Euro-Krise Zinshoffnung treibt die Märkte an

Seit dem Euro-Gipfel sind die Märkte weltweit in Feierlaune. Was sie treibt, ist die Hoffnung auf neue Aktionen der Zentralbanken. Alle Blicke richten sich nun auf die EZB. Doch auch anderswo ist noch etwas möglich.
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Die Märkte setzen große Hoffnungen auf EZB-Chef Mario Draghi. Quelle: dapd

Die Märkte setzen große Hoffnungen auf EZB-Chef Mario Draghi.

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DüsseldorfSeit vergangenem Freitag kennen die weltweiten Märkte nur noch eine Richtung: nach oben. Während der Dax in den Vorwochen noch mit der 6000-Punkte Marke kämpfte, liegt er inzwischen bei über 6500 Punkten. Auch andere wichtige Aktienindizes, Rohstoffe und der Ölpreis haben deutlich zugelegt.

Hinter dem Kursfeuerwerk steckt aus Sicht von Analysten nicht allein die Freude über die Beschlüsse auf dem EU-Gipfel, sondern die Hoffnung auf neue geldpolitische Impulse der Zentralbanken - allen voran von der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese tagt am Donnerstag. Viele Ökonomen rechnen damit, dass sie den Leitzins in der Eurozone von 1,0 Prozent um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent senken wird.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte dies indirekt in Aussicht gestellt. „Es gibt keine Doktrin, dass der Leitzins nicht unter 1,0 Prozent liegen kann,“ sagte er. Andere wichtige Zentralbanken wie die US-Notenbank Fed, die Bank of England und die Bank of Japan haben ihre Leitzinsen schon seit langem de facto auf null Prozent gesenkt.

"Wenn die EZB nichts macht, wäre das eine dramatische Überraschung," sagt Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. Er hält eine Zinssenkung um 25 Basispunkte für wahrscheinlich. Positiv überraschen könnte die EZB die Märkte aus seiner Sicht mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte oder weiteren Liquiditätshilfen für die Banken. "Dies könnte uns und der EZB einen ruhigen Sommer bescheren," schätzt Schmieding.

Im Dezember und Februar hatte die EZB bereits die Banken durch zwei langfristige Refinanzierungsgeschäften (LTRO) mit Geld versorgt und damit kurzzeitig für eine Beruhigung an den Märkten gesorgt.

Seit kurzem müssen Banken aus Euro-Krisenstaaten wie Spanien noch geringere Sicherheiten für Zentralbankgeld hinterlegen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuvor betont: „Wir werden solventen Banken bei Bedarf weiterhin Liquidität zur Verfügung stellen.“

Anzeichen für geldpolitische Lockerung in China und den USA

Nicht immer hat die EZB nach Euro-Gipfeln die Erwartungen der Märkte erfüllt. Im vergangenen Oktober senkte sie nach einem Gipfel den Zins um lediglich 25 Basispunkte. Wenig später spitzte sich die Lage an den Märkten dann erneut zu. Im Dezember dagegen überraschte die EZB, indem sie nicht nur eine Zinssenkung verkündete, sondern auch großzügige Liquiditätshilfen für die Banken.

Diesmal stützen sich die Hoffnungen der Märkte auf die Abschlusserklärung des Gipfels. Darin erklärt sich die EZB bereit, als Vertreter der Rettungsfonds EFSF und ESM bei der effizienten Durchführung von Markttransaktionen zu fungieren. Erstmal bedeutet dies eigentlich nur: Die EZB hilft den Rettungsfonds bei der technischen Abwicklung möglicher Anleihekäufe. Von eigenen Aktionen der EZB ist hingegen nicht die Rede.

Interessant ist jedoch, dass die EZB im Statement so explizit erwähnt wird. EZB-Chef Draghi hat außerdem selbst intensiv an den Gipfelbeschlüssen mitgearbeitet.

Nicht nur in Europa gibt es starke Anzeichen für ein weiteres Eingreifen der Notenbank, auch in den USA und China. Im Juni wuchs die chinesische Industrieproduktion so langsam wie seit sieben Monaten nicht mehr. Eine staatliche Zeitung sprach sich deshalb dafür aus, die Reserveanforderungen an die wichtigsten Banken zu verringern. Schon während der Finanzkrise hatte die chinesische Notenbank entschlossen eingegriffen.

In den USA war diese Woche der Einkaufsmanagerindex ISM erstmals seit der zurückliegenden Rezession unter den Schwellenwert gesunken, der Wachstum signalisiert. Falls auch die monatlichen Arbeitsmarktzahlen enttäuschen sollten, könnte die US-Notenbank die Konjunktur durch weitere Aktionen stützen. Holger Schmieding erwartet ebenfalls weitere Impulse. Paradoxerweise reagierten die Zentralbanken in den USA und China schneller auf die Lage in Europa, als die EZB selbst.

Mit Material von Reuters

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14 Kommentare zu "Euro-Krise: Zinshoffnung treibt die Märkte an"

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  • @Stubi
    genau der Punkt ist mir gestern bei dem Beitrag auch aufgefallen. Obwohl klar belegt werden konnte, dass dies und das von dem oder dem falsch gemacht wurde, ist mit keinem Stück auch mal eingeräumt worden, dass man Fehler gemacht hat. Sie glauben die Bank durch, sie seien Gott. Und da ich die Motivation verloren habe, auf der politischen Ebene etwas zu verändern, kann ich nur heute den Tipp geben, raus aus dem System. Schulden beseitigen, diesem künstlichen Konsumwahn widerstehen und sich um sein eigenes soziales Umfeld kümmeren. Dort beginnt der Wandel. Ich glaube eben leider nicht mehr daran, dass es eine politische Lösung gibt. Zu viele haben sich mit dem Fahrrad zum Bundestag aufgemacht und sind mit bequemen Karossen nach Hause gefahren.

  • @Jean-bah

    "fragt sich natürlich, warum bleibt das Volk so still."

    Das Volk war immer still, auch als es in den Luftschutzbunkern sass und darueber Hoellenlaerm war. Die waren gar gluecklich, dass sie dort sitzen durften.

    Deutschland braeuchte wirklich eine neue Partei, die den bestehenden Unfug abstellt - das Volk wird es nicht tun.

    Wer die ARD Sendung zum Euro nicht gesehen hat, der kann sie hier abrufen:

    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/11016614_der-grosse-euro-schwindel-wenn-jeder-jeden

    Auffallend ist, dass sich niemand dort schuldig fuehlt obwohl er eigentlich genug Mist gebaut hat. Also dies sollte man sich wirklich mal ansehen. Keine Ahnung warum das HB diese Sendung verschweigt, die Bild aber darauf hinweist.

  • Eigentlich doch erschreckend wie einfach sie sich das machen. Wer hat den zuerst angefangen zu zocken - die amerikanischen Bänkster, die sich auf kosten des eigenen Volkes und anderer Völker die Taschen füllen wollten. In Deutschland geht das Theater in der Offenheit seit Klau - Schröder und seiner Hannoveraner Kumpane. Deshalb hatten wir ja auch einen Herrn Hartz, Riester und Maschmeyer. Heute lügen und betrügen die Politiker aufgrund der Erfahrungen unter der "SPD" um so unverschämter und verscherbeln das restliche Vermögen an Barroso, Italien, Spanien und andere Länder, wo die Politiker genauso faul sind und die Schulden entsprechend höher.

  • In welcher Zockerbank arbeiten Sie?

  • Bei all der Klarheit über die peinlichen Aktionen der Banker und Politiker, fragt sich natürlich, warum bleibt das Volk so still. Ich denke, es kommt unweigerlich eine Initialzündung und dann werden die Verantwortlichen beider Seiten aus ihren brennenden Häusern durch die Strassen geprügelt. Vorher wurden schlimme Sachen mit den Familien angestellt. Aber dieser nun schon über Jahre gehende Frust entläd sich nicht demokratisch oder sogar gar nicht. DAs Maß wird dann allen verloren gehen und es wird grausam. Das schlimme daran ist nur, dass ich als friedliebender Mensch sogar Spaß an diesem Gedanken habe. Soweit haben es diese ganzen Verbrecher an den Schaltstellen schon gebracht. Ich habe mich vor Jahren schon abgesetzt, versorge mich fast autark und habe Dinge gehortet, die keiner entwerten kann. Bedauerlich für Deutschland ist nur, dass ich meine Geschäft verkauft habe und meine Steuern lieber anderswo entrichte. Also warte ich hier, bis selbst die größten Summen dieen Moloch nicht mehr retten können. Ich freue mich sooo sehr darauf!!

  • Ja klar, die Bänker...! Und die miesen Spekulanten...! Und der arme Bürger...! Die Beiträge hier sind wirklich unglaublich. Hahaha...

    Das Chaos haben ja wohl die POLITIKER angerichtet (Schuldenpolitik). Und jetzt sind es wieder die POLITIKER, die per Transferunion und Stützungsmaßnahmen den Steuerzahler abzocken. Und? Wer hat die gewählt? Der Bürger!

    In Frankreich wird nach der Wahl von Hollande die in Europa kürzeste Wochenarbeitszeit gesichert und die Heraufsetzung des Rentenalters zurückgenommen - weil es die Mehrheit der Franzosen so will. Also der Bürger. Und die Schulden sollen verteilt werden - weil es der Bürger so will. Der Franzose will einen starken Staat, der umverteilt, also lenkt. Aus gleichem Grund will er ein zentralisiertes Brüssel, das stark ist - und lenkt. Genau das wollen hier SPD, GRÜNE, LINKE etc. Und die werden immerhin von 60-65% gewählt...

    Und, wie immer wenn der Staat "stark" ist, funktionieren Märkte und Mechanismen nicht mehr, und, jetzt kommts: den Steuerzahler gehts ans die Geldbörse, wenn die Schulden aus dem Ruder laufen! Zur Not wird inflationiert. Die Staasquote wird immer höher, die Steuern steigen und steigen, dazu werden weiter Schulden gemacht bis es nicht mehr geht - überall das selbe...

    Um auf den Punkt zu kommen: packt euch an die eigene Nase! Je höher die Staatsquote, desto höhere Steuern, desto mehr Bürokratie, desto mehr Verschwendung, desto mehr unsinnige Politik, desto mehr Schulden, desto mehr Chaos, desto mehr Rufe nach noch mehr Regulierung durch den Staat (die "Bänker sind schuld", die "Spekulanten eine Gefahr"...).

    Je "stärker" der Staat, je höher die Staatsquote, desto größer die Verarschung der Bürger! Die Ami's wissen schon, warum sie gegen einen zu starken Staat sind: Sie wollen aufgeblähte Bürokratien verhindern, die Steuern (wovon sich in erster Linie der Staat ernährt) gering halten... Das ist Bürgerpolitik, nicht Staatspolitik.

    Die Wahrheit ist ganz einfach!

  • Hoffentlich haut es diese Casion-Zocker alle um und direkt ins Grab. Nichts gelernt, geil vor Gier. Und der Steuerzahler solls danach richten. Meine Herren, das ist das Übelste vom Üblen, was sich hier wieder abspielt.

  • Hoffentlich ist der "große Knall" nicht mehr fern! Wir würden alle zusammen viel Geld sparen.

    Und jeden Tag verhungern tausende von Menschen auf der
    Welt... Ich schäme mich ebenfalls. Was für eine Schande!


  • Zuckebrot und Peitsche!
    Die Aktenkurse werden von wenigen grossen Zockerbanken nach gegenseitiger Absprache gesteuert und man kann als Leie auch den zukuenftigen Boersenverlauf vorraussagen. Die Aktienkurse werden in Kuerze wieder einbrechen, wenn die korrupten Banken wieder neues Taschengeld brauchen. Das wird sein wenn die Schuldenerhoehungsprojekte (manche Vollidioten nennen sie auch Rettungsschirm oder ESM) wieder erhoeht werden muessen. Die Banken schicken die Aktien wieder in den Keller, erzaehlen vom Weltuntergang und ziehen wieder die Faeden von unseren bankengesteuerten Marionettenpolitiker. Unsere Marionettenpolitiker erhoehen wieder alle Schuldengrenzen und die Banken lassen danach die Aktienkurse wieder steigen, bis sie neues Geld brauchen. Ich schaeme mich fur unsere verbloedeten Kasperlefiguren im Bundestag und Bundesrat die nur Handlanger korrupter Banker geworden sind.



  • Super! Die lechzenden Banker freuen sich auf neue Geschäfte.

    Bitte hierzu den Handelsblatt-Beitrag "EX-BANKER PACKT AUS. – „Dann ging es ins nächste Luxusbordell“ lesen!!!

    Die Party geht unvermindert weiter... Die Lasttragenden
    sind die Anleger sowie der Steuerzahler.



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