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EZB-Debatte über Anleihekäufe Wie viel Geld druckt Draghi?

Die EZB hat hohe Erwartungen geweckt. Die meisten Ökonomen rechnen damit, dass sie bald Staatsanleihen kauft. Doch vor der heutigen Sitzung sind entscheidende Details noch offen.  
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Auch weil die EZB Firmenanleihen kauft, sind die Zinsen niedrig. Das verleitet Unternehmen zu Übernahmeabenteuern. Quelle: Getty Images

Auch weil die EZB Firmenanleihen kauft, sind die Zinsen niedrig. Das verleitet Unternehmen zu Übernahmeabenteuern.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDer Rat der Europäischen Zentralbank tagt heute erstmals in der neuen Zentrale in Frankfurt - es könnte gleich eine historische Sitzung werden. Im Vorfeld haben mehrere einflussreiche Notenbanker die Erwartung geweckt, dass die EZB noch mehr Geld drucken wird, indem sie Anleihen ihrer Mitgliedsstaaten aufkauft. Deshalb lautet die Frage nicht mehr, ob die EZB handelt. Es geht nur noch um das Wann und Wie viel.

Die meisten Ökonomen haben eine klare Erwartung an die Notenbank: „Die EZB muss handeln, um ihr Mandat der Preisstabilität zu erfüllen,“ sagt EZB-Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Laut Mandat ist die EZB einzig dem Ziel der Preisstabilität verpflichtet. Dieses sieht sie als erfüllt an, wenn die Inflation bei knapp zwei Prozent liegt. Doch dieser Wert liegt im Moment in weiter Ferne. Im Dezember könnte die Inflationsrate nach Schätzungen von Ökonomen bis an die Nullgrenze sinken, im kommenden Jahr sogar ins Minus.

Es besteht die Gefahr, dass der Euroraum in eine Abwärtsspirale sinkender Preise gerät, die den Abbau von Schulden erschwert, die Kauflust der Verbraucher beeinträchtigt und Investitionen der Unternehmen hemmt.

EZB-Chef Mario Draghi hat sehr deutlich gemacht, dass er einer solchen Entwicklung nicht tatenlos zusehen wird. „Wir werden tun, was wir tun müssen“, sagte er am 21. November in Frankfurt. Dabei hat er bereits eine Zielmarke gesetzt. So kündigte Draghi im September an, die Bilanzsumme der EZB auf das Volumen von Anfang 2012 ausweiten zu wollen.

Im Moment summieren sich die Vermögenswerte im Euroraum auf etwa zwei Billionen Euro - vor zweieinhalb Jahren waren es noch etwa drei Billionen Euro. Sprich: Die EZB muss eine Billion Euro in die Wirtschaft pumpen. Ob sie das mit den bereits angekündigten Maßnahmen - dem Ankauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen - schafft, ist jedoch ungewiss.

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5 Kommentare zu "EZB-Debatte über Anleihekäufe: Wie viel Geld druckt Draghi?"

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  • Notwendige politische Reformen in den Schuldenländer lassen sich mit Gelddrucken nicht umsetzen. Im Gegenteil!
    Das Gelddrucken und damit der weitere Zugang der Schuldenländer zum Kapital bewirkt nur eines...EU-Deutschland wird ärmer und verschuldet sich zu gunsten der Schuldenländer weiter. Erst wenn kein Kapital mehr in die Schuldenländer über die EZB per Staatsanleihenaufkauf gepumpt wird, wird der Druck für notwendig Reformen steigen.

  • Der Maastrichter Vertrag sieht Preisstabilität bei null Prozent Inflation. Die 2 Prozent sind eine Erfindung der EZB.

  • "Inflation ist immer und überall ein MONETÄRES Phänomen." (Milton Friedman)
    Letztendlich ist es also gleichgültig, ob es zur Güterpreis- oder Assetpreis-Inflation kommt.
    Der Grund, weshalb die Vermögenspreise explodieren und eben nicht die Güterpreise, ist ganz alleine der, dass sich der größte Teil der Überschussliquidität in den Händen des Finanz- und Bankensektors befindet und ein immer kleiner werdender Teil in den Händen des Bürgertums, sodass eine allgemeine Inflation der Güter- und Dienstleistungspreise überhaupt nicht generiert werden kann. Daran sehen Sie auch, wer die AUSSCHLIESSLICHEN Nutznießer der "Zentralbankmaßnahmen" sind.
    Deflation ist dagegen immer ein STRUKTURELLES Phänomen, dass man mit monetären Maßnahmen nicht bekämpfen sondern auf lange Sicht nur noch verschlimmern kann.
    Die lange Sicht interessiert Keynesianer aber bekanntermaßen nicht im Geringsten, da wir auf lange Sicht ja sowieso alle tot sind...

  • "Es besteht die Gefahr, dass der Euroraum in eine Abwärtsspirale sinkender Preise gerät, die den Abbau von Schulden erschwert, die Kauflust der Verbraucher beeinträchtigt und Investitionen der Unternehmen hemmt."

    Ich glaube nicht, dass das überhaupt auf breiter Front diese Gefahr droht - niemand rechnet ernsthaft mit fallenden Preisen. Diese Gefahr ist nur vorgeschobenes Argument um Maßnahmen zu begründen, die vorwiegend der (kurzfristigen!) Finanzstabilität dienen, den Regierungen Zeit kaufen und zu einem gewissen Teil Mitgliedsländer wieder wettberwerbsfähig machen (sollen). Das liegt natürlich nicht unbedingt innerhalb des Mandats der EZB.

  • "Die meisten Ökonomen haben eine klare Erwartung an die Notenbank: „Die EZB muss handeln, um ihr Mandat der Preisstabilität zu erfüllen,“ sagt EZB-Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank."

    Das Problem ist, dass Staatsanleiheikäufe hier gar nichts bewirken werden. Hätten Lockerungen einen entscheidenden Einfluss gehabt, dann hätten wir den Effekt längstens bemerken müssen. Das ist nicht der Fall. Draghi soll gegen etwas ankämpfen, was gar nicht in seinem Einflussbereich liegt - er geht mit Methoden, die in Extremsituationen wie 2008 nützlich sind, gegen Symptome aus strukturellen Defiziten und hoher Verschuldung (...) vor...