Euro-Zone EZB könnte bald das Ende des Anleihekaufprogramms verkünden

Seit Jahren hat die EZB das Zwei-Prozent-Ziel bei der Inflation im Blick. Inzwischen sieht sich die Zentralbank auf einem guten Weg.
Update: 06.06.2018 - 12:34 Uhr Kommentieren
EZB schlägt vor Zinssitzung optimistische Töne an Quelle: dpa
EZB

Durch den Kauf von Wertpapieren pumpt die Zentralbank noch mindestens bis September viel Geld ins Finanzsystem.

(Foto: dpa)

Berlin/FrankfurtDie Europäische Zentralbank sieht sich auf gutem Weg, eine nachhaltig höhere Inflationsrate in der Euro-Zone zu erreichen. Damit nährt die Notenbank Spekulationen auf ein Ende ihres Anleihen-Kaufprogramms noch in diesem Jahr.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sagte am Mittwoch in Berlin, zu dem stärkeren Preisdruck trage auch der Wirtschaftsaufschwung in den Staaten der Währungsunion bei, der sich in höheren Löhnen bemerkbar mache. „Dies stärkt unser Vertrauen, dass die Inflation mittelfristig ein Niveau von unter, aber nahe zwei Prozent erreichen wird.“

Im Mai kletterte die Teuerungsrate in der Euro-Zone auf 1,9 Prozent und damit auf das angestrebte Inflationsziel. Allerdings hatten im Mai vor allem gestiegene Energiepreise zu dem erhöhten Niveau beigetragen. Da etwa der Benzinpreis schwankungsanfällig ist, ist die EZB noch vorsichtig. Im April hatte die Inflation noch 1,2 Prozent betragen.

Praet ließ offen, ob die Europäische Zentralbank auf ihrer Ratssitzung nächste Woche in Riga die Weichen für ein Auslaufen der billionenschweren Anleihenkäufe stellen werde, mit der die Währungshüter die Inflation bislang angeheizt haben: „Ich werde hier nichts vorwegnehmen“, so der einflussreiche Währungshüter auf dem Weltkongress der Aktuare – einem Branchentreff der Finanz- und Versicherungswirtschaft. Experten rätselten zuletzt, ob die EZB ihre Entscheidung noch bis Ende Juli hinausschieben wird – auch mit Blick auf die jüngsten Marktturbulenzen in Italien.

Praets Äußerungen sorgten für Bewegung an den Anleihemärkten: Die Zinsen zehnjähriger Bundesanleihen stiegen um 5,1 Basispunkte auf 0,42 Prozent – für italienische Staatsanleihen stiegen die Zinsen um 14,6 Basispunkte auf 2,904 Prozent. Auch der Euro legte gegenüber dem US-Dollar leicht zu. Bislang hat sich die EZB darauf festgelegt, bis September für monatlich 30 Milliarden Euro zusätzliche Anleihen zu kaufen. Unklar ist, wie es ab Oktober mit den vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufen weitergeht.

Diskussion über Ende der Anleihekäufe am 14. Juni

Der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski, wertet die Rede von Praet als Hinweis darauf, dass die nächste Ratssitzung der EZB am 14. Juni spannend wird. Mit der Angelegenheit vertraute Euro-Raum-Vertreter äußerten gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Sitzung in Riga dafür genutzt werden könnte, um über ein Ende der Anleihenkäufe zu diskutieren.

Möglich sei, dass ein solcher Schritt im Anschluss an die Sitzung verkündet werde. Ebenso wahrscheinlich sei aber auch, dass in der Hinsicht nichts passiert. Draghi könnte seine Pressekonferenz nutzen, um zu signalisieren, dass eine Ankündigung im Juli kommen werde, sagte eine der Personen gegenüber Bloomberg. Ein EZB-Sprecher wollte keinen Kommentar abgeben.

Brzeski geht davon aus, dass die EZB erst im Juli eine Entscheidung verkündet. Angesichts zunehmender wirtschaftlicher und politischer Abwärtsrisiken glaube er nicht, dass die Notenbank zum jetzigen Zeitpunkt Flexibilität und Handlungsspielraum aufgebe. Bei der Entscheidung geht es vor allem auch um die Frage, ob die EZB ihre monatlichen Anleihekäufe ab Oktober schrittweise reduziert oder zum Beispiel das Volumen von Oktober bis Dezember bei monatlich 15 Milliarden Euro hält. Außerdem ist abzuwarten, ob sich die EZB bereits auf ein Ende der Käufe zum Jahresende festlegt oder dies offen hält.

Bundesbankchef Jens Weidmann machte mit einer Videobotschaft auf dem Kongress deutlich, dass er Erwartungen von Finanzinvestoren für „plausibel“ hält, wonach das Programm noch dieses Jahr beendet wird. Dies wäre aus seiner Sicht nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer Normalisierung nach Jahren einer „sehr expansiven Geldpolitik“. Die EZB dürfe dabei aber keine Turbulenzen an den Märkten riskieren: „Die Herausforderung für uns wird es sein, diesen Prozess angemessen in unserer Kommunikation zu begleiten.“ Laut Weidmann ist zu erwarten, dass sich die Inflation schrittweise auf ein Niveau zubewegt, das mit der EZB-Definition von Preisstabilität vereinbar ist.

Die EZB pumpt seit rund drei Jahren über den Kauf von Wertpapieren viel Geld ins Finanzsystem. Das Programm soll noch bis mindestens Ende September fortgesetzt werden und dann ein Volumen von 2,55 Billionen Euro erreichen.

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