Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Devisen Türkische Lira auf Rekordtief – Erdogan kündigt Eingriff in Geldpolitik an

Im Staatsfernsehen macht der türkische Präsident keinen Hehl daraus, der Notenbank den Kurs zu dirigieren. Anleger reagieren nervös.
02.06.2021 Update: 02.06.2021 - 16:34 Uhr 5 Kommentare
Der türkische Präsident will das Wort Turkey nicht mehr als internationalen Begriff für Türkei stehen lassen. Quelle: Reuters
Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident will das Wort Turkey nicht mehr als internationalen Begriff für Türkei stehen lassen.

(Foto: Reuters)

Istanbul Die erneute Forderung nach Zinssenkungen vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat die Lira auf Talfahrt geschickt. Die türkische Währung ist in der Nacht auf Mittwoch gegenüber dem US-Dollar auf ein weiteres Rekordtief gefallen. Im Tief mussten für einen Dollar 8,80 Lira bezahlt werden – so viel wie noch nie. Auch gegenüber dem Euro fiel die Lira auf ein Rekordtief.

Auslöser waren erneute Forderungen Erdogans nach Zinssenkungen durch die Zentralbank des Landes. Der türkische Präsident hatte in einem Fernsehinterview am Dienstag gesagt, dass er mit dem Notenbankchef gesprochen habe und dass Zinssenkungen ein Muss seien.

„Ich habe heute mit unserem Zentralbankgouverneur gesprochen“, begann Erdogan unverblümt. „Es ist zwingend erforderlich, dass wir die Zinsen senken. Dafür werden wir ungefähr bis Juli und August warten, damit die Leitzinsen sinken können“, sagte der türkische Staatschef am späten Dienstagabend in einem Interview mit dem staatlichen Sender TRT.

„Wenn wir Investitionen und Kosten durch die Zinsen entlasten, werden wir in ein ruhigeres Umfeld eintreten“, fügte Erdogan hinzu. „Denn es sind die Zinsen, die eine Kosteninflation verursachen.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Diese Aussagen untergraben die Glaubwürdigkeit der türkischen Notenbank an den Märkten. Sie gilt zwar offiziell als unabhängig, in den Augen vieler Beobachter agiert sie aber wie ein Gefreiter im Dienst: Die Befehle kommen von oben, und diese Befehle werden ausgeführt, ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei kommen die Befehle nicht vom Gouverneur der Zentralbank, sondern vom Präsidenten des Landes.

    Gleichwohl widersprach der Präsident der türkischen Notenbank, Sahap Kavcioglu, Spekulationen über eine baldige Zinssenkung der Zentralbank. Erwartungen an eine frühe Lockerung der Geldpolitik, die nicht gerechtfertigt seien, müssten verschwinden, ließ Kavcioglu am Mittwoch während einer Konferenz vor Investoren verlauten. Die Aussagen waren auch in einer entsprechenden Präsentation auf der Internetseite der Notenbank zu finden.

    Spirale aus hoher Inflation und abwertender Währung

    Die Türkei befindet sich derzeit in einer Spirale aus einer vergleichsweise hohen Inflation und einer immer stärker abwertenden Währung. Im April war die Inflationsrate auf etwas über 17 Prozent gestiegen. Erdogans Worte treiben diese Spirale weiter an, wie die unmittelbaren Reaktionen an den Märkten zeigen.

    „Die negative Reaktion der türkischen Lira unterstreicht die Ablehnung des Marktes gegenüber einer solchen Äußerung in Zeiten anhaltend hoher Inflation“, sagte Mitul Kotecha, Chefanalyst bei TD Securities in Singapur.

    Es dürfe niemanden überraschen, dass Erdogan mit diesen Kommentaren für Aufregung am Devisenmarkt gesorgt hat, schätzen die Analysten der Commerzbank – zumal an einem Tag, an dem es keine Impulse von wichtigen Konjunkturdaten gibt und alle Welt vor allem auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag wartet. „Doch sind auch wir wieder einmal ein bisschen überrascht, wie offen und deutlich Erdogan seinem Zentralbankchef die Pistole auf die Brust setzt.“

    Mehr: Erdogan verliert den Kontakt zur Wirtschaft und den Sorgen der Bürger.

    Startseite
    Mehr zu: Devisen - Türkische Lira auf Rekordtief – Erdogan kündigt Eingriff in Geldpolitik an
    5 Kommentare zu "Devisen: Türkische Lira auf Rekordtief – Erdogan kündigt Eingriff in Geldpolitik an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Warum ist so ein Mensch Präsident?

    • Ist halt so. In einer Diktatur hat nur einer das Sagen, bis der Laden hoffentlich auseinanderfliegt. Wird sicher nicht einfach für die Türken, den protzenden, machtgeilen Erdogan zu verjagen.

    • Wenn dieser Sultan so weitermacht, kommt er an einer Devisenbewirtschaftung nicht vorbei. Deutschland hatte, nach 1945, auch eine Devisenbewirtschaftung und hat damit Erfolg gehabt. In Krisenzeiten sind keine liberalen Lösungen gefragt, die gibt es erst wieder, wenn die Probleme gelöst sein werden. Wer in der Türkei investieren will, muss sich auf eine mindestens mittelfristige Zeitspanne einstellen. Noch so nebenbei, Evolutionsbiologie wird nur in den obersten Klassen gelehrt, der einfache Türke soll an die Schöpfungs-Lüge weiterhin glauben, so tut er sich leichter, das Volk einfach steuern zu können. Wann er dann Psychologie abschaffen wird, wir sich noch zeigen, denn er will bestimmt nicht, dass Psychologen weiterhin seine Psychostruktur offenlegen.

    • Herr Bressert: das haben Sie nett beschrieben; aber wahrscheinlich entscheidet Erdogan auch das selbst. Investoren in der Türkei können mir nicht Leid tun; diese Entwicklung ist schon seit langen Jahren absehbar. Touristen, die dort noch Urlaub machen, müssen wissen: sie unterstützen Erdogan.

    • (...) Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%