sich das Niedrigzinsumfeld nur begrenzt ausgewirkt, so die deutsche Zentralbank.

Vorherrschend seien nach wie vor Risikoaversion und Liquiditätspräferenz. Anders gesagt: Die Deutschen wollen ihr Geld sicher anlegen und jederzeit verfügbar haben.

Im Jahr 2018 hat sich diese Tendenz mit einem Rekordzufluss von rund 100 Milliarden Euro in Sichteinlagen fortgesetzt. Sie seien die mit Abstand wichtigste Anlageform. Grund dafür ist, „dass die Zinsdifferenzen zwischen den verschiedenen Einlageformen auf historisch niedrigem Niveau blieben“.

Kurz gesagt: Die Deutschen lassen ihr Geld auf dem Girokonto herumliegen, weil es sich kaum lohnt, nach Alternativen zu suchen. Damit stellt sich allerdings die Frage, ob – zumindest in Deutschland – die niedrigen Zinsen dazu führen, dass besonders viel gespart wird, weil die Bürger den Ausfall der Rendite wettmachen wollen. Dieser mögliche Effekt wird von Ökonomen und Geldpolitikern diskutiert, aus den Daten ist er aber nicht direkt abzulesen.

Deutschland kann sich weiter auf einen Überschuss einstellen

Ganz anders verhalten sich die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors. Dort stockt der Zufluss in Bankeinlagen, weil sie – anders als die meisten Privatanleger – negative Zinsen dafür bezahlen müssen. Relativ viel Geld floss dagegen in Beteiligungen an anderen Unternehmen.

Bei Versicherungen und Pensionseinrichtungen wird ein Trend sichtbar, auf Liquidität – also leichte Verfügbarkeit – zu Gunsten der Rendite zu verzichten. Sie investieren daher mehr als früher zum Beispiel in nicht börsennotierte Aktien und nicht handelbare Kredite.

In einem anderen Abschnitt beschäftigt sich die Bundesbank mit den öffentlichen Haushalten. Dabei stellt sie heraus, dass es in Deutschland trotz einer etwas gelockerten Finanzpolitik und gedämpfter Wachstumsaussichten zunächst noch weiter gesamtstaatliche Überschüsse geben wird. Ab Mitte des kommenden Jahrzehnts werden sich wegen des demografischen Wandels allerdings höhere Belastungen ergeben.

Wegen der günstigen Konjunktur und den niedrigen Zinsen hat sich im Euro-Raum das gesamte staatliche Defizit auf ein halbes Prozent des Bruttoinlandprodukts halbiert, die Schuldenquote sank von 89,1 auf 87,1 Prozent. Im laufenden sowie im kommenden Jahr soll das Defizit laut Prognose der Europäischen Kommission wieder auf 0,9 Prozent steigen, der Abbau der Schuldenquote aber – wenn auch langsamer – weitergehen.

Laut dem Vertrag von Maastricht darf die Schuldenstandsquote für jedes Länder bei maximal 60 Prozent des Bruttoinlandprodukts liegen. Angesichts der offenbar auf lange Zeit niedrigen Zinsen hat sich aber die Belastung durch die Schulden in den vergangenen Jahren im Vergleich zu früheren Perioden deutlich reduziert, was nach Meinung mancher Ökonomen auch höhere Schuldenquoten erlauben sollte.

Mehr: Die großen Dax-Konzerne müssen sich immer häufiger vor Investoren verantworten. Die Aktionärstreffen entwickeln sich zu Tribunalen für das Management. Lesen Sie hier das Wochenend-Spezial zur Revolte des Kapitals.

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4 Kommentare zu "Bundesbank-Monatsbericht: Warum die Deutschen immer mehr Geld auf Girokonten bunkern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • 10 Jahre Aktienhausse bedeutet nicht, dass die Aktien in Deutschland besonders teurer geworden sind. Vielmehr sind sie in verschiedenen Ländern wie z.b. Amerika stark gestiegen aber in Deutschland eben nicht. Insofern kann man davon ausgehen, dass auch in Deutschland noch Kurssteigerungen möglich sind. Würde die deutsche Politik und die Wirtschaft sinnvolle Entscheidungen treffen, so würde das eine weitere Hause auch in Deutschland beflügeln.

  • Der Kommentator Herr Vogt ist natürlich ein absoluter Vollprofi.
    Ich denke aber, es wird mir zustimmen, dass nach 2008ff. die ZB´s die Basisgeldmenge (Monetary Base) zur Explosion gebracht haben, weil der privatbankliche Kreditmultiplikator, der das meiste Giral-"Geld" druckte, abgesoffen war. Hätten sie das nicht getan, hätte die resultierende Kreditdeflation schon damals alles umgerissen.

  • Sehr geehrter Herr Wiebe,

    natürlich schreiben Sie nichts Falsches. Nur klingt alles ziemlich abgehoben.

    Also wenn eine Zentralbank die Zinsen abschafft, dann gibt es eben keine Zinsen mehr. Dann können Sie Ihr Geld nur noch an bonitätsschwache Schuldner verleihen. Fortan Tag und Nacht zittern, ob Sie Ihr verliehenes Geld jemals zurück erhalten. Für diese Sorgen, erhalten Sie dann statt eines Zinses eine "Zitterprämie". Wenn Sie die begehren, greifen Sie beherzt zu.

    Ach ja, es gibt ja auch die Aktienanlagen. Nur pfeifen eben die Spatzen von den Dächern, dass wir seit 10 Jahren einen Börsenaufschwung haben, der mittlerweile der längste aller Zeiten ist. Er ging einher mit einer Null-Zinspolitik und Liquditätsschwemme der Zentralbanken. Und deren Gegenstück: Viele Staaten, Firmen und private Verbraucher haben sich außerordentlich stark verschuldet. Was Sie daraus folgern, bleibt Ihnen persönlich überlassen.

    Was erzählen denn eigentlich Ihre Freunde? Hat einer von ihnen vielleicht die Vision,
    der Börsenaufschwung könne noch viele Jahre einfach so andauern und uns eine weitere Verdreifachung der Aktienkurse bescheren? Wenn ich in den Wald hineinhöre, höre ich solche Stimmen nicht. Mir wird erzählt, dass in kapitalistischen Volkswirtschaften nach jahrhundertelanger Erfahrung einige Jahre eines steilen Aufschwungs stets abgelöst worden sind durch einige Jahre des konjunkturellen Rückschlags ("Rezession").

  • Die EZB hat in riesigem Umfang Staatsanleihen gekauft, die sie natürlich mit (neu geschaffenem) Giralgeld bezahlt hat. Solange dieses Giralgeld existiert, muss es zwingend von jemandem gehalten werden. Je mehr es davon gibt, desto müssen die Anleger also "auf Girokonten bunkern". Wenn A sich entscheidet, dafür eine Aktie zu kaufen, muss B sie ihm verkaufen, das Giralgeld wechselt nur den Eigentümer.

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