Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnt vor Preisblasen

Geldpolitik allein kann die Probleme dieser Welt nicht lösen, findet Bundesfinanzminister Schäuble. Er warnt vor den Folgen der offenen Geldschleusen der Zentralbanken. Und sieht die Gefahr einer Preisblase.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht die Gefahren von zu viel Liquidität auf den Märkten. Quelle: dpa
Warnende Worte

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht die Gefahren von zu viel Liquidität auf den Märkten.

(Foto: dpa)

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat vor den Stabilitätsgefahren der weltweit vielerorts ultra-lockeren Geldpolitik und der damit verbundenen hohen Liquidität gewarnt. „Das kann zu den nächsten Preisblasen führen”, sagte Schäuble am Freitag in Berlin vor dem Verein Atlantik-Brücke, der sich der Stärkung der deutsch-amerikanischen Freundschaft verpflichtet sieht. „Wir sollten die Lehre aus der letzten Krise ziehe”, bekräftigte Schäuble.

Wo die nächste Blase lauert
Die Blasengefahr steigt
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Mieten und Kaufpreise wachsen in 173 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten nicht gleichmäßig. Der Blasenindex des Bonner Beratungsunternehmens Empirica zeigt für das zweite Quartal 2015 für 83 Kreise und Städte eine hohe Blasengefahr an. Das ist ein deutlicher Anstieg: Im Vorjahr waren nur 61 Gemeinden gefährdet, vor drei Jahren sogar nur 18 Städte und Kreise.

Hamburg
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In Hamburg braucht man im Jahr 2015 28,4 Jahresmieten, um den Kaufpreis einer Wohnung abzudecken – 2004 waren es nur 25,8. Auch das Verhältnis Kaufpreis zu Jahresmiete entwickelt sich negativ: Brauchte man 2004 noch 6,1 mal das durchschnittliche Jahreseinkommen für den Kaufpreis, sind es 2015 7,5 mal. Bei beiden Kategorien steht die Blasenampel auf Rot. Ebenfalls werden immer mehr Wohnungen pro 1000 Einwohner fertiggestellt. 2003 waren es 2,2 – 2015 schon 3,7.

Blasengefahr: Rot

Hinweis: Empirica teilt ihr Bewertungsschema zur Untersuchung der Blasengefahr in Deutschlands Großstädten in vier Kategorien ein: „Vervielfältiger“ gibt an, wie viele Jahresmieten nötig sind, um eine Eigentumswohnung erwerben zu können, „Preis-Einkommen“ misst die Anzahl der benötigten Jahreseinkommen für den Erwerb einer Eigentumswohnung, „Fertigstellungen“ zeigt, wie viele Wohnungen je 1000 Einwohner pro Quartal fertiggestellt wurden. Die vierte Kategorie beziffert die gesamte Blasengefahr für die jeweilige Stadt. Zur Kennzeichnung der Blasengefahr verwendet Empirica eine Ampel. Rot bedeutet akute Blasengefahr, Gelb eine mittelmäßige Blasengefahr und grün eine stabile Immobilienmarktentwicklung. Die Daten beschreiben die Entwicklung des zweiten Quartals 2015 im Vergleich zum ersten Quartal 2004 (Ausnahme Fertigstellungen: Vergleich 2013 und 2003).

Bremen
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Auch in Bremen wächst die Gefahr einer Marktüberhitzung: Zwar ging die Fertigstellungsquote von 2,2 Wohnungen pro 1000 Einwohner im Jahr 2003 auf 1,6 im Jahr 2013. Die Kaufpreise steigen dennoch: Das Verhältnis Kaufpreis zu Jahresmiete stieg von 19,9 auf 23,9 und das Verhältnis Kaufpreis zum Jahreseinkommen erhöhte sich von 4,7 auf 5,2. Insgesamt bedeutet das für Bremen eine mittlere Blasengefahr.

Blasengefahr: Gelb

Düsseldorf
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Immobilien in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens werden immer teurer. Im Vergleich zu 2004 stieg die Anzahl der Jahresmieten für den Erwerb einer Wohnung von 22,4 auf 29,2. Das Verhältnis vom Kaufpreis zum Jahreseinkommen stieg von 5,3 auf 6,9. Ebenfalls werden in Düsseldorf mehr Wohnungen gebaut, der Wert stieg von 2,1 leicht auf 2,3.

Blasengefahr: Rot

Köln
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Auch in Köln leuchtet die Ampel rot auf: Das Jahresmieten-Kaufpreis-Verhältnis stieg von 2,7 auf 27,4. Das Preis-Einkommensverhältnis stieg nicht ganz so stark, aber auch von 6,0 auf 6,7. Und auch in Köln werden mehr Wohnungen gebaut: Von 2,6 pro 1000 Einwohner stieg der Wert auf 3,0.

Blasengefahr: Rot

Essen
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In Essen sank sowohl das Verhältnis Preis-Einkommen (von 5,4 auf 5,3) als auch die Zahl der Fertigstellungen (von 1,4 auf 1,3) leicht. Doch das Verhältnis von Kaufpreis zu Jahresmiete stieg so stark an (von 22, auf 26,6), dass die Gesamtsituation trotzdem bedenklich bleibt.

Blasengefahr: Rot

Dortmund
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Dortmund kommt unter den zwölf größten kreisfreien Städten am besten weg. Deutliche Rückgänge gibt es in den Kategorien Kaufpreis-Jahresmiete (von 25,2 auf 24,2) und bei Fertigstellungen von Wohnungen (von 3,1 auf 2,1 Wohnungen pro 1000 Einwohner). Auch der Wert in der Kategorie Preis-Einkommen ist leicht gesunken, von 5,6 auf 5,5.

Blasengefahr: Grün

Die Geldpolitik allein könne die wirtschaftlichen Probleme in der Welt nicht lösen. „Sie darf auch nicht als Ausweg dienen, das zu unterlassen, was notwendig ist - und das sind Strukturreformen”, sagte der Minister.
Zugleich warnte Schäuble vor einer Überbetonung der Finanzwirtschaft in einer Volkswirtschaft. „Wir sollten mehr auf die Substanz der Realwirtschaft achten”, sagte er. „Eine zu starke Konzentration auf die Finanzwirtschaft ist nicht nachhaltig.” 

  • rtr
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