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Europäische Zentralbank Bundeskabinett beschließt Nominierung von Isabel Schnabel als EZB-Direktorin

Das Kabinett billigt offiziell den Vorschlag des Finanzministeriums. Ende November könnten die Finanzminister der Euro-Zone die Personalie beraten.
23.10.2019 - 12:05 Uhr Kommentieren
Neue EZB-Direktorin: Bundeskabinett nominiert Isabel Schnabel  Quelle: imago/IPON
Isabel Schnabel

„Ich fühle mich geehrt“, twitterte die Professorin.

(Foto: imago/IPON)

Berlin Die Bundesregierung hat die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel offiziell für das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) nominiert. Das Kabinett billigte am Mittwoch einen entsprechenden Vorschlag des Finanzministeriums.

Die 48-Jährige ist Professorin für Finanzmarktökonomie an der Universität in Bonn und sitzt seit 2014 im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der die Bundesregierung berät. „Ich fühle mich geehrt“, twitterte Schnabel. Sie werde ihr Bestes geben.

Experten gehen davon aus, dass nach dem angekündigten Rücktritt der bisherigen EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger mit Schnabel die starke Kritik Deutschlands innerhalb der Zentralbank künftig ein Stück weit abnehmen dürfte.

„In Deutschland wird die EZB ständig zum Sündenbock gemacht“, hatte die gebürtige Dortmunderin die jüngste Lockerung der Geldpolitik durch den scheidenden EZB-Chef Mario Draghi in einem „Handelsblatt"-Interview in Schutz genommen. Natürlich könne über einzelne Maßnahmen gestritten werden. Die Sichtweise, dass die EZB mit ihren Nullzinsen Sparern Geld stehle, sei aber falsch und gefährlich. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer sagte der Nachrichtenagentur Reuters, sie unterscheide sich damit von Lautenschläger und Bundesbankchef Jens Weidmann. „Das macht das Leben für die neue EZB-Chefin Christine Lagarde etwas leichter und das von Weidmann etwas schwerer.“

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    Aus Sicht der Ökonomen der niederländischen Großbank ING kann Deutschland deshalb in der EZB künftig eine „konstruktivere Rolle“ spielen. Lagarde werde die Zuständigkeiten vermutlich neu verteilen, Schnabel könne als Ökonomin mehr Einfluss auf die geldpolitischen Entscheidungen bekommen als die Juristin Lautenschläger. Schnabel könnte auch eine enge Vertraute der Französin Lagarde werden, die als bisherige IWF-Chefin im November an die EZB-Spitze wechselt. „Das könnte Deutschland ein deutlich besseren und deutlich konstruktiveren Einfluss auf EZB-Entscheidungen geben als beim traditionellen 'Nein'.“

    Lautenschläger wird Ende Oktober vorzeitig zurücktreten. Sie hatte keinen Hehl aus ihrer Ablehnung der lockeren Geldpolitik gemacht. Die EZB hatte angesichts der Konjunkturabkühlung und der anhaltend niedrigen Inflation zuletzt noch höhere Strafzinsen für Banken beschlossen und will erneut Anleihen kaufen.

    Der finanzpolitische Sprecher der FDP, Florian Toncar, sagte, die Bundesregierung hätte wieder eine Person vorschlagen sollen, die sich klar zu einem EZB-Kurswechsel bekenne. „Ein 'Weiter so' in der Geldpolitik ist gefährlich für die Sparer und die Altersvorsorge, aber auch für die Finanzstabilität und die Glaubwürdigkeit der EZB selbst.“

    Die Finanzminister der Euro-Zone dürften sich im November mit der deutschen Personal-Empfehlung beschäftigen. Sollte es wie erwartet keinen Widerstand geben, dürfte die formelle Ernennung Schnabels wohl auf einem EU-Gipfel im Dezember erfolgen.

    Mehr: Isabel Schnabel ist die neue Stimme im EZB-Direktorium. Ihre wichtigste Aufgabe: Der deutschen Öffentlichkeit die umstrittene Geldpolitik zu erklären.

    • rtr
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