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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der bequeme Mahner

Der Vertrag des Bundesbank-Präsidenten wird verlängert. Seine Opposition zur herrschenden Geldpolitik kommt der Politik durchaus gelegen.
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Die Chancen des Bundesbank-Präsidenten, EZB-Präsident zu werden, sind zuletzt gesunken. Quelle: Reuters
Jens Weidmann

Die Chancen des Bundesbank-Präsidenten, EZB-Präsident zu werden, sind zuletzt gesunken.

(Foto: Reuters)

US-Präsident Lyndon B. Johnson sagte über den gefürchteten FBI-Chef Edgar Hoover: „Es ist wahrscheinlich besser, ihn im Zelt zu haben, sodass er hinauspisst, als draußen, sodass er hereinpisst.“ Im vergangenen April schrieb Mervin King, Ex-Chef der Bank of England, in einer Kolumne: „Ich habe keinen Zweifel, dass Johnson Weidmann als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen würde. Mein Rat an Jens: Denk zweimal nach, bevor du akzeptierst.“

King bringt mit dem ihm eigenen Humor die Situation auf den Punkt, in der der Präsident der Deutschen Bundesbank steckt. Weidmann gilt eigentlich als unbequem. Vor allem warnt er vor geldpolitischen Schritten, die einer indirekten Staatsfinanzierung nahekommen. Er macht sich aber gerade unter Politikern nicht beliebt – selbst die Bundesregierung unterstützt ihn nur halbherzig bei seinem Ziel, nächster Präsident der Europäischen Zentralbank zu werden, wenn Mario Draghi das Amt im Oktober abgibt.

Der 50-Jährige braucht die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. So hatte man im letzten Jahr manchmal den Eindruck, dass er seine Kritik vorsichtiger vorträgt, um sich im Rennen um den EZB-Vorsitz nicht allzu unbeliebt zu machen.

Doch Merkel will offenbar lieber einen Deutschen zum EU-Kommissionspräsidenten machen: den CSU-Politiker Manfred Weber. Und gleich zwei wichtige Positionen kann sie auf EU-Ebene kaum durchsetzen. Wenigstens Weidmanns Vertrag als Bundesbank-Präsident, der im April ausläuft, soll nach dem Willen der Bundesregierung um acht Jahre verlängert werden – mehr nicht.

Dabei hat Weidmann einen engen Draht zu Merkel. Während der Finanzkrise war er ihr wirtschaftspolitischer Berater. Danach machte sie den promovierten Volkswirt im Jahr 2011 zum jüngsten Bundesbank-Präsidenten der Geschichte. In dieser Funktion kann Weidmann zwar über die damit verbundene Mitgliedschaft im EZB-Rat Einfluss auf die Geldpolitik ausüben. Selbst gestalten kann er sie aber kaum.

Für die Politik ist das die komfortabelste Lage. Als Bundesbank-Präsident gibt Weidmann den Sorgen der deutschen Sparer wegen der Niedrigzinsen eine Stimme, gleichzeitig aber kann er die Politik kaum ändern. Für die Politik wäre ein härterer Kurs der EZB nicht einfach.

Es ist gut möglich, dass es in den kommenden acht Jahren einen größeren wirtschaftlichen Abschwung geben wird. Gerade in einer solchen Phase macht sich ein flexibler EZB-Präsidenten beliebt: Er nimmt den Regierungen einen guten Teil der Last ab, unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen.

Auch wenn deutsche Politiker gerne über die EZB schimpfen, darf man eines nicht vergessen: Für sein Versprechen, „alles Mögliche zu tun, um den Euro zu retten“, hatte Mario Draghi die Rückendeckung von Merkel und dem damaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Der Chef der Bundesbank genießt bei einigen Kollegen aber durchaus Unterstützung. „Es ist ein großer Fehler von Angela Merkel, Weidmanns Kandidatur nicht mehr zu unterstützen“, sagte Ewald Nowotny, Chef der österreichischen Notenbank, vor einigen Monaten.

Der gebürtige Solinger Weidmann, der in Bonn studierte, verschafft sich mit seinem verbindlichen, stets höflichen Auftreten und seinem trockenen Humor Sympathien. Aber vor allem in Ländern wie Italien, die unter einer strafferen Geldpolitik leiden würden, stößt seine Art, immer wieder Grundsätze vor kurzfristige Erwägungen zu stehen, auch auf Widerwillen.

Auch wenn Weidmanns Chancen auf die EZB-Präsidentschaft zuletzt gefallen sind, halten es viele Beobachter für zu früh, ihn für das Amt komplett abzuschreiben. Dafür gibt es einfach zu viele Ungewissheiten in dem demnächst bevorstehenden großen europäischen Postenpoker. Ob beispielsweise Manfred Weber tatsächlich EU-Kommissionspräsident wird, ist längst nicht sicher. Vor der Europawahl im Mai dürfte ohnehin keine Entscheidung fallen.

Vielen Mitarbeitern der Bundesbank dagegen dürfte es sogar recht sein, wenn er nicht EZB-Präsident wird. Denn Weidmann gilt bei seinen Leuten als exzellenter Chef.

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