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Eurostat Preise im Euro-Raum ziehen stärker an als erwartet

Die Verbraucherpreise sind laut Eurostat um 0,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Doch es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Euro-Ländern.
30.06.2020 Update: 30.06.2020 - 12:32 Uhr 3 Kommentare
Der leichte Anstieg im Juni der Inflation im Juni zeugt vor allem von etwas höheren Öl- und Nahrungsmittelpreisen Quelle: dpa
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Der leichte Anstieg im Juni der Inflation im Juni zeugt vor allem von etwas höheren Öl- und Nahrungsmittelpreisen

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Inflation im Euro-Raum hat im Juni trotz der anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie überraschend wieder etwas zugelegt. Die Verbraucherpreise stiegen um 0,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag auf Basis einer Schnellschätzung mitteilte.

Sie verwies zugleich darauf, dass im Juni „viele Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen schrittweise aufgehoben“ worden seien. Experten hatten lediglich mit einer Zunahme um 0,1 Prozent gerechnet, nach einem Plus von ebenfalls 0,1 Prozent im Mai.

Der leichte Anstieg im Juni zeugt vor allem von etwas höheren Öl- und Nahrungsmittelpreisen, wie Ökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank anmerkt: „Bereits im kommenden Monat wird die Inflationsrate vermutlich schon wieder im Rückwärtsgang sein. Die deutsche Mehrwertsteuersenkung wird einer Dampfwalze gleich jeglichen Preisauftrieb erdrücken.“

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat jüngst die Effekte der am Mittwoch anstehenden Steuersenkung auf die Inflation hierzulande durchgespielt: Bei vollständiger Weitergabe an die Kunden könne dies „rein rechnerisch“ einen Rückgang der Verbraucherpreise um 1,6 Prozent verursachen.

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    Die Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) gehen davon aus, dass sich die Teuerungsrate dieses Jahr in der Euro-Zone bei 0,3 Prozent einpendeln wird: „Dieser Wert liegt weit unter unserem Ziel von unter, aber nahe zwei Prozent“, räumte der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau im Gespräch mit dem Handelsblatt ein und fügte an: „Wenn wir unser Mandat ernst nehmen, brauchen wir eine sehr flexible Geldpolitik.“

    Inflationsniveau weiter außergewöhnlich niedrig

    Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba hält das Inflationsniveau trotz des überraschenden Anstiegs im Juni für außergewöhnlich niedrig: „Vor diesem Hintergrund steht die EZB nicht unter Druck, ihre ultralockere Geldpolitik zu ändern.“

    Angesichts einer drohenden Rekord-Rezession in der Euro-Zone hat die EZB ihr „Pandemic Emergency Purchase Programme“ zum Aufkauf von Staatsanleihen der Euro-Länder aufgestockt – und zwar von 750 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro. Und EZB-Chefin Christine Lagarde betonte jüngst, die Währungshüter seien gefordert, alle „Hebel in Bewegung zu setzen“, um die Folgen der Pandemie abzufedern.

    Bedenklich stimmen dürfte die EZB insbesondere, dass in einigen Staaten der Euro-Zone - darunter Spanien, Irland, Griechenland und Zypern - die Preise zuletzt gegenüber dem Vorjahr fielen. Die EZB will mit ihrer Geldpolitik eine Entwicklung verhindern, in der fallende Preise eine konjunkturelle Abwärtsspirale aus sinkenden Löhnen und nachlassender Konsum- sowie Investitionsbereitschaft auslösen.

    Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank erwartet, dass wegen der Corona-Krise und der unsicheren Beschäftigungsaussichten die Nachfrage der privaten Haushalte im Euroraum verhalten bleiben wird: „Den Unternehmen dürfte es daher weiterhin schwerfallen, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen.“

    Mehr: Was die Coronakrise für die Inflationsmessung bedeutet.

    • rtr
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    Mehr zu: Eurostat - Preise im Euro-Raum ziehen stärker an als erwartet
    3 Kommentare zu "Eurostat: Preise im Euro-Raum ziehen stärker an als erwartet"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Stephan Hillebrand: nach Einführung des Euro sind die Preise in den ‚schwachen‘ Ländern stärker gestiegen, weil sie weniger produktiv waren. Dementsprechend war die Preissteigerung in Deutschland niedrig. Weil sich Lohnrunden oft an der Inflationsrate orientieren, wurden in den ‚schwachen‘ Ländern höhere Lohnabschlüsse getätigt als in Deutschland. Folge: Deutschland wurde produktiver, hatte jedoch weniger Kaufkraft, Spanien, Italien, Griechenland wurde weniger produktiv, hatte jedoch mehr Kaufkraft. Die ganze Welt forderte -richtigerweise- das Gegenteil, aber nationale Inflationsraten mussten sein. Diese sind sinnlos und kontraproduktiv in einem Währungsraum eben aus dem von Ihnen genannten Grund, dass dann national gegengesteuert wird - nur eben mit falschem Vorzeichen...

    • @ Wolfgang Stehle

      Sehe ich ganz anders. Wenn man unterschiedliche Inflationsentwicklungen in Statistiken erfasst, warum bringt das dann Divergenz? Die Divergenz ist doch vorhanden und wird nur statistisch erfasst. Und auch das ist gut, damit man weiß, ob man wie und wo reagieren/eingreifen muss.

    • Es ist nicht sinnvoll innerhalb eines Währungsraumes unterschiedliche Inflationsraten auszuweisen. Dieses Missverständnis nationaler Betrachtung hat uns mit Einführung des Euro mehr Divergenz anstatt der erhofften Konvergenz gebracht und das wird weiter so gehen bis wir zu einer Eurostatistik kommen. Natürlich entwickeln sich die Preise in den Regionen unterschiedlich. Das ist auch innerhalb Deutschlands so. Dennoch weisen wir eine deutsche Inflationsrate aus und keine bayrische vs eine mecklenburg-vorpommersche...

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