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Digitalwährungen Die EZB tastet sich an den digitalen Euro heran

In einem Report skizziert die Notenbank verschiedene Optionen. Eine Vorentscheidung soll aber erst nächstes Jahr fallen. China ist schon viel weiter. 
02.10.2020 - 14:29 Uhr 1 Kommentar
Die EZB-Präsidentin äußerte sich zum umstrittenen Thema. Quelle: Reuters
Christine Lagarde

Die EZB-Präsidentin äußerte sich zum umstrittenen Thema.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) rückt eine Entscheidung über die Entwicklung eines digitalen Euros näher. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte im Vorwort eines am Freitag veröffentlichten 50-seitigen Reports, Europa müsse bereit sein, einen digitalen Euro einzuführen. In dem Bericht skizziert die Notenbank, unter welchen Bedingungen sie sich eine Digitalwährung vorstellen könnte und wo mit Blick auf den Verbraucher die Vor- und Nachteile liegen. Ob das Projekt dann tatsächlich gestartet wird, darüber entscheidet der EZB-Rat Mitte kommenden Jahres. 

Der Druck, sich zu dem Thema zu positionieren, ist zuletzt deutlich gestiegen. Denn andere Länder sind bereits weiter. So hat die chinesische Notenbank im April damit begonnen, eine digitale Zentralbankwährung lokal zu testen. Zudem will der Internetriese Facebook eine eigene Kryptowährung mit dem Namen Libra entwickeln. Dadurch gibt es die Sorge, dass Europa bei der Entwicklung abgehängt werden könnte. Und grundsätzlich steht die Frage im Raum, wer bei Digitalwährungen die Oberhand haben sollte: staatliche Institutionen wie die Notenbanken – oder eben private Konzerne. 

Die EZB will nun ab dem 12. Oktober ein öffentliches Konsultationsverfahren starten, bei dem sich Bürger, Vertreter der Zahlungsbranche und Wissenschaftler einbringen können. Außerdem beginnt eine Experimentierphase: Die EZB und die nationalen Notenbanken im Euro-Raum wollen technische Möglichkeiten für die Umsetzung eines digitalen Euros testen. Das soll dabei helfen, Mindestanforderungen zu definieren.

Sollte der EZB-Rat dann grünes Licht für den digitalen Euro geben, ist damit nicht zwangsläufig die Entscheidung für eine zügige Einführung verbunden. So hat die schwedische Riksbank schon 2017 ein Projekt zur Einführung der Digitalwährung E-Krona gestartet – am Ende aber offen gelassen, ob sie tatsächlich kommt. Die chinesische Notenbank wiederum hatte seit 2014 die Einführung einer Digitalwährung untersucht – und diese nun erst im April lokal begrenzt eingeführt.

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    Insider schätzen, dass bis zur Einführung eines digitalen Euros mindestens anderthalb bis vier Jahre vergehen könnten. Denn die Untersuchungen sind komplex. Bei der Ausgestaltung ihrer eigenen Digitalwährung zieht die EZB zwei Varianten in Betracht: Die eine wäre eine zentralisierte Form, bei der alle Transaktionen bei der Zentralbank erfasst würden. Alternativ könnte die Notenbank Regeln für Transaktionen setzen, die dann von regulierten Anbietern erfasst würden.

    Über das Für und Wider einer Einführung

    In ihrem Report skizziert die EZB Szenarien, die die Einführung eines digitalen Euros erfordern würden. Sie argumentiert etwa, dass dies die Digitalisierung und Unabhängigkeit Europas stützen würde. Zum Beispiel könnte ein digitaler Euro sogenannte Smart Contracts ermöglichen, also Verträge, die bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses selbstständig Folgehandlungen auslösen.

    Außerdem wird auf die abnehmende Nutzung von Barzahlungen verwiesen. Sollte dieser Trend anhalten, sehen die Experten der Notenbank die Gefahr, dass die Infrastruktur für Barzahlungen zum Teil verschwinden könnte. Ein digitaler Euro würde den Bürgern in Europa dann die Möglichkeit bieten, dennoch Zentralbankgeld zu halten. 

    Kritiker eines digitalen Euros verweisen auf mögliche Gefahren für die Finanzstabilität. Eine Befürchtung ist, dass Bankkunden in Phasen der Unsicherheit ihre Konten sehr schnell räumen und in digitales Zentralbankgeld umtauschen könnten. Das könnte gerade in einer Finanzkrise die Gefahr von Bank Runs erhöhen. Viele Überlegungen bei der Ausgestaltung eines digitalen Euros zielen daher darauf ab, zu gewährleisten, dass er ausschließlich im Zahlungsverkehr genutzt wird und nicht als Wertaufbewahrungsmittel.

    Der Bankenverband BdB äußerte sich positiv zu den Vorschlägen. „Mit ihrer Position zu digitalem Zentralbankgeld setzt die EZB ein wichtiges Zeichen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Andreas Krautscheid. „Der erste Anlauf beim digitalen Euro muss sitzen, ansonsten setzen wir die europäische Souveränität in Sachen digitale Währung aufs Spiel.“ Die jetzt folgende Diskussion müsse sicherstellen, dass Banken eine zentrale Rolle bei der Ausgabe eines digitalen Euros haben.

    Mehr: Bundesbank-Präsident Weidmann warnt vor der Einführung eines digitalen Euros.

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    1 Kommentar zu "Digitalwährungen: Die EZB tastet sich an den digitalen Euro heran"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Wert des privaten "Digitalgedöns" hängt am schlimmen Zustand der Wirtschaftswissenschaften. Dort darf man immer noch auf der Basis einer Tauschwirtschaft = Subsistenzwirtschaft herleiten, welche zur Tauscherleichterung ein Geldding eingeführt hat. Dass nun bei der Zentralbank an einem solchem Unfug gearbeitet wird, zeigt dass selbst dort noch praxisferne ökonomische Theorien zu Hause sind.

      Geld ist in jeder Form Dritter Schulden, alles andere sind Sachwerte. "Digitalgedöns" ist ein Sachwert ohne jeden sachlichen Wert. Sobald bewusst wird, was für einen kuriosen Unfug die VWL anstellt, wird auch die reale Wertlosigkeit von Bitcoin und Co. bewusst. Die Kaiser der Digitalwährung sind splitterfasernackt.

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