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Coronakrise EZB-Chefin Lagarde warnt vor wirtschaftlichen Folgen wie in der Finanzkrise

In einer Telefonkonferenz mit den Spitzen der EU hat die EZB-Chefin schnelles Handeln gefordert, um die Folgen der Corona-Epidemie abzufangen.
11.03.2020 - 13:23 Uhr Kommentieren
Auf ihrer Pressekonferenz am Donnerstag wird die EZB-Chefin voraussichtlich neue geldpolitische Maßnahmen verkünden. Quelle: Bloomberg
Christine Lagarde

Auf ihrer Pressekonferenz am Donnerstag wird die EZB-Chefin voraussichtlich neue geldpolitische Maßnahmen verkünden.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Christine Lagarde hat die Europäischen Staats- und Regierungschefs davor gewarnt, es angesichts der Schwierigkeiten durch das Coronavirus nicht so weit kommen zu lassen wie in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren. Bei einer Telefonkonferenz am Dienstag wies die EZB-Präsidentin die Gesprächspartner auf die Dynamik der aktuellen Situation hin und drängte sie zum schnellen Handeln, wie informierte Kreise bestätigen. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet.

Ein Thema sollen dabei mögliche Kreditgarantien der Mitgliedsstaaten gewesen sein. Eine große Sorge der EZB besteht darin, dass die Banken in der aktuellen Situation die Kreditvergabe einschränken könnten. Die Notenbank kann die Kreditvergabe stützen, indem sie günstigere Finanzierungen zur Verfügung stellt.

Das größte Hindernis dürfte aber sein, dass die Banken etwa wegen Produktionsausfällen bei Unternehmen zunehmende Risiken fürchten, und sich deshalb dennoch zurückhalten. Hier würde es helfen, wenn die Staaten bestimmte Risiken abdecken. Eine weitere Idee ist, Richtlinien, die Staatshilfen verbieten, zeitweise auszusetzen.

Die EZB selbst tagt am Donnerstag. Es wird erwartet, dass sie ebenfalls Maßnahmen beschließt. Eine wahrscheinliche Variante sind gezielte Kredithilfen für kleine und mittlere Unternehmen, die von der Krise besonders betroffen sind. So könnte die EZB den Geschäftsbanken zweckgebunden besonders günstige Kredite gewähren, damit diese das Geld an diese Firmen weiterreichen.

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    Aktuell gibt es bereits eine Variante von besonders günstigen Langfristkrediten für die Banken. Der Zins dafür liegt auf der Höhe des Einlagenzinses von minus 0,5 Prozent, wenn die Banken bestimmte Bedingungen erfüllen. Hier wäre denkbar, dass die EZB den Prozentsatz unter bestimmten Bedingungen noch weiter absenkt.

    Auch gezielte Anleihekäufe möglich

    Möglich wäre auch, dass die EZB ihre Käufe von Unternehmensanleihen ausweitet. Aktuell kauft sie monatlich für etwa 20 Milliarden Euro zusätzliche Papiere, davon entfallen rund fünf Milliarden Euro auf Unternehmensbonds.

    An den Märkten wird auch über eine Zinssenkung um zehn bis 20 Basispunkte, also bis zu 0,2 Prozentpunkte, spekuliert. Allerdings ist dieses Instrument umstritten. Ökonomen und Mitglieder aus dem EZB-Rat befürchten, dass irgendwann die negativen Effekte einer Zinssenkung die positiven Folgen überwiegen.

    Die Sorge ist, dass die Banken geschwächt werden, die gerade jetzt für die Kreditvergabe gebraucht werden. Möglich wäre auch, dass die EZB im Gegenzug zu einer Zinssenkung die Banken entlastet, indem sie die Freibeträge ausweitet, bis zu denen sie ohne Minuszinsen Geld bei der Notenbank anlegen können.

    Die Frage ist, ob die Maßnahmen ausreichen, um die Situation zu beruhigen. Die Erwartungen an Notenbanken und Regierungen sind hoch – und damit besteht auch die Gefahr, zu enttäuschen. Sollte sich die Krise verschärfen könnten auch für die EZB noch weitere Maßnahmen auf den Tisch kommen.

    Notenbankkreise weisen außerdem darauf hin, dass es bei einer Verschärfung der Krise auch die Möglichkeit gäbe, das Programm zum gezielten Ankauf von Staatspapieren einzelner Länder (OMT) zu aktivieren. Das wäre eine Option, wenn sich die Zinsunterschiede zwischen Ländern wie Italien und Deutschland stärker ausweiten.

    Corona: Lagarde vergleicht mögliche Folgen mit denen der Finanzkrise Quelle: Reuters
    Christine Lagarde

    Auf ihrer Pressekonferenz am Donnerstag wird die EZB-Chefin voraussichtlich neue geldpolitische Maßnahmen verkünden.

    (Foto: Reuters)

    Das OMT-Programm wurde in der Euro-Krise aufgelegt und bisher noch nicht genutzt. Es würde der EZB erlauben, gezielt einzelne Länder wie etwa Italien zu unterstützen. Die aktuellen Anleihekäufe der EZB sind hingegen an den Kapitalschlüssel der Notenbank gebunden, der sich aus Bevölkerungsgröße und Wirtschaftskraft ergibt.

    Voraussetzung für eine Aktivierung des OMT-Programms wäre aber, dass Italien ein Hilfsprogramm des Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) beantragt, das an bestimmte Auflagen geknüpft wäre. Dies würde voraussichtlich mehrere Wochen dauern.

    Mehr: Wie Trumps Hilfspaket die Märkte stützt

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