Draghi-Statement EZB verschiebt Entscheidung über Anleihekäufe

Auf seiner Pressekonferenz hält sich EZB-Chef Draghi zurück mit weiteren Details zu möglichen Anleihekäufen. An den Märkten kommt das nicht gut an. Dennoch gehen Analysten davon aus, dass die EZB bald schon handelt.
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EZB-Chef Mario Draghi hat die Inflationsprognosen für die nächsten drei Jahre deutlich nach unten korrigiert. Weitere Hinweise auf Anleihekäufe wollte er hingegen nicht geben. Quelle: Reuters

EZB-Chef Mario Draghi hat die Inflationsprognosen für die nächsten drei Jahre deutlich nach unten korrigiert. Weitere Hinweise auf Anleihekäufe wollte er hingegen nicht geben.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/BerlinIm Kampf gegen die hartnäckige Konjunkturflaute und die Gefahr einer Deflation will die EZB bald über den Einsatz noch stärkerer Geschütze entscheiden. Sie werde Anfang 2015 ihre geldpolitischen Maßnahmen überprüfen und bei Bedarf "Umfang und Tempo" ändern, sagte Notenbankchef Mario Draghi am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rats. Als geeignetes Mittel zum Öffnen der Geldschleusen gilt der Ankauf von Staatsanleihen, wie ihn andere Zentralbanken - etwa in den USA oder Großbritannien - bereits eingesetzt und damit die Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder in Schwung gebracht haben. Allerdings stößt dieses Instrument bei der Bundesbank wegen rechtlicher Bedenken auf Kritik.

"Wir haben alle Arten von Maßnahmen lang und breit diskutiert", erklärte Draghi. Dabei sei es auch um das sogenannte "Quantitative Easing" (QE) gegangen, wie der Kauf von Staatsanleihen im Fachjargon umschrieben wird. Die Märkte reagierten zunächst positiv auf die Aussicht einer noch stärkeren Geldflut im Euro-Raum: Der Dax kletterte kurzzeitig auf ein Rekordhoch von 10.083 Punkten, rutschte danach aber deutlich ins Minus. "Die EZB bleibt in einer abwartenden Haltung", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Das habe so machen Marktteilnehmer enttäuscht.

Die neuen Prognosen der hauseigenen EZB-Ökonomen zu Inflation und Konjunktur dürften im Rat die Alarmsirenen schrillen lassen: Das Inflationsziel von knapp zwei Prozent wird wohl auf Jahre hinaus deutlich verfehlt. 2015 soll die Teuerung bei 0,7 Prozent liegen und 2016 nur auf 1,3 Prozent steigen. Das immer billigere Öl drückt auf die Verbraucherpreise, die im November nur noch leicht um 0,3 Prozent stiegen. Manche Experten erwarten sogar, dass sie bald sinken werden. Auch die Wirtschaftsleistung soll laut EZB-Ökonomen nächstes Jahr nur um ein Prozent zulegen - zu wenig, um die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Euro-Ländern zu drücken.

Der Chef des Berliner Forschungsinstituts DIW, Marcel Fratzscher, sieht in den Worten Draghis eine klare Ankündigung, dass der Ankauf von Staatsanleihen "immer wahrscheinlicher" wird. Draghi und sein Stellvertreter Vitor Constancio hatten die Tür dafür zuletzt bereits weit geöffnet. Durch einen solchen Schritt würde die Inflation angeheizt. Dahinter steckt die Absicht, die maue Konjunktur anzukurbeln und eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkender Nachfrage der Verbraucher und Investitionen der Firmen zu verhindern. Eine solche Deflation kann eine Wirtschaft auf Dauer lähmen, wie Japan schmerzlich erfahren musste. Die dortige Notenbank versucht mit einer wahren Geldflut aus dieser misslichen Lage herauszukommen.

Um die EZB-Bilanz auf das Niveau von Anfang 2012 aufzublähen, wie es die Notenbank beabsichtigt, müssten die Hüter des Euro rund eine Billion Euro ins Finanzsystem pumpen. Die meisten Beobachter rechnen nicht damit, dass diese Summe mit den bereits angelaufenen Maßnahmen wie dem Kauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen erreicht werden kann.

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10 Kommentare zu "Draghi-Statement: EZB verschiebt Entscheidung über Anleihekäufe"

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  • "Ach komm, wir saufen erstmal einen. Dann sieht der Tag schon rosiger aus !"

    Das ist das Rezept von Mario Draghi.

    Er serviert Rauschmittel (Gelddrucken) und die Börse bläht sich weiter auf. Das ist kein Lösungsrezept !

  • Draghila verschiebt Anleihekäufe auf 2015
    -----------
    Dann will er aber verstärkt Schrottpapiere aufkaufen.
    Und dann kommt auch die nächste Bazooka. Mindestens 1-2 Billionen Euro.
    Und der Leitzins wird dann auf minus 5% abgesenkt.

  • “Entschuldigung, habe das wohl mit diesem Artikel verwechselt, „Wir brauchen keine Einstimmigkeit für Anleihekäufe“.

  • Warum wurden alle vorherigen Kommentare gelöscht?! Ca. 16 Stck., es macht hier langsam aber sicher auch keinen Spass mehr!

  • Wie ist das mit der Haftung der EZB?

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=14817

  • Es ist unerheblich welches EU-Gremium auf was auch immer wartet. Solange Deutschland garantiert und zahlt, können die Draghies und Junkers große Töne spucken. Ist dies nicht mehr der Fall müssen sie den Laden zusperren.

  • "Wegen des OMT-Urteils des BVerfG darf Draghi nicht Staatsanleihen kaufen."

    Er tut zumindest so, als wäre das nicht notwendig - es kann aber sein, dass das juristisch anders gesehen wird. Bei 0.3% Inflation sind die Preise ja immer noch "stabil". Die letzten Mittel zu benutzen, bevor man überhaupt in eine Deflation abrutscht als bei negativen Wachstumsraten, könnte ein bisschen schwierig zu rechtfertigen sein. Ein Patient der gerade noch atmet und bei Bewusstsein ist, benötigt ja auch keine letzten Widerbelebungsmaßnahmen mit Adrenalinspritze ins Herz oder so.

    0.3% Inflation rechtfertigt jedenfalls nicht die Ultima Ratio.

  • "Darauf wartet Draghi, weil er es muß."

    Vor allem ist es nicht sehr klug sich in der Frage gegen Deutschland zu stellen. Damit macht man sich keine Freunde. Vielleicht wartet er, bis die Konjunkturprobleme so offenbar werden, dass sich keiner mehr offen dagegen argumentieren möchte.

    So selbstbewusst und offensiv wie sich Draghi und sein Vize gegeben haben, habe ich erwartet, dass die große Mehrheit mit Draghis Kurs einverstanden ist bzw. einen solchen dulden wird.

  • Wegen des OMT-Urteils des BVerfG darf Draghi nicht Staatsanleihen kaufen.

    Der EuGH, dem ein Teil dieses Urteil vorliegt, soll enge Grenzen dafür definieren, die jedoch QE verunmöglichen.

    Darauf wartet Draghi, weil er es muß.
    Täte er es nicht, müßte Berlin aus dem Euro austreten, bestenfalls.

    Der EuGH wartet hingegen auf die Politik, die handeln müßte. Die aber wartete auf die EZB, die handeln soll, was sie nicht kann.

    So dreht sich alles im Kreis - aber nichts geschieht.
    Perfekte Lage: Stillstand.

  • Wegen des OMT-Urteils des BVerfG darf Draghi nicht Staatsanleihen kaufen.

    Der EuGH, dem ein Teil dieses Urteil vorliegt, soll enge Grenzen dafür definieren, die jedoch QE verunmöglichen.

    Darauf wartet Draghi, weil er es muß.
    Täte er es nicht, müßte Berlin aus dem Euro austreten, bestenfalls.

    Der EuGH wartet hingegen auf die Politik, die handeln müßte. Die aber wartete auf die EZB, die handeln soll, was sie nicht kann.

    So dreht sich alles im Kreis - aber nichts geschieht.
    Perfekte Lage: Stillstand.

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