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Europäische Zentralbank Das sind die Kandidaten für die Lautenschläger-Nachfolge

Nach dem Rücktritt der deutschen EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger ringt die Bundesregierung um die Nachfolge. Mehrere Kandidaten haben Chancen.
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Um ihre Nachfolge im EZB-Direktorium wird in Berlin hinter den Kulissen heftig gerungen. Quelle: Bloomberg
Sabine Lautenschläger

Um ihre Nachfolge im EZB-Direktorium wird in Berlin hinter den Kulissen heftig gerungen.

(Foto: Bloomberg)

Berlin, Frankfurt In der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend warten die Mitarbeiter gespannt auf ihre neue Chefin Christine Lagarde, die in gut drei Wochen ihr Amt antritt. Aus deutscher Sicht ist jedoch eine andere Personalie fast ebenso wichtig: Nach dem Rücktritt von Sabine Lautenschläger muss die Bundesregierung einen Nachfolger für sie im Direktorium der Notenbank finden. Kandidaten für den Posten gibt es zwar genug.

Doch die Festlegung gestaltet sich als schwierig. Laut einem ungeschriebenen Gesetz besetzen die vier großen Euro-Länder Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien jeweils einen Posten im sechsköpfigen EZB-Direktorium.

Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Lautenschläger bestimmt nicht nur acht Jahre lang die Geschicke der Notenbank mit. Der Posten spielt auch eine wichtige Rolle, wenn es um das angespannte Verhältnis der EZB zur deutschen Öffentlichkeit geht. Denn dem deutschen Direktoriumsmitglied obliegt es, die Politik der EZB hierzulande zu erklären.

Die Lautenschläger-Nachfolge wird auch beim Treffen der Euro-Finanzminister am Mittwoch eine Rolle spielen. Denn dort will Italien den Vize-Gouverneur der Banca d‘Italia, Fabio Panetta, als Nachfolger für den Franzosen Benoît Cœuré im EZB-Direktorium vorschlagen.

Die Entscheidung ist ein Fingerzeig für die Lautenschläger-Nachfolge. Die Deutsche ist derzeit die einzige Frau im Direktorium und im 25-köpfigen EZB-Rat. Kommt Panetta zum Zuge, müsste Deutschland wohl eine Frau nominieren.

Möglicherweise werden die Finanzminister aber auch beide Personalien später im Paket behandeln. Zumal nicht jeder in Frankfurt und Berlin mit Panettas Nominierung einverstanden ist, auch wenn die Bundesregierung ihn quasi schon durchgewunken hat.

Dennoch gelten derzeit zwei Frauen als aussichtsreiche Kandidatinnen. Der reinen Hackordnung nach hätte Claudia Buch die besten Karten. Die Bundesbank-Vizepräsidentin ist bereits Vertreterin von Jens Weidmann im EZB-Rat.

Fachlich genießt sie einen exzellenten Ruf – vor allem auf ihrem Gebiet der Finanzstabilität. Buch gilt zudem als eigener Kopf, der nicht so festgelegt ist wie andere Kandidaten.

Öffentlich ist sie jedoch bisher wenig in Erscheinung getreten, was als Manko gilt. Bundesbank-Präsident Weidmann und auch Lautenschläger haben den eingeschlagenen EZB-Kurs oft kritisiert.

Kein Kandidat hat Rückhalt im gesamten Regierungslager

In der Notenbank wünscht man sich auf der anderen Seite eine Person für das Direktorium, die den Deutschen die Position der EZB offensiver erklärt.

Die Rolle der Kommunikatorin könnte eher die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel ausfüllen. Sie sieht die Geldpolitik der EZB zum Teil skeptisch, hat die Notenbank aber auch gegen Kritik verteidigt. „In Deutschland wird die EZB, eine der wichtigsten europäischen Institutionen, ständig zum Sündenbock gemacht“, beklagte sie jüngst im Interview mit dem Handelsblatt.

Für den Fall, dass doch ein Mann zum Zug kommen könnte, kursieren vor allem zwei Namen: Einer ist Marcel Fratzscher, Chef des Wirtschaftsinstituts DIW. Schon als vor Wochen erste Gerüchte aufkamen, Lautenschläger trete womöglich zurück, verwiesen Insider darauf, wie sehr sich Fratzscher warm laufe.

Fratzscher hat in der SPD und im Bundesfinanzministerium seine Unterstützer. „Wenn die SPD den Posten politisch besetzen will, ist Fratzscher ihr gesetzter Kandidat“, heißt es in Berliner Regierungskreisen.

Auch bei EZB-Führungskräften ist Fratzscher beliebt. Der 48-Jährige arbeitete von 2001 bis 2012 bereits für die Notenbank, zuletzt als Leiter der Abteilung Internationale wirtschaftspolitische Analysen.

In Frankfurt rechnet man ihm hoch an, dass er die EZB in Deutschland verteidigt. Das ist aber zugleich Fratzschers Nachteil: Konservative Teile der Bevölkerung könne er kaum erreichen, weil er schon jetzt unter dem Verdacht stehe, allem zuzustimmen, was aus der EZB komme, heißt es in Berlin. Auch deshalb wäre er der CDU kaum vermittelbar.

Das Gleiche gilt umgekehrt für Volker Wieland. In der CDU würden viele den Wirtschaftsweisen gern im EZB-Rat sehen. Wieland gilt auf dem Gebiet der Geldpolitik als führender Forscher in Deutschland und tickt geldpolitisch ähnlich wie Weidmann.

„Wenn Olaf Scholz Posten nach Kompetenz besetzen will, kommt er an Wieland nicht vorbei“, sagt einer seiner Anhänger. Doch in der SPD gibt es Vorbehalte gegen Wieland.

Und auch mancher außerhalb der SPD fürchtet, Wieland könnte wie schon zuletzt seine drei deutschen Vorgänger im EZB-Direktorium frustriert vorzeitig hinwerfen.

Außenseiter-Chancen werden daher Ulrich Bindseil eingeräumt, deutscher Generaldirektor in der EZB. Er bringt Erfahrung im Bereich Märkte mit, was die wichtigste neu zu besetzende Aufgabe im Direktorium ist.

Und er arbeitet schon länger in der EZB, was die Gefahr mindert, dass auch er vorzeitig das Weite sucht. Doch er hätte nur Chancen, wenn die Regierung keine Frau beruft und dann den Posten nicht politisch besetzt – was als unwahrscheinlich gilt.

Mehr: Die deutsche EZB-Direktorin gibt lange vor dem Ende ihrer regulären Amtszeit ihren Posten auf. Das sorgt vor allem in Italien für Kopfschütteln.

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