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Demografie Ein überraschender Grund für die niedrigen Zinsen ist die alternde Bevölkerung

Wenn wenig gearbeitet und viel gespart wird, drückt das die Zinsen. Die EZB empfiehlt jetzt eine Erhöhung des Rentenalters.
12 Kommentare
Niedrigzins: Überalterung der Bevölkerung hält die Zinsen niedrig Quelle: imago/Eckhard Stengel
Wandbild an der Hausfassade des Bremer AWO-Hauses

Die Alterung der Bevölkerung führt dazu, dass weniger Menschen im Berufsleben stehen.

(Foto: imago/Eckhard Stengel)

Frankfurt Was hat die Entwicklung der Bevölkerung mit Geldpolitik zu tun? Eine ganze Menge, findet die Europäische Zentralbank (EZB). In einem Bulletin, das ihre Forscher Carolin Nerlich und Joachim Schroth verfasst haben, heißt es: „Demografische Kräfte üben einen langsam wirkenden Druck auf die Gleichgewichtszinsen aus.“

Diese Gleichgewichtszinsen sind die Prozentsätze, bei denen die Wirtschaft unter vollem Dampf laufen kann, ohne zu überhitzen und Inflation zu erzeugen. Sind sie relativ niedrig, dann kann die Notenbank ihren Leitzins nicht sehr weit anheben, ohne die Konjunktur abzuwürgen.

Daraus folgt: Die zunehmende Alterung der Bevölkerung schafft nicht nur bei der Finanzierung staatlicher Renten oder im Kranken- und Pflegebereich Probleme, sondern auch auf den Kapitalmärkten. Und dabei gilt: Niedrige Zinsen erschweren es auch noch, Defizite bei der staatlichen Rente durch private Vorsorge auszugleichen.

Die Argumentation baut auf mehreren Annahmen und Erkenntnissen anderer Studien auf. Danach führt die durchschnittliche Alterung der Bevölkerung dazu, dass weniger Menschen im Berufsleben stehen. Außerdem gibt es offenbar Erkenntnisse, nach denen ältere Beschäftigte weniger produktiv arbeiten als jüngere, sei es aus gesundheitlichen Gründen, oder weil es an entsprechenden Schulungsangeboten oder der Bereitschaft zur Veränderung fehlt.

Zusammen genommen führen die Effekte zu einem niedrigeren Wirtschaftswachstum. Dazu kommt wegen der steigenden Lebenserwartung eine tendenziell steigende Sparquote. Wenn wenig gearbeitet und viel gespart wird, drückt das die Zinsen.

Die Studie zeigt auf, dass im Jahr 2016 in der Euro-Zone 20 Prozent der Bevölkerung mindestens 65 Jahre alt waren, also ein gängiges Pensionsalter erreicht hatte. Nach den Projektionen der Forscher wird dieser Anteil bis 2030 auf ein Viertel und bis 2070 auf 30 Prozent steigen.

Dabei ist jede Prognose mit Unsicherheit behaftet, weil sich zum Beispiel durch Zuwanderung aus anderen Regionen Veränderungen ergeben können. Grundsätzlich ist aber die Entwicklung der Bevölkerung besser abzusehen als viele andere Trends. Vor allem aus einem Grund: Kinder, die heute nicht geboren worden sind, fallen als Eltern aus, daran ist nichts mehr zu ändern.

Ökonomisch entscheidend ist vor allem die Quote der Altersabhängigkeit, definiert als Verhältnis der mindestens 65-Jährigen zu den 15- bis 64-Jährigen. Kurz gesagt kommt dabei zum Ausdruck, wie viele Rentner von wie vielen Berufstätigen mitversorgt werden müssen. Von 2016 bis 2070 wird das Verhältnis in Deutschland von gut 30 Prozent auf knapp 60 Prozent steigen.

Sehr viel dramatischer ist die Entwicklung in Ländern wie Italien, der Slowakei oder Portugal, die bei der Modellrechnung am Ende auf mehr als 60 Prozent kommen. Sehr viel ausgeglichener als in Deutschland ist der Trend dagegen zum Beispiel in Irland, Frankreich und Belgien, die jeweils unter 50 Prozent bleiben.

Die Studie diskutiert mehrere Varianten, das Problem der Altersversorgung abzumildern. Möglich wären höhere Rentenbeiträge oder staatliche Zuschüsse in dem Bereich, oder aber eine Absenkung der Versorgungsleistungen. Den größten Effekt hätte aber, so heißt es, eine Anhebung des Alters für den Beginn der Rente. Zwar gebe es in dem Bereich bereits Fortschritte in einigen Ländern, aber immer noch das Risiko zu großer Sorglosigkeit.

Deutschland hat das Rentenalter ja bereits auf 67 Jahre angehoben – wie weit das reicht, wird sich zeigen. Insgesamt bleibt für die Gesellschaft die Erkenntnis, die der Schauspieler Sean Connery mehr auf das individuelle Leben bezogen hat: „Alt werden ist nichts für Feiglinge.“

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12 Kommentare zu "Demografie: Ein überraschender Grund für die niedrigen Zinsen ist die alternde Bevölkerung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Und der Weihnachtsmann trägt Bart weil er keinen Rasierapparat hat. FED , EZB und andere Finanzakrobaten haben daran natüüüüürlich keinen Anteil.

  • Genau die Erhöhung des Rentenalters ist ein Irrweg. Das einzige Land, das vor seinem erzwungenen Beitritt zur EU eine logische Rentenpolitik betrib , war Italien. Man konnte ( besonders die Menschen im Staatsdienst mit Ende 30 in Rente gehen, erhielt eine "Überlebensrente" und sich dann auf einen neuen Beruf vorbereiten. Somit wurde jungen Menschen rechtzeitig ein Job zur Verfügung gestellt. Die Jobs wurden auf diese Weise - anders als in diesem Vorschlag - nicht über 2 oder gar 3 Generationen uneinnehmbar gepachtet.

  • Typisch EZB, Inflation ist passe nun kommt Demografie, Die sog. Forscher der EZB müssen ihrem Chef eine neue Begründung (Lügenkonstrukt) liefern, daher baut die Argumentation auf mehreren Annahmen und Erkenntnissen anderer Studien auf. Das nenne ich ohne Substanz und Zusammenhang abschreiben.
    Die EZB will ihre eigenen, ja fast schon kriminallen Handlungen wie verbotene Staatsfinanzierung, Minuszinsen und somit die Enteignung deutscher Sparer jetzt mit der Demografie begründen. Immer wenn ich das Wort Annahmen höre oder lese weis ich, dass hier keinerlei Substanz oder wissenschaftliche Fachkenntnis dahinter steht, Annahme = Schätzen und Schätzen kann fehlen und tut es in der Regel auch.
    Für mich will der EZB-Chef Draghi, der Statthalter von Goldman Sachs, Imperator des römischen Pleitestaats deutsches Vermögen erobern bzw. nach Italien umlenken bzw. tut er ja bereits.
    Die Zinsen haben überhaupt nichts mit der Alterung zu tun, sondern sind eng mit der Inflation verbunden.
    Dies waren auch die Begründung für die Nullzins-Politik der EZB, oder wurden wir wie so oft angelogen?? Aber jetzt muß eine neue Begründung her die alte ist mittlerweile aus Inflationsgründen nicht mehr tragfähig.
    Die Inflation liegt momentan bei 1 bis 1,5%, also keinen Grund mehr für eine Nullzinspolitik. Bei dieser Inflation von z.B. 1,5% verliert das Vermögen in Kaufkraft innerhalb von 10 Jahren 16%, das heist die EZB hat den Bürger um 16% enteignet ohne Rechtsgrundlage. Wenn die EZB nicht die Regeln der Geldpolitik außer Kraft gesetzt hätte würde das Gleichgewicht zwischen Sparen (Ältere) und Kredite (jüngere z.B. für Wohneigentum) funktionieren, denn das Sparvermögen der einen sind die Kredite für andere. Inzwischen wird immer mehr Geld in dubiosen Geldanlagen, Terminkontrakten ohne Gegenwert an der Realwirtschaft vorbei, rein auf Spekulationsbasis um die Welt gejagt. Das ist unser Problem und nicht die Demografie.
    Die EZB will das Bargeld abschaffen um Minuszinsen auf Sparvermögen zu erheben.

  • Mario Drahgi , aka Graf Zahl, ist der einzige Verantwortliche für die niedrigen Zinsen wegen Italien - rest is bs!

  • Ein paar Binsenweisheiten, ein paar widersprüchliche Angaben als Schlussfolgerung (mit dem Alter fällt die Produktivität - das Rentenalter muss also erhöht werden?) obendrauf ein schmissiger Titel, das ganze nennt sich dann "Studie".
    Wundere ich mich dass es von der Zinsfresser-EZB kommt?

  • Verflixt, und ich habe immer gedacht der Putin ist an allem schuld.

  • Wusste ich es doch. Genau das war das Problem unserer Bundesbank seit den 60-igern. Viele junge Leute und nicht so viele Rentner, die eh nicht solange lebten wie heutzutage – und überwiegende Vollbeschäftigung .

    Auch die Bundesbank musste ständig mit den Zinsen nach unten und wieder hoch. Nun weiß ich wenigstens, dass unsere Bundesbank schon mit Gleichgewichtszinsen manipuliert hat. Nur an die Null haben die sich nicht ran getraut.

    Zugegeben – unsere Bundesbank hatte es einfacher als die arme EZB. Es gab gottlob den Länderfinanzausgleich, den EZB und die hohe Politik in der Brüsseler Anstalt immer noch nicht haben.

    Aber der größte Unterschied zwischen damals und heute ist: Wir hatten eine Leistungsgesellschaft.

    Außerdem – bessere Politiker ebenfalls, wenn ich mir die heutigen Dilettanten ansehe.

  • Man könnte natürlich auch die Löhne, Gehälter, Renten und Beamtbezüge kürzen. Dann würde auch weniger gespart. Man könnte auch die Bezüge derjenigen, die sowas aushecken auf Null senken. Die würden dann zwar kündigen, aber wer braucht die schon. Problemlösungen sind von der EZB noch nie angeboten worden. Nicht mal die faulen Kredite in Italien und Griechenland bekommt deren Bankenaufsicht in den Griff. Dafür funktioniert die Staatsfinanzierung hervorragend.

  • Zinsen sinken, wenn Liquiditaet steigt. Stiege Liquiditaet, weil die Alten zuviel sparen, oder Erspartes ausgeben, braeuchte die EZB eigentlich keine Staatsanleihen zu kaufen! Tut sie aber ganz massiv, damit die Liquiditaet ordentlich steigt und die Zinsen sinken!

    Wer mich verdummscheissern will, muss es schlauer anfangen!

  • Die EZB empfiehlt jetzt eine Erhöhung des Pensionsalters.
    Meinen Sie das Renteneintrittsalter oder das Pensionsalter oder beides ? Pensionen bekommen die Beamten Renten der Rest.

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