EZB-Direktor „Bitcoin-Hype gefährdet Finanzstabilität“

Der Hype um Kryptowährungen könne die Finanzstabilität gefährden, warnt Yves Mersch von der EZB. Er appelliert an eine strenge Bankenaufsicht. Für mögliche Verluste einzelner Anleger sei jemand anders verantwortlich.
Update: 29.12.2017 - 18:00 Uhr Kommentieren
Es stehe „jedem frei, zu zocken“, erklärt Mersch. Mit den Konsequenzen müsse man aber auch leben. Quelle: AFP

Es stehe „jedem frei, zu zocken“, erklärt Mersch. Mit den Konsequenzen müsse man aber auch leben.

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FrankfurtEZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch sieht den rasanten Kursanstieg der umstrittenen Kryptowährung Bitcoin mit Sorge. Er hält ihn sogar für eine Gefahr für die Finanzstabilität. „Wir erleben da einen spekulativen Hype, der einem Sorge machen kann“, sagte er der „Börsen-Zeitung“. Da jetzt auch Banken in Bitcoin investierten, müsse die Bankenaufsicht genau prüfen, wie groß die eingegangenen Risiken seien.

Am meisten treibe ihn um, wenn Finanzmarktinfrastrukturen wie Börsen in dieses Geschäft einsteigen, sagte Mersch: „Das birgt große Gefahren für die Finanzstabilität.“ Mögliche Verluste einzelner Anleger seien dagegen kein Thema für die EZB: „Was den einzelnen Investor betrifft, steht es jedem frei zu zocken. Dann soll er aber bitte, wenn etwas schief gelaufen ist, auch nicht zu uns kommen und sagen, wir hätten das verbieten und ihn vor sich selbst schützen müssen.“

Der EZB-Funktionär warnte weiterhin vor einem zu späten und zu langsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik im Euroraum. Die EZB müsse zwar bei der Normalisierung der Geldpolitik schrittweise vorgehen, zugleich müsse sie aber auch sehr genau aufpassen, nicht zu zaghaft zu agieren. Die Notenbank habe die geldpolitische Wende vor einem Jahr eingeläutet, als sie erstmals das Anleihe-Kaufprogramm reduziert hatte.

Die Käufe wurden zuletzt bis mindestens September 2018 verlängert. Ein explizites Enddatum wurde nicht gesetzt. Mersch versetzte Hoffnungen, dass die EZB nach September Anleihen erwerben könnte, einen Dämpfer. Im EZB-Rat sei die Zuversicht gestiegen, dass sich die Inflation in Richtung des Ziels von unter, aber nahe zwei Prozent bewege. „Je größer die Zuversicht in das Erreichen unseres Ziels wird, desto mehr tendiert die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen Ausweitung des Kaufprogramms Richtung null.” Kurzfristig gebe es „sogar eher Aufwärtsrisiken für Wachstum und Inflation” im Euroraum.

Mersch, der im EZB-Direktorium für Bargeld und Zahlungsverkehr zuständig ist, stellte sich zudem gegen Hoffnungen, dass die 500-Euro-Banknote, die die EZB ab 2018 nicht mehr ausgeben wird, in späteren Jahren ein Comeback feiern könne. „Es besteht wenig Hoffnung, dass wir die Produktion wieder aufnehmen. Man sollte nicht versuchen, die Geschichte zurückzudrehen.“

  • dpa
  • rtr
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