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DevisenTürkische Lira steht vor Wahlen unter Druck

Die türkische Landeswährung verliert vor dem Votum im Mai deutlich an Wert. Das hat mehrere Ursachen. Devisenexperten rechnen mit Zinserhöhungen nach den Wahlen.Ozan Demircan und Jan Mallien 19.04.2023 - 17:45 Uhr Artikel anhören

Die türkische Währung verliert an Wert.

Foto: Reuters

Istanbul, Frankfurt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat schwierige Wochen vor sich. Bei den Wahlen im Mai muss er laut Umfragen um sein Amt bangen. Sein wohl größtes Problem ist die ausufernde Inflation im Land, die im März bei knapp 50 Prozent lag.

Angeheizt wird diese vor allem durch eine sehr lockere Geldpolitik und die Schwäche der türkischen Währung Lira. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat sie rund ein Viertel an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Sinkt der Kurs der Lira, treibt das die Preise für Importe in der Türkei weiter in die Höhe und erhöht die Inflation.

Viele Experten halten die türkische Währung auf dem aktuellen Niveau immer noch für überbewertet und rechnen mit einem weiteren Rückgang.

„Gründe für die anhaltende Talfahrt der Lira gibt es wahrlich genug“, sagt die Devisenanalystin der DZ Bank, Sandra Striffler. Neben der hohen Inflation seien dies der Rückgang der türkischen Devisenreserven und das hohe Leistungsbilanzdefizit. Damit ist gemeint, dass die Türkei deutlich mehr Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland einführt, als sie dorthin verkauft.

Größter Belastungsfaktor ist laut Striffler jedoch die vergleichsweise lockere Geldpolitik der türkischen Notenbank. Seit dem Spätsommer 2021 hat diese auf Druck Erdogans hin die Leitzinsen von 19 Prozent auf heute 8,5 Prozent gesenkt.

Sparen lohnt sich nicht

Angesichts einer Inflationsrate von zuletzt knapp 50 Prozent bedeutet das: Der Realzins, also der Zins nach Abzug der Inflation, ist deutlich negativ. Wer also Geld spart, erleidet einen Kaufkraftverlust, wodurch Sparen sehr unattraktiv ist. Auf der anderen Seite lohnt es sich für viele Türkinnen und Türken, sich zu verschulden, wodurch die Kreditvergabe gestiegen ist.

Das hat zu steigenden Importen geführt und das Leistungsbilanzdefizit der Türkei in die Höhe getrieben. Der Chefvolkswirt des Internationalen Bankenverbands (IIF), Robin Brooks, hält ein Ende des aktuellen Kreditbooms für geboten, um den Kurs der Lira zu stabilisieren. Hierfür müssten die Leitzinsen aber deutlich steigen.

Im Jahr 2018 hatte es eine ähnliche Situation gegeben. Damals erhöhte die die türkische Notenbank den Leitzins kräftig, löste damit aber auch eine schwere Rezession aus. Bisher stemmt sich die türkische Notenbank gegen einen weiteren Lira-Verfall, indem sie den Umtausch der türkischen Währung in ausländische Devisen eingeschränkt hat.

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Viele Ökonomen sind jedoch skeptisch, ob dies ausreicht, um den Lira-Verfall zu stoppen. So rechnen die Analysten der US-Bank Citi nach den Wahlen mit einer drastischen Zinserhöhung, um den Lira-Kurs zu stabilisieren. Die Analysten des Konkurrenten JP Morgan gehen davon aus, dass die türkische Lira nach den Wahlen um 30 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verlieren könnte, selbst wenn die Notenbank dann die Zinsen anhebt.

DZ-Analystin Striffler sieht die Aussichten für die Lira zumindest im Falle eines Wahlsiegs der Opposition optimistischer und geht dann von positiven Effekten für den Lira-Kurs aus. Aus ihrer Sicht „ginge damit die marktseitige Hoffnung auf eine längerfristig weniger politisch motivierte Geldpolitik sowie eine Lösung der Wirtschaftskrise einher“.

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