Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Danièle Nouy EZB-Bankenaufseherin fordert eine Reform der Stresstests für Geldhäuser

EZB-Chefaufseherin Danièle Nouy regt Änderungen beim EU-Bankencheck an. Der aktuelle Test liefere für die Finanzaufsicht zu wenige neue Erkenntnisse.
Update: 19.11.2018 - 17:24 Uhr Kommentieren
Die Bankenaufseherin der EZB zählt die Vollendung der EU-Bankenunion zu den größten Herausforderungen der Notenbank. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Danièle Nouy

Die Bankenaufseherin der EZB zählt die Vollendung der EU-Bankenunion zu den größten Herausforderungen der Notenbank.

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Frankfurt Alle zwei Jahre durchleuchten die europäischen Aufseher und Regulierer in einem Stresstest die größten Geldhäuser des Kontinents. Dass es von den Banken regelmäßig Kritik daran gibt, ist nichts Neues. Doch nun hinterfragen auch prominente Kontrolleure die Gestaltung und Aussagekraft der europaweiten Übung.

Beim Bankencheck wird getestet, wie sich Geldhäuser in einer simulierten Krise schlagen würden. Für die Finanzaufsicht sei der Stresstest sehr aufwendig und liefere zu wenig neue Erkenntnisse, kritisierte Danièle Nouy, die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank (EZB), am Montag bei der Handelsblatt-Tagung „European Banking Regulation“. „Ich will am Ende mehr Material für aufsichtliche Maßnahmen.“

Bei der EU-Bankenaufsicht seien 250 Kontrolleure neun Monate lang mit dem Stresstest 2018 beschäftigt gewesen, erklärte Nouy. Zusätzlich habe man rund 50 Berater engagiert. Für diesen Aufwand erwarte sie einen höheren Ertrag, betonte die Französin. „Ich will etwas erfahren über die Banken, die ich beaufsichtige, was ich bisher noch nicht weiß.“

Auch aus Sicht von vielen Finanzmanagern ist die Aussagekraft des EU-Stresstests gering – gerade im Vergleich zu ähnlichen Prüfungen in den USA. Beim europäischen Test in diesem Jahr wurden viele Dinge bestätigt, die ohnehin bekannt sind – beispielsweise, dass zahlreiche deutsche Banken nicht genug verdienen.

Nouy hielt sich jedoch mit konkreten Vorschlägen zurück, wie der EU-Stresstest reformiert werden sollte, schließlich tritt sie zum Jahresende als oberste EZB-Bankenaufseherin ab. Die im Krisenszenario simulierten Risiken, auf die sich Banken im Kreditgeschäft einstellen müssen, sind aus ihrer Sicht aber zu vorhersehbar. Eine Option wäre laut Nouy, künftig weniger Banken zu überprüfen und dafür mehr Themen zu beleuchten.

Der Stresstest wird maßgeblich von der europäischen Bankenbehörde Eba durchgeführt. Auch deren Chef Andrea Enria hatte vergangene Woche bei einer Rede Änderungen ins Gespräch gebracht. Der Italiener, der im kommenden Jahr die Nachfolge von Nouy bei der EZB antreten soll, hat jedoch andere Kritikpunkte.

Enria findet, dass nach der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse auch kommuniziert werden sollte, wie sich diese auf die künftigen Kapitalanforderungen der Banken auswirken. Auf diese Weise würde die Aussagekraft der Ergebnisse steigen und die Unsicherheit über die Dividendenpolitik der Institute sinken.

Aktuell wirken sich die Ergebnisse des Stresstests vor allem auf die Erwartungen der Aufseher an die Kapitalquoten der Geldhäuser aus. Diese veröffentlichen die meisten Institute – im Gegensatz zu der zwingend einzuhaltenden Mindestkernkapitalquote – jedoch nicht.
Darüber hinaus geht der Stresstest davon aus, dass sich die Bilanz der Banken nicht verändert. Ausgangspunkt für den Test in diesem Jahr waren die Jahresabschlüsse 2017. Enria schlägt vor, dass künftig berücksichtigt wird, wenn Finanzinstitute während eines laufenden Stresstests ihr Kapital erhöhen oder Fusionen in Angriff nehmen. Insgesamt äußerte sich EZB-Chefaufseherin Nouy zufrieden über die Entwicklung der europäischen Geldhäuser in den vergangenen fünf Jahren.

„Die Banken sind sicherer und gesünder.“ Die Kernkapitalquote sei im Schnitt von elf auf 14 Prozent gestiegen. Der Bestand an faulen Krediten fiel von einer Billion Euro auf rund 650 Milliarden Euro. „Das ist immer noch zu viel“, sagte Nouy. Aber der Sektor sei für eine neue Krise besser gewappnet.

Fusionen als Ausweg

„Es gibt keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen“, mahnte Nouy. Es gebe noch viel zu tun. Zu den größten Herausforderungen zähle die Vollendung der EU-Bankenunion und die Steigerung der Profitabilität der Institute. „Viele Banken, die wir überwachen, verdienen ihre Kapitalkosten nicht. Das ist langfristig nicht tragfähig.“

Fusionen seien ein möglicher Weg, um die Profitabilität zu steigern, sagte Nouy – egal ob grenzüberschreitend oder innerhalb von Mitgliedstaaten. „Ich habe absolut nichts gegen nationale Zusammenschlüsse“, beteuerte Nouy. Entscheidend sei, dass die fusionierte Bank anschließend sicher sei und ein funktionierendes Geschäftsmodell habe.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Danièle Nouy - EZB-Bankenaufseherin fordert eine Reform der Stresstests für Geldhäuser

0 Kommentare zu "Danièle Nouy: EZB-Bankenaufseherin fordert eine Reform der Stresstests für Geldhäuser"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote