Euro-Krise Mario Draghi öffnet die Geldschleusen

Mit einer beispiellosen Geldflut versucht die EZB den Euro zu retten. Im Februar könnte sie die Banken der Eurozone erneut mit bis zu einer Billion Euro überschütten. Damit steigt ihre Bilanzsumme in neue Dimensionen.
Update: 31.01.2012 - 13:06 Uhr 100 Kommentare
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Quelle: dpa

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

(Foto: dpa)

FrankfurtDer 29. Februar könnte ein historischer Tag für die Europäische Zentralbank (EZB) werden. Wenn stimmt, was aus Finanzkreisen zu hören ist, dann dürfte die Notenbank an diesem einen Tag die Banken der Eurozone mit mehr als einer Billion Euro überschütten. Die EZB bietet den Banken der Eurozone an diesem Tag erneut für drei Jahre Geld in unbegrenzter Menge an und quasi zum Nulltarif.

Wie es aussieht werden sich die Banken dieses Angebot nicht entgehen lassen und erneut kräftig zuschlagen. Die britische Finanzzeitung Financial Times zitiert einen hochrangigen Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs mit den Worten: "Es könnte locker eine Billion Euro hinzu kommen." Das wäre eine Geldflut von historischem Ausmaß. Ob es allerdings so viel wird, ist umstritten.

Die Citigroup rechnet damit, dass die Banken 200 bis 300 Milliarden Euro abrufen könnten. Für die Banken gäbe es keinen Grund sich bis oben hin mit Kapital vollzusaugen, weil sie darauf zählen könnten, dass die EZB ihnen bei Finanzierungsproblemen auch in Zukunft Kapital zur Verfügung stellt, heißt es als Begründung. Selbst wenn die Banken diesmal nur 200 Millionen Euro abrufen sollten, könnte es jedoch bald weitere solche Geschäfte geben.

Mario Draghi - der Währungshüter im Portrait

Schon im Dezember hatte die EZB den Banken 489 Milliarden Euro für drei Jahre fast zum Nulltarif geliehen. Vor allem die Banken aus dem Heimatland von EZB-Chef Draghi und aus Spanien griffen zu und machten es so für ihre Regierungen viel billiger, frische Kredite über Staatsanleihen aufzunehmen.

Die direkten Käufe von Staatsanleihen durch die EZB, die den Anlass für den Rücktritt von Axel Weber und Jürgen Stark aus der EZB-Führung gegeben hatten, treten damit in den Hintergrund. Gestern gab die EZB bekannt, dass sie in der vergangenen Woche nur noch für 63 Millionen Euro Anleihen auf dem Markt gekauft hat.

Angesichts der Geldschwemme für die Banken hat das kaum noch Bedeutung. Im Februar will die EZB den Instituten noch einmal Geld für drei Jahre zum Niedrigzins anbieten. Dann könnte ihre Bilanzsumme erstmals die Drei-Billionen-Marke übersteigen. Ein tiefer Blick in die EZB-Bilanz zeigt, was das bedeutet.

Die Bilanzsumme der EZB war zum Stichtag 13. Januar 2012 mit 2,7 Billionen Euro rund 400 Milliarden Euro größer als die der US-Notenbank Federal Reserve. Dabei gilt die Federal Reserve mit ihrem Programm der quantitativen Lockerung durch einen massiven Ankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren als Inbegriff der ultra-expansiven Geldpolitik durch Geldvermehrung. Verglichen mit 2005 hat die EZB ihre Bilanzsumme auf das Zweieinhalbfache gesteigert, die Federal Reserve auf das Dreieinhalbfache. Doch die EZB holt schnell auf - auch, was diesen Maßstab angeht.

Vergleicht man die besonders umstrittenen Käufe von Staatsanleihen durch die EZB im Rahmen ihres "Securities Market Programme" (SMP) von rund 220 Milliarden Euro mit denen der Federal Reserve im Volumen von umgerechnet 1,2 Billionen Euro, so sieht das Programm der EZB in der Tat bescheiden aus. Deshalb lautet auch die offizielle Lesart, dass die EZB ihre Bilanzsumme vor allem durch Kredite an die Banken ausgedehnt hat. Doch das ist allenfalls die halbe Wahrheit.

Ein genauer Blick in die Zusammensetzung der Bilanz des Euro-Systems, also der konsolidierten Bilanz der EZB und der nationalen Notenbanken der Währungsunion, fördert allerdings Überraschendes zutage. Denn bei der Bilanzausdehnung um rund 1 500 Milliarden Euro seit Anfang 2007 ist der größte Posten mit einem Plus von rund 600 Milliarden Euro die Zunahme der Wertpapierbestände. Das sind zum größten Teil Anleihen und unter diesen wiederum vor allem Staatsanleihen.

Unübersichtliche Lage bei den Wertpapierkäufen
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Euro-Krise - Mario Draghi öffnet die Geldschleusen

100 Kommentare zu "Euro-Krise: Mario Draghi öffnet die Geldschleusen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der letzte Satz des Artikels ist der alles entscheidende und relativiert die fünf vorhergenden Seiten voller Beschwichtigungen...

  • Hoch kriminell,aber für die ganzen Fehlentscheidungen
    zahlen nur die Steuerzahler.Müssten die Politiker verantwortlich gemacht werden,gäbe es manch andere Entscheidung.Und sicher,die bessere.

  • @margritt1788

    "Wie sagte schon Einstein: "Das Problem ist dass Genies immer voller Selbstzweifel sind, die Dilettanten aber total von sich überzeugt sind"."

    Wow! Soviel Selbsterkenntnis hätte ich nun gerade von Ihnen nicht erwartet. Haben Sie den Satz wirklich verstanden????? Weil, äh, zu den Genies gehören Sie ja nun ganz offensichtlich nicht.

  • Wenn das eintreffen sollte kann man nur einen Satz sagen:
    "Sind die denn verrückt geworden!"

    Hoffentlich kommt es nicht soweit!

    MfG.

  • In der Geschichte lief es immer so ab mit Währungsreformen: zuerst verlor die Zentralbank ihre Unab-hängigkeit. Dann begannen sich Parallelwährungen zu ent-wickeln. Schließlich gab es einen Bankenrun der Kunden, die ihr Geld abheben wollten. Wir sind nun bei Stufe 3 angelegt, und die Banken wappnen sich - das ist alles. Die Experten streiten sich nur noch, wann die Währungsreform kommt (merke: auch die Einführung eines Nord-€ ist eine Währungsreform). Für "Honneckers Rache" ist nur wichtig, daß der Zeitpunkt nach der Bundestagswahl (2013) liegt...Wenn man für bestimmte Bundesanleihen keine Zinsen mehr bekommt, sondern bezahlen muß, spätestens dann läuft doch mit dem Konsumverzicht und dem Vorsorgesparen irgendetwas quer...

  • Einfach gesagt: Wenn man die Zinsen auf seine Kredite nicht mehr bezahlen kann, landet man in Windeseile im Schuldturm, wegen des Zinseszinseffekts. Wenn also 100% der jährlichen Steuereinnahmen nur noch für Zinsen ausgegeben werden, ist endgültig Schluß mit der schul-denfinanzierten Gefälligkeitsdemokratie. Wieso eigentlich hacken fast alle auf den Kreditgebern herum, warum niemand auf den exzessiv Geld ausgebenden Kredit-nehmern? Hat ein einziger Staat das Thema "Tilgung der Staatsschulden" auf dem Schirm? Nein, fällige Schulden werden nur durch neue Schulden abgelöst... Da dann die Kreditgeber unruhig werden - vor allem, wenn die Kredit-nehmer sämtliche bestehenden (!) Gesetze (u.a. Maastricht) und Verträge ignorieren, ist doch verständlich, oder? Das Wort "kredit" kommt von "vertrauen"...

  • Das habe ich gemacht, an Vertreter aller Parteien, und eine ziemlich inhaltsleere Schemaantwort bekommen mit dem üblichen Solidaritätsgesäusel. Auch der Hinweis, daß wir ab ESM überhaupt kein Parlament mehr in Berlin benötigen, weil eh alles woanders entschieden wird, scheint die Herrschaften nicht zu beunruhigen - zu recht: Es gibt keine einzige Partei, die die unsägliche €-Rettung ablehnt, und Wahlenthaltung hat die Herrschaften noch nie gestört.

  • Na toll, krieg ich keine Zinsen mehr für mein Tagesgeldkonto.

    So eine Frechheit, von freier Marktwirtschaft scheinen die ja nichts mehr zu halten. Geld ist nämlich auch eine Ware, mit Angebot und Nachfrage und wir haben fast alle was gespart und möchten es anbieten!

    Dann kommen dies Ar*** und schaufelen aus dem Nichts ne Billionen und unser Geld hinter dem Leistung steht ist nicht mehr begehrt.

  • M1M2M3

    @Yoski, fragen Sie mal in Ihrer "Pressekonferenz" vorsichtig nach, wann Herr Draghula meint daß sich M1 veräandert.

  • @margrit117888
    Es gibt in Deutschland eine lange Tradition von Geldwertstabilität, angefangen von der Bundesbank und aktuell leider nur noch von Abgeordneten wie z.B. Herrn Gauweiler oder "Euro-Rebell" Frank Schäffler repräsentiert.
    Dass der große Rest der deutschen Politik im Euro-Wahn jeden Rechtsbruch mitmacht und durchgehen lässt, ist logisch nicht zu begründen.
    An die Sprüche vom Stabilitätspakt glauben die doch selber nicht.
    Letztlich werden die deutschen Bürger die Zeche zahlen, indem sie sämtliche Schulden der Eurozone aufgehalst bekommen und zusätzlich die Währung nichts mehr wert ist.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%