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Crowdinvesting Union und SPD erleichtern Zugang für private Investoren

Die Regierungsparteien CDU und SPD verbessern die Anlagebedingungen für Schwarmfinanzierung. Investoren sollten das Verlustrisiko nicht unterschätzen.
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Union und SPD einigten sich jetzt darauf, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Schwarmfinanzierungen zu verbessern. Quelle: dpa
Berliner Reichstag

Union und SPD einigten sich jetzt darauf, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Schwarmfinanzierungen zu verbessern.

(Foto: dpa)

BerlinDas Timing war nicht optimal. Gerade als sich die Abgeordneten von Union und SPD im Finanzausschuss des Bundestags in dieser Woche final über gesetzliche Verbesserungen der immer beliebteren Schwarmfinanzierung – neudeutsch „Crowdinvesting“ – verständigten, wurde eine weitere Pleite bekannt.

Der zweitgrößte Immobilien-Schwarmfinanzierer in Deutschland, Zinsland, informierte am Montag seine Anleger über den Insolvenzantrag des Projektentwicklers AZP Steinbach GmbH. Knapp 1000 Anleger müssen jetzt um ihr investiertes Kapital von rund 1,9 Millionen Euro fürchten.

Pleiten sind in dieser risikoreichen Branche nicht ausgeschlossen. Aus Sicht der Regierungskoalition überwiegen jedoch die Vorteile des Konzepts des Crowdinvestings, bei dem verschiedene Geldgeber ein Projekt oder ein Unternehmen über eine Plattform finanzieren. Daher wollen Union und SPD die Schwarmfinanzierung weiter fördern. Der Finanzausschuss konnte sich am Mittwoch auf einen Kompromiss verständigen, der diesen Finanzierungen mehr Freiheiten einräumen soll.

Ungenutzte Emissionen künftig nutzen

Demnach wird sich das Volumen für Projekte, für die keine teuren Prospekte erstellt werden müssen, erhöhen. Die Schwelle für prospektfreie Vermögensanlagen steigt von derzeit 2,5 Millionen Euro auf sechs Millionen Euro. Zudem bekommen die Unternehmen mehr Beinfreiheit.

Hatte ein Unternehmen bislang sein Limit für eine Emission nicht ausgeschöpft, konnte es das restliche Volumen für eine weitere Emission nicht nutzen. Künftig kann es das schon, zudem werden bereits getilgte Vermögensanlagen nicht angerechnet. Schließlich hat der Finanzausschuss entschieden, dass die Obergrenze für eine Emission nunmehr für einen Zeitraum von zwölf Monaten gilt.

Auch die Limits für einzelne Anleger werden erhöht. Derzeit liegt die Obergrenze für die Investition eines Anlegers über ein Crowdinvesting-Portal bei 10.000 Euro. Künftig werden es 25.000 Euro sein. Per Selbstauskunft muss der Anleger dann bestätigen, dass er ein frei verfügbares Vermögen von mindestens 100.000 Euro hat.

Alternativ muss er versichern, dass er monatlich 12.500 Euro brutto verdient, sofern er die maximale Grenze von 25.000 Euro ausreizen will. Eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Evaluierungsstudie hatte der bestehenden Obergrenze nur eine geringe Bedeutung beigemessen. Aber sie wollte eine „die Investitionsbereitschaft einschränkende Wirkung“ nicht ganz ausschließen.

Der Bundesverband Crowdfunding sieht das anders. Die Möglichkeit, mehr zu investieren, sei ein wichtiger Impuls für das Crowdinvesting: „Der Bundestag hat die richtigen Weichen für die Crowdfunding-Branche gestellt, um am Standort Deutschland weiterzuwachsen und den Anlegern attraktive Investitionsmöglichkeiten zu bieten“, sagt Jamal El Mallouki, Vorstandsvorsitzender des Verbands.

Positiv würdigt die Branche auch, dass sich professionelle Investoren über eine GmbH & Co. KG engagieren können. Für sie gelten die festgesetzten Einzelanlageschwellen nicht. Künftig können Schwarm‧finanzierungsprojekte zudem über Genussrechte finanziert werden, statt allein über Nachrangdarlehen oder sogenannte partiarische Darlehen. Bei Letzteren wird als Entgelt für den Gläubiger ein Anteil am Gewinn oder Umsatz vereinbart. Bei Genussrechten können Anleger ebenfalls am Gewinn und am Wertzuwachs des Unternehmens partizipieren, heißt es.

Doch nicht alle Wünsche der Crowdinvesting-Branche sind in Erfüllung gegangen. Der Bundesverband hatte sich dafür ausgesprochen, auch GmbH-Anteile mit ins Gesetz aufzunehmen. Doch die SPD sträubte sich. Zwar erkennt der CDU-Finanzpolitiker Johannes Steiniger „Schritte in die richtige Richtung“.

Allerdings hätte er sich beim Thema GmbH-Anteile „mehr Mut“ gewünscht. Seiner Auffassung nach werden Chancen vergeben, wenn dieses Eigenkapitalinstrument nicht eingesetzt wird. Aus Sicht der Union hätte dies Sinn gemacht, weil Unternehmen die gängigen partiarischen Darlehen und Nachrangdarlehen schwerer nutzen können.

Crowdinvesting wächst kräftig

Union und SPD hätten ein unterschiedliches Verständnis vom Verbraucherschutz, meint Steiniger. „Wenn der Verbraucher über die Risiken aufgeklärt ist, sollte es ihm möglich sein, auch in Eigenkapital zu investieren“, sagt er. Unter dem Strich hält auch die SPD das Paket für gelungen.

„Die Prospekterstellung wird vereinfacht, ohne dass es Abstriche beim Anlegerschutz gibt. Dies senkt für kleine und mittlere Unternehmen die Hürden für eine Kapitalmarktfinanzierung“, erklärt SPD-Finanzpolitikerin Sarah Ryglewski. Trotz großer Risiken gewinnt die Idee des Crowdinvestings immer mehr Anhänger. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt um 50 Prozent auf 300 Millionen Euro. Dabei dominierte die Immobilienfinanzierung mit 212 Millionen Euro.

Wie es im Fall der gescheiterten Projekte von Zinsland weitergeht, ist noch unklar. Für zwei Projekte der Firma hatte Zinsland Fundings durchgeführt. Für das Projekt „Steinbacher Terrassen“ investierten 522 Anleger insgesamt 966.000 Euro, für den „Nassauer Hof“ mobilisierten 453 Anleger 897.000 Euro.

„Über den Ausgang des Verfahrens und die Möglichkeit auf Rückzahlung kann derzeit keine belastbare Aussage getroffen werden“, teilte Zinsland seinen Investoren mit. Vor zwei Jahren ging bereits ein von Zinsland finanziertes Projekt in Berlin-Tempelhof pleite. Da sich Anleger meist mit partiarischen Darlehen oder Nachrangdarlehen engagieren, stehen die Chancen schlecht, dass sie ihr Geld wiedersehen werden.

Nicht umsonst warnen die Plattformen Investoren stets, dass ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich ist. Andererseits belegt eine Studie, die die Bundesregierung in Auftrag gegeben hatte, dass sich die Verluste beim Crowdinvesting bislang in Grenzen halten. Sie lagen bei weniger als vier Prozent oder zwölf Millionen Euro, bei einer vermittelten Summe von 364 Millionen Euro. Dagegen bekommt in der Regel jedes zweite Start-up Finanzierungsschwierigkeiten.

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