Europäische Zentralbank EZB will Anleihekäufe notfalls ausweiten

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt, ihr riesiges Anleihen-Kaufprogramm notfalls auszuweiten und zeitlich zu strecken. Auch hat sie sowohl ihre Inflations- als auch ihre Wachstumsprognose für Europa gesenkt.
Update: 03.09.2015 - 15:42 Uhr
Auf der anschließenden Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid soll sich Mario Draghi über die Inflation in Europa äußern. Quelle: dpa
EZB-Pk in Frankfurt

Auf der anschließenden Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid soll sich Mario Draghi über die Inflation in Europa äußern.

(Foto: dpa)

Europas Währungshüter wollen im Kampf gegen die niedrige Inflation notfalls nachlegen. „Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Das im März begonnene Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Vermögenswerten könne notfalls im Umfang ausgedehnt oder zeitlich gestreckt werden.

Bisher will die Europäische Zentralbank bis mindestens September 2016 monatlich Papiere im Wert von 60 Milliarden Euro kaufen. Bis zum 28. August hat die EZB in diesem Rahmen allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 289,5 Milliarden Euro erworben.

Eine sofortige Lockerung der EZB-Geldpolitik über das Anleihenkaufprogramm ist laut Notenbank-Chef Mario Draghi aber derzeit kein Thema. Keines der Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) habe sich am Donnerstag für eine unmittelbare Ausweitung des Programms ausgesprochen, sagte der EZB-Präsident nach der Ratssitzung in Frankfurt.

Mit dem Programm sollen Banken dazu gebracht werden, statt in Anleihen zu investieren mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte zu vergeben. Durch die Käufe sollen die Bondrenditen sinken, wodurch die Titel als Investment weniger attraktiv werden. Wenn mehr Darlehen vergeben werden, schiebt das die Wirtschaft an und sorgt für mehr Preisauftrieb. Ungeachtet der Käufe blieb aber bislang der große Inflationsschub aus. Im August wie schon im Juli lag die Teuerung in der Euro-Zone nur bei 0,2 Prozent und damit deutlich vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent entfernt.

Der Kurs der lockeren Geldpolitik wird auch auf der Zinsseite fortgeführt. Kurz vor der Pressekonferenz gab die Notenbank bekannt, die Zinsen in der Eurozone extrem niedrig zu belassen. Wie erwartet beschloss der EZB-Rat, den Leitzins bei 0,05 Prozent zu belassen. Auch die beiden anderen Zinssätze beließ die EZB dem Sprecher zufolge auf ihrem bisherigen Niveau. Kreditinstitute, die ihr Geld lieber kurzfristig bei der Notenbank parken, anstatt es an Unternehmen zu verleihen, müssen weiterhin einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen. Der dritte Zinssatz für kurzfristige Finanzspritzen oder auch Übernachtkredite von der Zentralbank bleibt bei 0,3 Prozent.

Seit März versuchen die Währungshüter, die Konjunktur und den Preisauftrieb zusätzlich mit einem gewaltigen Kaufprogramm anzuschieben: Monatlich 60 Milliarden Euro sollen in Staatsanleihen und andere Vermögenswerte investiert werden, insgesamt 1,1 Billionen Euro bis September 2016. Bis zum 28. August hat die EZB in diesem Rahmen allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 289,5 Milliarden Euro erworben.

So hilft die EZB den Schuldenmachern
Italien profitiert
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Die EZB hat Anfang März ihr neues Anti-Krisen-Programm gestartet. Sie „druckt“ frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Fachleute nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht „QE“ („Quantitative Easing“). EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Märkte seit Monaten darauf vorbereitet. Im Januar gab der EZB-Rat mit breiter Mehrheit grünes Licht – gegen den Widerstand etwa von Bundesbankpräsident Jens Weidmann und dem deutschen EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger. Seitdem preisen die Märkte das „QE“. Die Rendite für italienische zweijährige Staatsanleihen ist seit Jahresbeginn deutlich gefallen.

Rendite (Jahresbeginn): 0,53 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,29 Prozent
Quelle: Bloomberg

Langfristig günstiger
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Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen ist ebenfalls zurückgegangen. Italien kann sich damit deutlich günstiger Geld am Markt leihen. Das Land fiel während der Krise 2012 nicht nur wegen seiner Schulden, sondern auch wegen politischer Querelen auf. Die Zinsen lagen dementsprechend 2011/2012 bei fast sieben Prozent. Rund drei Jahre später sind die heutigen Zinsen für das Land deutlich niedriger.

Rendite (Jahresbeginn): 1,89 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,37 Prozent
Quelle: Bloomberg

Starkes Portugal
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Am stärksten profitierten in der ersten Woche der EZB-Geldflut portugiesische Staatsanleihen. Die Rendite der 30-jährigen Anleihen aus Portugal fiel die sechste Woche in Folge und erreichte Mitte März ein Rekordtief. Auch für zweijährige Staatsanleihen ging es bei der Rendite deutlich abwärts. Zu Krisenzeiten lag die Rendite hier noch über 20 Prozent. Heute liegt sie nahe Null.

Rendite (Jahresbeginn): 0,42 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,11 Prozent
Quelle: Bloomberg

Rendite auf Vorkrisenniveau
4 von 9

Auch bei der Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen ging es nach unten. Die Differenz zur Rendite der  Bundesanleihen sank auf 130 Basispunkte – die kleinste Differenz seit April 2010. Die Renditen zeigen auch sehr deutlich, warum am Aktienmarkt Kauflaune herrscht: Mit Staatsanleihen kann man kaum noch Rendite erwirtschaften. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 zahlte Portugal für seine zehnjährigen Anleihen mehr als 17 Prozent Zinsen.

Rendite (Jahresbeginn): 2,69 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,75 Prozent
Quelle: Bloomberg

Spanien kommt günstiger an Geld
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Auch Spaniens Staatsanleihen sind seit Jahresbeginn beliebter. Die steigende Nachfrage ließ die Rendite konstant fallen. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 forderten Anleger am Markt noch fast sieben Prozent Rendite für zweijährige spanische Staatspapiere.

Rendite (Jahresbeginn): 0,4 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,16 Prozent
Quelle: Bloomberg

Renditen weit unter Krisenniveau
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Im Sommer 2012 zahlte Spanien mehr als sieben Prozent Zinsen für seine zehnjährigen Staatsanleihen. Im Sommer 2012 kam dann Draghis Versprechen „alles zu tun, was nötig sei“, um den Euro zu retten. Seitdem ging es bei den Renditen der Staatsanleihen konstant abwärts. Anfang 2015 betrugen die Zinsen nur noch 1,6 Prozent und fielen als Folge des „QE“ der EZB noch weiter.

Rendite (Jahresbeginn): 1,6 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,34 Prozent
Quelle: Bloomberg

Deutschland: Geld leihen und dafür zahlen
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Eine besondere Situation zeigt sich bei den Bundesanleihen. Bei zweijährigen Staatspapieren der Bundesrepublik bekamen Anleger zu Jahresbeginn eine negative Rendite. Sprich: Investoren zahlen Geld, um Deutschland ihr Geld zu leihen. Durch die Staatsanleihekäufe der EZB ist die Rendite sogar noch weiter ins Minus gerutscht.

Rendite (Jahresbeginn): - 0,1 Prozent
Rendite (18.03.2015): - 0,23 Prozent
Quelle: Bloomberg

EZB hat die Inflationserwartung korrigiert
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