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Draghi-Nachfolgerin Neue EZB-Chefin Lagarde kündigt „eigenen Stil“ an – und will Deutsch lernen

In der kommenden Woche tritt die Französin die Nachfolge von EZB-Chef Mario Draghi an. Die bisherige Geldpolitik will Christine Lagarde überprüfen.
25.10.2019 - 16:52 Uhr Kommentieren

Wechsel an der EZB-Spitze: Darauf sollten sich Anleger jetzt einstellen

Frankfurt Am kommenden Montag wird EZB-Präsident Mario Draghi offiziell verabschiedet. Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella wird er sein Amt an Christine Lagarde übergeben.

Zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit hat Draghi stärker denn je polarisiert. Gegen erhebliche Widerstände setzte er Mitte September eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch, die vor allem in Deutschland umstritten ist. An Lagarde richten sich daher hohe Erwartungen: Sie soll den Zwist in der Notenbank entschärfen und das Ansehen der EZB in Deutschland verbessern.

Im „Spiegel“ kündigte Lagarde nun an, dass sie die Kritiker stärker einbinden will. „Ich suche immer nach der gemeinsamen Basis, um die verschiedenen Meinungen zusammenzubringen“, sagte sie. „Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, wie wir künftig wieder eine gemeinsame Linie finden können.“

Laut „Spiegel“ will Lagarde außerdem Deutsch lernen. Sie habe einen Lehrer engagiert und werde bereits an ihrem ersten Arbeitstag mit dem Unterricht beginnen.

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    Im September hatte die EZB ein umfangreiches Paket zur Lockerung der Geldpolitik beschlossen. Sie senkte den Einlagenzins auf minus 0,5 Prozent und legte sich für einen längeren Zeitraum auf Niedrigzinsen fest. Besonders umstritten war der Beschluss zur Neuauflage ihrer Anleihekäufe in Höhe von monatlich 20 Milliarden Euro.

    Je nach Lesart waren sieben bis zehn Mitglieder des 25-köpfigen EZB-Rats dagegen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und andere Ratsmitglieder wie seine niederländischen und österreichischen Amtskollegen kritisierten die Entscheidung scharf.

    Einige Kritiker fordern eine grundlegende Prüfung der geldpolitischen Strategie der EZB. „Ich plädiere dafür, zu überprüfen, ob das bisherige Paradigma der EZB noch richtig ist,“ sagte zum Beispiel vor Kurzem der österreichische Notenbankchef Holzmann im Interview mit dem Handelsblatt.

    Lagarde kündigte im „Spiegel“ eine grundlegende Überprüfung der EZB-Maßnahmen an. „Mein Ziel ist es, die Mitglieder des Zentralbankrats dabei frühzeitig einzubeziehen“, sagte sie. Man werde Nutzen und Risiken der verschiedenen Optionen unvoreingenommen untersuchen. „Mario Draghi hatte seinen eigenen Stil, ich werde meinen Stil haben.“

    Lagarde will, dass einige Länder mehr investieren

    Lagarde bekräftigte zudem frühere Aussagen, wonach sie sich auch um Klimapolitik und Frauenförderung kümmern will. „Es liegt mir sehr am Herzen, mehr Frauen in der Finanzwelt zu sehen und ihnen Gehör zu verschaffen“, sagte sie. Außerdem will Lagarde den Kommunikationsstil der EZB ändern.

    Bislang hat sich die EZB in ihrer Kommunikation stark auf die Märkte fokussiert, also zum Beispiel auf Anleihehändler, Analysten oder Hedgefonds-Manager. Die Märkte sind für die EZB sehr wichtig, weil sie entscheidend dafür sind, dass sich ihre Geldpolitik auf die Realwirtschaft überträgt. Draghi hat es auch als Teil der Unabhängigkeit der EZB angesehen, sich in der Sprache dieses Fachpublikums auszudrücken.

    Lagarde dagegen will sich stärker an die breite Öffentlichkeit richten. In seiner letzten Pressekonferenz als EZB-Präsident sagte Draghi, dass die Unabhängigkeit der Notenbanken auf der Unterstützung der Bevölkerung basiere. Insofern sei stärkere Transparenz wichtig.

    EZB-Entscheidung einer breiteren Öffentlichkeit erläutern

    Andererseits warnte er jedoch auch vor Gefahren, wenn man sich an die breitere Öffentlichkeit wendet. „Sobald man das Publikum ändert, ändert sich auch die Sprache und man betritt neues Terrain: das Terrain der Politik“, sagte Draghi. Er sei für eine offenere und breitere Kommunikation, aber man müsse dabei vorsichtig sein. Lagarde sagte dem „Spiegel“: „Ich betrachte es als eine meiner vordringlichen Aufgaben, den Euro sowie die Zentralbank und ihre Geldpolitik einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen.“

    Zugleich forderte Lagarde die Regierungen der Euro-Zone auf, die Zentralbank besser zu unterstützen. „Die Geldpolitik hat bereits viel geleistet in den vergangenen Jahren“, sagte sie. „Deshalb muss sie nun durch Maßnahmen der Finanz- und Wirtschaftspolitik ergänzt werden.“

    Einige Länder müssten mehr investieren, andere auf Strukturreformen setzen, und die EZB müsse die Politik flankieren. Nötig sei eine stärkere Kombination dieser drei Politikfelder. „Dadurch könnten wir die Wirksamkeit unserer Maßnahmen beträchtlich steigern.“

    Mehr: Bei seiner letzten Pressekonferenz zeigte der scheidende EZB-Präsident robustes Selbstbewusstsein. Lob gibt es vor allem für zwei Länder aus Südeuropa.

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