Bundesbank-Präsident Weidmann sieht Notenbanken von der Politik bedrängt

Die Schuldenkrise in Europa lässt sich nur durch wieder erlangtes Vertrauen in die Finanzkraft der Staaten überwinden, so der deutsche Notenbankchef. Doch die Politik rückt auch den Zentralbanken auf die Pelle.
17 Kommentare
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann redet den europäischen Regierungen ins Gewissen. Quelle: dpa

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann redet den europäischen Regierungen ins Gewissen.

(Foto: dpa)

EschbornBundesbank-Präsident Jens Weidmann drängt darauf, dass die Europäischen Notenbanken nicht von der Politik als Handlager missbraucht werden dürfen, um die Schuldenkrise zu bekämpfen. „Das Eurosystem kann nicht den Ausputzer für die Politik übernehmen“, sagte Weidmann am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Eschborn. Eine Vertrauenskrise lasse sich nicht beheben, indem gegen Regeln verstoßen werde.

So dürfe etwa nicht durch bilaterale Kreditlinien an den Internationalen Währungsfonds das Verbot der monetären Staatsfinanzierung umgangen werden. Generell lasse sich die Krise nicht mit immer größeren Rettungsschirmen überwinden.

Nachdem sich die EU-Finanzminister am Montag auf Details für den künftigen permanenten Euro-Rettungsschirm ESM geeinigt hatten, läuft immer noch die Diskussion, ob dessen Volumen mit 500 Milliarden Euro ausreichend groß sein wird. Im März wollen die europäischen Staats- und Regierungschef diesen Punkt offiziell noch einmal aufgreifen, doch hinter den Kulissen wird darum bereits gerungen. Unter anderem hat Italien ein Interesse an einem größeren Schutzwall, um einer möglichen Abkehr ausländischer Investoren vorzubeugen.

Weidmann äußerte zudem die Sorge, dass die Verhandlungen über striktere Haushaltsregeln für die EU-Mitgliedsstaaten nicht das ursprüngliche Ziel erreichen könnten, Vertrauen in die Finanzkraft der Länder wiederherzustellen. Am kommenden Montag wollen die Staats- und Regierungschefs den so genannten Fiskalpakt verabschieden.

Finanzielle Hilfen für angeschlagene Länder änderten nichts an den eigentlichen Ursachen der Krise, sagte Weidmann. Solche Werkzeuge könnten zwar ihre Berechtigung haben, aber mit ihnen lasse sich allenfalls Zeit gewinnen. Diese Zeit müsse von den betroffenen Ländern dann aber auch tatsächlich genutzt werden, um die Haushalte zu konsolidieren und weit reichende Reformen durchzusetzen. Hieran habe es häufig gehapert, sagte Weidmann. Die Euro-Finanzminister hatten jüngst die griechischen Reformbemühungen als zu wenig energisch kritisiert.

Zur Überwindung der Krise führt laut Weidmann kein Weg an strikten Sparplänen und Reformen in den Mitgliedstaaten vorbei. Denn die Hauptursachen für die derzeit unsicheren Wirtschaftsperspektiven seien fehlendes Vertrauen in die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Weidmann kritisiert IWF-Wirtschaftsprognose
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

17 Kommentare zu "Bundesbank-Präsident: Weidmann sieht Notenbanken von der Politik bedrängt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • WolgngPress und W.Fischer kann man nur zustimmen!
    Zauberlehrling

  • Wir brauchen mehr wie WolfgangPress vom 25.01.2012
    Zauberlehrling

  • Steuervereinfachung und Steuererhöhung
    @Kschulz

    Die Peripheriestaaten und auch GB werden ohne Manson Tax nicht gesunden. Ob diese dann beispielsweise bei der cosa nostra abgeführt wird oder beispielsweise in Infrastrukturmaßnahmen investiert wird ist ein nationales problem,weil andererseits die Steuern gesenkt werden müssen, wie man am Beispiel Irland erkennen kann. Was die deutsche Politikerkaste betrifft sollte möglichst bald über Steuerdemografie und Steuersenkung von medialer Seite geschrieben werden. Anderenfalls macht die Einheitsblockpartei mit den Steuern ungebunden wasser sie will. Im Finanzministerium sitzen ca. 1000 Mitarbeiter zum Teil mit A16. Warum leidet eigentlich in dieser Legislaturperiode die Innenpolitik derart?!

  • WolfgangPress danke. Besser kann man es nicht erklären.
    Danke

  • Ein möglicher Kollaps des Geldsystems ist doch die Folge von verrückter Wirtschaftspolitik. Mit immer mehr Schulden, lassen sich die strukturellen Unterschiede der einzelnen europäischen Länder nicht lösen. Und das verloren gegangene Vertrauern haben Politiker und Banker selber verspielt.

    Wie soll das Vertrauen zurückkehren wenn keine grundlegenden Änderungen in den einzelnen Ländern vorgenommen werden können ?!!!

    Europa besteht aus zwei wirtschaftlichen Geschwindigkeiten was das Wachstum betrifft.
    Das wirtschaftliche Nord-Südgefälle besteht seit über 50 Jahren. An dieser Situation wird sich auch in 30 Jahren nichts ändern. Für Griechenland sollten die Schulden eingefroren werden. Je nach Möglichkeit könnte Griechenland seine Schulden z.B. ab 2016 zurückbezahlen. Genaue Modalitäten und Vorgaben sind natürlich vorab auszuloten. Einen Schuldenschnitt darf es nicht geben.

    Entgegen allen wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen wollen die Politiker an der Einheitswährung, dem Euro, weiterhin festhalten. Noch wäre Zeit einen SÜDEURO und einen NORDEURO als zwei getrennte Einheitswährungen zu installieren. Wird nicht umgehend gehandelt, werden die Länder am Ende auf ihre alte Währung zurückgreifen müssen!!!

  • Herr Weidmann ist ideologisch derart verkleistert, dass man sich fragen muss, wem und wofür ist dieser Mann verpflichtet. Wer so argumentiert, will die Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen. Was wäre denn, wenn die Notenbanken nicht in der Form intervenieren würden, wie sie es tun. Die Banken wären längst pleite. Und, dass der Chef der deutschen Notenbank nicht begreifen will, dass die Spar- und "Reform"-vorhaben in eine Rezession führen, die Deutschland mit verursacht hat, der hat gerade nicht die Unabhängigkeit, die er anmahnt. Im Gegenteil, er versucht eine Ideologie am Leben zu erhalten, die sich längst ad absurdum geführt hat.

  • EIN AMT MIT MACHT UND WÜRDE.
    ENTWEDER MAN KANNS, ODER MAN KANNS NICHT.
    WEIDMANN, KANNSTES?

  • Sie sind also bedauerlicherweise schon wieder bei Steuererhöhungen oder bei neuen Steuererhebungen. Wir brauchen keine neuen Steuern, der Staat bekommt genug von seinen fleißigen Bürgern. Das Problem ist einzig und allein daß der Staat nicht sorgfältig mit dem ihm reichlich zufließenden Geld umgehen will und kann. In unserem Land wird doch ununterbrochen Wahlkampf gemacht. Ständig sind irgendwelche Gruppen zu bedienen, bei denen die Gefahr besteht daß sie von der Fahne gehen könnten! Das beste Beispiel ist der Atomausstieg, der unserer Atomphysikerin Merkel über Nacht eingefallen ist! Die hat einfach nur Angst gehabt, daß die Grünen und die SPD zu stark werden könnten. Die Dame ist unübertroffen und in einer beängstigenden Form machtgeil!

  • @ Richtig WolfgangPress

    Zuerst § 25 Abs. 1 ErbSTG

  • @Trouby

    Wenn Sie eine Vermögensteuer fordern, dann, bitte wie wollen Sie Grundvermögen oder Kunstgegenstände realistisch bewerten? Beim Geldvermögen einschl. Aktien und Anleihen ist das noch sehr einfach. Aber haben Sie schon Mal darüber nachgedacht wie Grundvermögen zu bewerten ist? Gutachten. O.K.. Ein Gutachter, 3 Werte und keiner kann dabei beim Verkauf erzielt werden.
    Da ist es m.E. doch viel, viel besser, dass sich die FA's der Besteuerung der Einkommen widmen, denn da ist viel, sehr viel zu holen. Denken Sie nur an das viele Schwarzgeld und an die Schwarzarbeit.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%