Euro-Krise und Griechenland Das große Feilschen

Wie geht es jetzt weiter mit Griechenland? Auf dem Sondergipfel in Brüssel ringen die Euro-Finanzminister um eine schnelle Lösung. Dabei pokern die Verhandlungspartner extrem hoch.
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Wer blufft? Griechenland und die Euro-Partner lassen sich bei den Verhandlungen über Finanzhilfen nicht in die Karten schauen. Quelle: Getty Images
Harter Verhandlungspoker

Wer blufft? Griechenland und die Euro-Partner lassen sich bei den Verhandlungen über Finanzhilfen nicht in die Karten schauen.

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DüsseldorfFür Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist die Sache einfach. Griechenland muss die Zusagen aus dem Hilfsprogramm einhalten. Sonst sei es „eben vorbei“, sagte der CDU-Politiker. Sein griechischer Amtskollege Gianis Varoufakis will davon nichts wissen. Die Reformauflagen für Griechenland seien inakzeptabel. Stattdessen fordert Varoufakis einen umfassenden Schuldenschnitt für sein Land. Er und Schäuble stehen für zwei entgegengesetzte Welten. Beide Welten prallen heute am frühen Abend in Brüssel aufeinander.

Auf dem Euro-Finanzministertreffen geht es um die Zukunft des Hilfsprogramms für Griechenland Athen hofft auf deutliche Erleichterungen bei den bisherigen Sparauflagen und will einen Teil der mit den Gläubigern vereinbarten Reformen wieder rückgängig machen. Dabei ist die Verhandlungsposition der Griechen schwierig. Ende Februar läuft das zweite Hilfsprogramm für Athen aus. Da die Regierung die Bedingungen nicht mehr erfüllen will, ist die Auszahlung der letzten Tranche von 1,8 Milliarden Euro unwahrscheinlich. Ohne weitere Finanzhilfen kann Griechenland jedoch seine Schulden bald nicht mehr bedienen.

Schäuble dämpft Hoffnung auf schnelle Hellas-Lösung

Zusätzlichen Druck hat außerdem die Europäische Zentralbank (EZB) aufgebaut. Sie akzeptiert griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten für ihre Refinanzierungsgschäfte. Da die meisten griechischen Banken kaum andere Sicherheiten haben, die den EZB-Anforderungen entsprechen, bekommen sie deshalb auf dem normalen Weg praktisch kein Geld von der Zentralbank.

Gerade jetzt sind die Banken aber darauf angewiesen, denn immer mehr Griechen heben wegen der politischen Unsicherheit ihre Ersparnisse ab. Im Dezember schmolzen die Einlagen um 5,4 Milliarden zusammen. Im Januar flossen weitere elf Milliarden ab. Geraten die griechischen Banken nun in Liquiditätsprobleme, bleibt ihnen nur noch ein Ausweg: Notfallkredite – die so genannte „Emergency Liquidity Assistance“ (kurz: ELA). Doch das ist keine Dauerlösung. Eigentlich sind diese ELA-Kredite nur für die kurze Frist gedacht. Die EZB könnte also irgendwann den Stecker ziehen. Deshalb ist ein Kompromiss so dringend nötig.

Athen will Zeit gewinnen
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26 Kommentare zu "Euro-Krise und Griechenland: Das große Feilschen"

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  • Fortsetzung: 10 Jahre immer "wir brauchen mehr Zeit" aber neues Geld. Griechenland ist und bleibt ein Sozialfall. Es wird Zeit, dieses Land sich selbst zuüberlassen, dass es verantwortliches Staatshandelnlernt.

  • Zeit gewinnen? Seit 5 Jahren hört man aus Griechenland "wir brauchen mehr Zeit". Wenn die Europäer wieder darauf reinfallen, heißt es die nächsten

  • ich gehöre keiner Partei an, bin aber überzeugter Anhänger der sozialen (nicht sozialistischen) Marktwirtschaft. Es gibt (AfD hin oder her) wirtschaftliche Zwänge, denen sich auch Länder nicht entziehen können. Wenn es auch von noch so viel Ökonomen vertreten wird, eine Schuldenkrise kann man nicht durch immer mehr Schulden lösen. Länder mit unterschiedlicher Wirtschafts-, Finanz-, Steuer-, Sozialpolitik usw. können nicht sinnvoll eine Währungsunion bilden. Selbst in Deutschland klappt der Länderfinanzausgleich mehr schlecht als recht, wie soll das denn in der Eurozone gehen?

  • "Der Satz war eigentlich ironisch gemeint."

    Natürlich...

  • @Sascha Lach
    ..."Wie kommt es dann, dass Sie in einem Forum posten dürfen...
    #
    Also für mich ist es erbärmlich hier gewisse Kommentarmöglichkeiten als Beweis für Pressefreiheit und Medienehrlichkeit schlechthin zu werten.
    Denn erstens: sind die Leserkommentare nur Splitter vom riesigen Propagandagebäude der wirklich Mächtigen, also (noch!) vernachlässigbar;
    zweitens: werden diese mehr und mehr zensiert bzw. die Kommentarfunktion, vor allem bei den schwerer wiegenden Themen, gänzlich abgeschaltet;
    drittens: nur noch bei wenigen Presseorganen - hier ist das HaBl zu loben, auch wenn selbst hier in der letzten Zeit einiges zum Schlechteren erfolgte - direkt geschaltet, so dass zuerst jeder den Originaltext sehen kann.

  • "Die haben gefälligst ihre Verbindlichkeiten zu begleichen"

    Ja, wo kommen wir denn dahin, wenn die plötzlich alle in die Privatinsolvenz gingen, ohne ihre Verträge im Schuldenknast abzuarbeiten? ;)

    Wenn man nicht zahlen kann, was macht man dann?

  • Was soll das denn heißen, dass ein "Kompromiss" erforderlich sei? Die haben gefälligst ihre Verbindlichkeiten zu begleichen, und wenn sie Geld brauchen, sollen sie uns vollzogene Reformen liefern - bevor auch nur ein einziger Euro in diesem verkommenen Land versenkt wird!

  • Der Satz war eigentlich ironisch gemeint.

  • "Wünschen Sie Aufklärung?"

    Nein, das ist nicht mein Punkt... Offensichtlich ist die AfD der Meinung, man könne seiner Partner doch zwingen - mit der gleichen untauglichen Kategorie von Mitteln, wie sie die Griechen einsetzen - nämlich Erpressung.

    Was sagt uns das über die Konzepte der AfD? ;)

  • @ Sascha

    Ein Sprachen Tool kann Texte vorlesen, versteht aber den Zusammenhang nicht und kann auch nicht unterscheiden. So ein Tool kostet 40 Euro.

    Was ist ihr Preis?

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