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EZB-Bankenaufsicht Andrea Enria wird Europas oberster Bankenaufseher

Der Italiener Andrea Enria hat das Rennen um den frei werdenden Posten des obersten Bankenaufsehers der Euro-Zone gemacht.
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Der Italiener Enria wird als Nachfolger von Daniele Nouy oberster Bankenaufseher der Euro-Zone. Quelle: Reuters
Andrea Enria

Der Italiener Enria wird als Nachfolger von Daniele Nouy oberster Bankenaufseher der Euro-Zone.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der Rat der Europäischen Zentralbank hat am Mittwoch eine wichtige Entscheidung getroffen, die ausnahmsweise nichts mit Geldpolitik zu tun hatte: Das Gremium wählte in geheimer Abstimmung Andrea Enria als künftigen Chef der EZB-Bankenaufsicht. Der 57-jährige Italiener tritt im Januar 2019 die Nachfolge der Französin Danièle Nouy an, deren Amtszeit dann ausläuft. Enria, der bisher Chef der EU-Bankenbehörde Eba ist, setzte sich damit gegen die Vize-Chefin der irischen Notenbank, Sharon Donnery, durch. In Deutschland wurde Enrias Wahl wohlwollend aufgenommen.

Das Rennen zwischen beiden galt bis zuletzt als völlig offen. Für Enria sprach seine langjährige europäische Erfahrung und auch der Nationalitätenproporz. Der Italiener leitet bereits seit sieben Jahren die Eba, die technische Standards zur Regulierung der Banken setzt. Zudem verliert Italien im nächsten Jahr mehrere europäische Spitzenposten, wenn die Amtszeiten von EZB-Chef Mario Draghi, der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und dem Präsidenten des Europaparlaments Antonio Tajani auslaufen.

Auch Donnery hatte zuvor als aussichtsreiche Kandidatin gegolten. Für sie hatte ihre Erfahrung bei der irischen Notenbank gesprochen. Zudem sind nur wenige wichtige Posten in der EZB mit Frauen besetzt. 23 von 25 Mitgliedern im EZB-Rat sind Männer. Das Europaparlament und die EZB selbst drängen seit langem auf einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen. Donnery leitet zudem die EZB-Arbeitsgruppe, die sich mit Problemkrediten beschäftigt. Der Umgang damit wird auch künftig eines der wichtigsten Themen für die Bankenaufsicht sein – und er wurde im Rahmen der Wahl zwischen Donnery und Enria heiß diskutiert.

„Der hohe Bestand an ausfallgefährdeten Krediten in Europa ist ein Problem, das wir noch nicht gelöst haben,“ sagte der Präsident der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, im September im Handelsblatt-Interview. Das sei eine „große Hypothek“. Noch immer schleppen Banken im Euro-Raum faule Kredite im Wert von 657 Milliarden Euro mit sich herum. Stark betroffen ist Italien. Die EZB will sich daher mit den Banken auf individuelle Pläne verständigen, in denen festgelegt wird, wie schnell diese den Berg fauler Kredite abbauen müssen.

Die deutsche Finanzaufsicht hat bereits im Vorfeld der Entscheidung deutlich gemacht, dass sie mit beiden Kandidaten leben könnte. Donnerys harte Haltung beim Abbau fauler Kredite stößt in Deutschland auf Zustimmung. Aber auch Enria trauen Bankenaufseher zu, das Problem entschlossen anzugehen. Die Sorgen mancher Kritiker, der Italiener könnte bei dem Thema etwas nachsichtiger vorgehen, teilen Insider nicht. Sie verweisen darauf, dass Enria bereits in seiner Zeit bei der Eba eine harte Haltung bei den faulen Krediten gezeigt habe.

Zudem haben die deutschen Aufsichtsbehörden mit Enria bereits als Eba-Chef gut zusammengearbeitet. Und sie hatten dabei immer das Gefühl, dass er unabhängig agierte und die Interessen der EU im Blick hatte – und nicht die seines Heimatlands Italien. Dass die italienische Regierung Enrias Kandidatur nicht unterstützt hat, sahen im Norden Europas manche als Empfehlung für ihn. Nach der Abstimmung im EZB-Rat muss Enria nun noch vom Europaparlament bestätigt und von den EU-Regierungschefs genehmigt werden. Dies gilt jedoch als Formsache.

Die Wahl von Enria könnte auch Einfluss auf weitere Personalentscheidungen haben. So gilt der irische Notenbankchef Philip Lane als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, dessen Amtszeit im Mai 2019 endet. Lanes Chancen dürften durch die Wahl Enrias noch größer sein. Und davon könnte am Ende dann auch Sharon Donnery profitieren: Sie könnte Lane an der Spitze der irischen Notenbank beerben.

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