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EZB-Chefposten Unorthodox, aber gut: Deutsche Ökonomen loben Christine Lagarde

Die Personalie Christine Lagarde als wahrscheinliche neue EZB-Präsidentin findet überwiegend Zuspruch bei deutschen Ökonomen. Einige Experten haben aber auch Sorgen.
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Die designierte EZB-Präsidentin gilt bei deutschen Ökonomen als gute Wahl. Quelle: AFP
Christine Lagarde

Die designierte EZB-Präsidentin gilt bei deutschen Ökonomen als gute Wahl.

(Foto: AFP)

Berlin, Frankfurt Von Washington nach Frankfurt: Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, soll nach dem Willen des Europäischen Rates neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. Auch wenn Bundesbank-Chef Jens Weidmann damit im Rennen um den Posten des obersten Währungshüters im Euro-Raum den Kürzeren gezogen hat, halten Deutschlands Top-Ökonomen Lagarde für eine gute Wahl.

„Christine Lagarde ist eine sehr gute Besetzung für die Position. Sie ist sicherlich in der Lage, die unterschiedlichen nationalen Interessen und Perspektiven in der Währungsunion auszubalancieren“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest dem Handelsblatt.

Ganz ähnlich sieht es Marcel Fratzscher, Präsident des Wirtschaftsinstituts DIW: „Lagardes große Stärke ist die enorme internationale Erfahrung und ihr politisches Geschick. Sie ist eine hervorragende Kommunikatorin, die es versteht, sowohl mit Finanzmärkten und Politikern als auch mit Bürgerinnen und Bürgern zu kommunizieren.“ Dies sei eine wichtige Stärke für die EZB in schwierigen Zeiten.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, meint: „Frau Lagarde ist sicher ein unorthodoxe Lösung, aber mit großer politischer Expertise und wirtschaftspolitischer Erfahrung.“ So kompliziert sei Geldpolitik nicht, und der EZB-Vorstand mit dem Philip Lane als Chefvolkswirt hervorragend aufgestellt. „Jens Weidmann dürfte als vertrauensvoller Partner Frau Lagarde zur Seite stehen“, glaubt Hüther.

Dass mit Lagarde zum ersten Mal keine Ökonomin, sondern eine studierte Juristin an der Spitze der europäischen Notenbank steht, halten die meisten Ökonomen für kein Problem. „Das ist in diesem Fall kein Nachteil“, sagte der langjährige Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Lagarde habe für den Internationalen Währungsfonds so viele Erfahrungen bei Fragen der Finanzstabilität und im Umgang von größeren Krisen gesammelt, dass sie absolut geeignet sei für den Vorsitz der EZB.

Fratzscher erwartet, dass Lagarde in der Geldpolitik „eine steile Lernkurve haben wird, so dass sie vor allem in schwierigen Zeiten die EZB so klug führen kann, wie Mario Draghi es getan hat“. Die Ökonomen erwarten, dass Lagarde auch den lockeren geldpolitischen Kurs von Draghi fortsetzen wird. Dies dürfte vor allem in Deutschland für Kritik sorgen. In Berlin hatten viele gehofft, dass Bundesbank-Präsident Weidmann neuer EZB-Chef wird und eine etwas härtere Geldpolitik verfolgt.

Doch das wäre eine falsche Hoffnung gewesen, sagte Bofinger. Weidmann könne sogar froh sein, dass er es nicht geworden ist: „Er wäre in der deutschen Öffentlichkeit schnell in die Kritik geraten, wenn er die Zinsen nicht gesenkt hätte. Dafür hätte er im EZB-Rat aber überhaupt keine Mehrheit gehabt.“

Risiko für Immobilienblase

Ifo-Chef Fuest erwartet dennoch, dass es in Deutschland noch Diskussionen darüber geben wird, warum die Bundesrepublik wieder nicht den EZB-Chef stellt, obwohl mit Weidmann ein geeigneter Kandidat bereitstand, sondern bereits zum zweiten Mal ein Franzose zum Zug kam. „Es wäre eigentlich naheliegend, dass nach den Niederlanden, Frankreich und Italien nun Deutschland den EZB-Präsidenten stellt“, sagte Fuest.

Aber es gibt auch kritische Stimmen. So meint Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank: „Lagarde hat die lockere Geldpolitik des scheidenden EZB-Präsidenten Draghi stets unterstützt. Sie dürfte dessen Politik fortsetzen. Leider wird der EZB-Einlagensatz wohl noch viele Jahre im negativen Bereich bleiben. Damit steigt das Risiko dass sich an den Immobilienmärkten in den kommenden Jahren gefährliche Blasen entwickeln.“

Krämer sieht zudem kritisch, dass nach dem EZB-Vize Luis de Guindos mit Lagarde noch eine vor allem politisch geprägte Persönlichkeit ans Ruder kommt. „Die EZB-Spitze wird mehr denn je Verständnis aufbringen für den unausgesprochenen Wunsch der Staats- und Regierungschefs, die ungelösten Ursachen der Staatsschuldenkrise durch eine lockere Geldpolitik zu übertünchen.“

Mit Blick auf den unterlegenen Kandidaten Jens Weidmann, den Präsidenten der Bundesbank, sagte Krämer: „Die Unterstützung für Weidmann aus Deutschland war nie besonders stark.“ 

Stefan Bielmeier, Chef-Ökonom der DZ-Bank, lässt ebenfalls kritische Töne anklingen. Seiner Meinung nach gehört zu den Herausforderung für Lagarde, den Spagat zwischen Geld- und Finanzpolitik zu meistern, wenn etwa eine Zinserhöhung notwendig wird, zugleich aber damit eine steigende Belastung hoch verschuldeter Staaten verbunden ist.

„Ich gehe davon aus, dass sie in dem Fall die gesamte Stabilität vor die Preisstabilität setzt“, formulierte Bielmeier seine vorsichtige Kritik. „Es zeigt sich, dass die Besetzung von wichtigen Positionen in Notenbanken immer mehr von politischen Überlegungen bestimmt wird“, sagte er zudem. Und fügte allerdings hinzu: „Das ist auch logisch, weil die politische Relevanz der Zentralbanken deutlich zugenommen hat.

Mehr: Die künftige EZB-Chefin Christine Lagarde hat kein ausgeprägtes ökonomisches Profil. Lesen Sie hier, welchen Kurs Lagarde als EZB-Chefin in der Geldpolitik einschlagen wird.

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1 Kommentar zu "EZB-Chefposten: Unorthodox, aber gut: Deutsche Ökonomen loben Christine Lagarde"

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  • Diese Vorgänge in der EU mit der Verteilung der Spitzenämter zeigt wiedereinmal ganz deutlich dass die Bürger der EU die Beute arrogannter Politiker, allen voran Macron, Merkel usw. sind. Russland, China sind demokratischer strkturiert als diese EU. Abschaffen der undemokratischen EU wie es die AfD gefordert hat besser heute als morgen.
    Eine bekennende Vertragsbrecherin und verurteilte Finanzministerin soll EZB-Chefin werden.
    - Manager magazin 20.12.16: "IWF-Chefin Christine Lagarde ist mit einem blauen Auge davongekommen, obwohl ein Pariser Gericht sie der Fahrlässigkeit in der sogenannten Tapie-Affäre um veruntreute Staatsgelder (ca. 400 Mio Euro) schuldig gesprochen hat. Das Urteil mag als salomonisch oder skandalös angesehen werden, in jedem Fall hinterlässt es viele Fragezeichen. Die Glaubwürdigkeit einer der mächtigsten Frauen der Welt ist durch den Prozess erschüttert."
    - focus Artikel von Prof Sinn: "Als französische Finanzministerin habe Lagarde 2010 gesagt, dass man „die EU-Verträge brechen musste, um den Euro zu retten“. Tatsächlich habe sie französische Banken retten wollen. Sinn wörtlich: „Jemanden, der zu Vertragsbrüchen bereit ist und eine derart nationalistische Politik macht, brauchen wir nicht an der Spitze der EU.“
    Welche Qualifikationen als Bankfachmann/frau hat sie, die sie für den Job befähigen würden? Keine, ihre Ausbildung befähigt sie in keinster Weise als EZB-Chefin.
    Ausbildung: Ein Studium in Sozialrecht am Institut d’études politiques d’Aix-en-Provence,
    Zur Vorbereitung auf das Studium an der École nationale d’administration (ENA) besuchte sie anschließend das Institut d’études politiques de Paris (auch bekannt als Sciences Po) und die Université Paris X-Nanterre. Die Aufnahmeprüfung für die ENA bestand sie nicht. Schließlich machte sie einen MA in Englisch, einen Master of Business Law (LL.M.) und ein Diplom in Arbeitsrecht an der Universität Paris X-Nanterre.
    Ja jetzt lassen die die Katze aus dem Sack, eine Straftäterin wird EZB-Chefin.

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