EZB-Chef in Washington Draghis Pokerface

In die Karten ließ sich Mario Draghi nicht schauen: Kritik an seiner Geldpolitik perlte bei der IWF-Tagung am EZB-Chef ab. Stattdessen mahnte er mehr Schuldenabbau an – und gönnt sich einen Seitenhieb auf Schäuble.
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Einen Seitenhieb auf den scheidenden deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble kann sich der EZB-Chef nicht verkneifen. Quelle: Reuters
Mario Draghi

Einen Seitenhieb auf den scheidenden deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble kann sich der EZB-Chef nicht verkneifen.

(Foto: Reuters)

WashingtonMario Draghi gönnte bei der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington dem scheidenden deutschen Finanzminister eine leicht ironische Anerkennung. „Ich bewundere Wolfgang Schäuble“, sagte er. „Er ist ein großer Europäer. Und er hat im Großen und Ganzen die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) respektiert.“ Damit spielte der EZB-Chef auf Schäubles häufig geäußerte Skepsis gegenüber der expansiven Geldpolitik der EZB an.

Die Tagung des IWF, sagte Draghi, sei im Vergleich zu früheren Jahren von Optimismus geprägt. Zugleich aber habe fast jeder Redner auch Risiken der aktuellen Geldpolitik angesprochen.

Ohne ein einzelnes Land anzusprechen, sagte er: „In manchen Fällen nehmen die Kapitalmärkte eine politische Veränderung vorweg. Wenn die nicht eintritt, kann das negative Konsequenzen haben.“ Es ist kein Geheimnis, dass viele Investoren in der Euro-Zone eine stärkere finanzielle Verzahnung der Staaten erwarten. Darüber hinaus soll es eine stärkere Haftung geben, etwa für Ausfälle im Bankensektor. Doch gerade in diesem Punkt ist von deutscher Seite mit wenig Zustimmung zu rechnen.

Draghi sieht außer im teuersten Bereich der Gewerbe-Immobilien keine wirklich überzogenen Bewertungen an den Kapitalmärkten. In einzelnen großen Städten seien die Preise für Wohnimmobilien stark gestiegen, aber zum Teil von einem niedrigen Niveau aus. Der Gesamtmarkt habe sich nicht stark bewegt, und vor allem sei keine zunehmende Verschuldung der Käufer zu erkennen. Laut Draghi gebe es keinen Anlass, sich in geldpolitischen Entscheidungen beirren zu lassen.

Für die Euro-Zone stellt der EZB-Chef eine Erfolgsbilanz auf: 17 Quartale in Folge mit Wachstum, für 2017 insgesamt ein Plus von 2,2 Prozent in Aussicht, für 2019 von 1,9 Prozent, sieben Millionen neue Jobs in vier Jahren. Der Aufschwung sei gut über die gesamte Eurozone verteilt und werde vom Konsum und zunehmend von privaten Investitionen getragen, betonte er, die Region hänge nicht mehr so stark von Exporten ab wie noch vor kurzem.

Er fordert, die Gunst der Stunde, mit niedrigen Zinsen und gutem Wachstum, für Reformen zu nutzen, und spricht dabei ausdrücklich auch die Konsolidierung von Staatsfinanzen an.

Damit zeigt sich Draghi weitaus konservativer als amerikanische Ökonomen wie etwa Larry Summers oder Jay Shambaugh. Die hatten am Tag zuvor gefordert, die niedrigen Zinsen gerade für einen stärkeren Einsatz von Staatsschulden zum Ankurbeln der Wirtschaft zu nutzen. Ihre Logik: Wenn das Wachstum höher ist als die zu zahlenden Zinsen, dann schrumpft die relative Verschuldung, also das Verhältnis der Schulden zu Bruttoinlandsprodukt. Diesen Spielraum wollen sie nutzen, um mit Hilfe der Finanzpolitik zusätzliche Nachfrage zu schaffen.

Wo Verbraucher aktuell sparen können
Heizöl
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Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im August 2017 um 1,8 Prozent höher als im August 2016. Damit zog die Inflationsrate den dritten Monat in Folge leicht an. Im Vergleich zum Juli 2017 stieg der Verbraucherpreisindex im August um 0,1 Prozent an. Ein wesentlicher Grund für den erneuten Anstieg der Inflationsrate ist die Entwicklung der Energiepreise. So ist im Vergleich zum Vorjahr besonders leichtes Heizöl teurer geworden – um 10,4 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat haben sich die Preise um 1,9 Prozent. Hingegen verbilligte sich Gas im Vorjahresvergleich um 2,9 Prozent.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Kraftstoffe
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Doch nicht nur Heizöl ist im Vergleich zum Vormonat teurer geworden – Kraftstoffe ebenso. Hier zogen die Preise um insgesamt 0,9 Prozent an (darunter Superbenzin: plus 0,7 Prozent; Dieselkraftstoff: plus 1,3 Prozent). Seit August 2016 haben sich die Kraftstoffpreise sogar um insgesamt 3,9 Prozent erhöht.

Bekleidung und Schuhe
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Bekleidung und Schuhe sind im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls teurer geworden. Im August 2017 zahlten Verbraucher fürs Outfit 2,7 Prozent mehr. Drastischer fällt die Preissteigerung im Vergleich zum Juli aus: Binnen eines Monats haben sich die Preise um 2,5 Prozent erhöht.

Pauschalreisen
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Um 1,3 Prozent günstiger geworden sind Pauschalreisen – zumindest im Vergleich zum Vormonat. Kein Wunder: Die Urlaubssaison neigt sich gen Ende. Im Vorjahresvergleich haben Pauschalreisen sich dagegen verteuert – um 2,5 Prozent.

Nahrungsmittel
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Bei Nahrungsmitteln fiel der Preisaufschlag mit drei Prozent besonders deutlich aus.

Gemüse
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Der leichte Rückgang der Nahrungsmittelpreise im Vormonatsvergleich lässt sich durch die Preisentwicklung des Gemüses erklären. Es wurde mit einem Minus von 2,2 Prozent deutlich günstiger. Im Vergleich zum August 2016 gingen die Preise sogar um 4,5 Prozent zurück. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energie und Nahrungsmittel hätte die Inflationsrate im August 2017 bei 1,6 Prozent gelegen. 

Speiseöle und -Fette
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Teurer als ein Jahr zuvor waren im August 2017 hingegen vor allem Speiseöle und -fette. Hier zogen die Preise um 28,1 Prozent an. Im Vergleich zum Vormonat verteuerten sich Speiseöle und -fette um 2,0 Prozent.

Draghi widerspricht: „Es wird häufig unterschätzt, wie schwer es ist, Budget-Maßnahmen wieder rückgängig zu machen.“ Anders gesagt: Wer bei niedrigen Zinsen aus dem Vollen schöpft, kommt oft nicht davon runter, wenn die Zinsen steigen.

Zu seinen geldpolitischen Plänen ließ er sich kein Wort entlocken. Er wiederholte aber seine „persönliche Einschätzung“, noch im Oktober sollte der Großteil der Entscheidungen über eine Drosselung der massiven Anleihekäufe durch die Notenbank getroffen werden.  

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2 Kommentare zu "EZB-Chef in Washington: Draghis Pokerface"

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  • "Stattdessen mahnte er mehr Schuldenabbau an"

    Toller Joke! Er hat doch dafür gesorgt, dass die Länder immer mehr Schulden machen können. Die EZB ist doch der größte Gläubiger der hochverschuldeten Länder in der Eurozone. Es wird höchste Zeit, dass dieser Mann an der Spitze der EZB baldigst abgelöst wird, vorausgesetzt, wir bekommen dann nicht einen Griechen als Präsidenten, z.B. Vasoulakis.

  • Erfrischend ist der Satz des Herrn Draghi "Stattdessen mahnte er mehr Schuldenabbau an ". Herr Draghi, EZB, bewirkt mit der extremen Geldschöpfung eine verstärkte Verschuldung der Staatshaushalte. Ich denke, dass Herr Draghi in der Regel andere Intentionen hat als er äussert.

    Herr Draghi ist relativ leicht zu durchschauen. Aus seinem Handeln an der Spitze der EZB kann man darauf schliessen dass sein Hauptziel die Inflationierung des € ist mit dem Ziel den italienischen Staatshaushalt zu Lasten der deutschen Sparer zu entschulden. Dieses Ziel wird er - er ist diesem noch nicht näher gekommen - bis zum Dienstzeitende als EZB Präsident verfolgen.

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