EZB entscheidet am Mittag „Zinssenkungen verpuffen“

Die EZB dürfte die Zinsen heute noch weiter drücken. Die Märkte rechnen fest mit mehr billigem Geld. Doch was würde das bringen? Fast gar nichts, meint Ökonom Holger Schmieding - und fordert ganz andere Maßnahmen.
  • Holger Schmieding
45 Kommentare
Der Ökonom Holger Schmieding sieht keinen Nutzen in weiteren Zinssenkungen.

Der Ökonom Holger Schmieding sieht keinen Nutzen in weiteren Zinssenkungen.

HamburgSo billig war das Geld noch nie. Selbst Italien zahlt für kurzlaufende Staatsanleihen heute niedrigere Zinsen als je zuvor. Eine erneute Leitzinssenkung hätte kaum einen Nutzen. Besser wäre es, die Europäische Zentralbank würde gezielt und energisch gegen die Kreditklemme für mittelständische Unternehmen an der Euro-Peripherie vorgehen.

Allerdings würde ein noch niedriger Leitzins auch keinen großen Schaden anrichten. Weder in Deutschland noch andernorts in der Eurozone drohen uns auf absehbare Zeit ein nennenswerter Geldwertschwund oder eine gefährliche Blase an den Vermögensmärkten. Deshalb gibt es auch keinen Grund, allzu lautstark gegen den sich abzeichnenden Zinsschritt der EZB zu protestieren.

In der besonderen Situation der Eurozone spielt die genaue Höhe des EZB-Leitzinses keine große Rolle. Dies zeigt sich im Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre. Im Sommer 2011 löste der Beschluss über einen griechischen Schuldenschnitt eine massive Kapitalflucht aus Spanien und Italien nach Kerneuropa und in die Schweiz aus. In den anschließenden Finanzmarktturbulenzen ging selbst die deutsche Konjunktur in die Knie. Von der Hochkonjunktur der ersten Jahreshälfte 2011 rutschte Deutschland bis zum Herbst 2012 an den Rand einer Rezession.

Obwohl die EZB ihren Leitzins auf nur noch 0,75 Prozent senkte und zudem Anfang 2012 die Banken mit Dreijahresliquidität flutete, verpuffte diese traditionelle Geldpolitik nahezu wirkungslos. An der Peripherie lähmten die grassierende Kapitalflucht sowie die scharfe Sparpolitik die Wirtschaft. Und obwohl in Deutschland Unternehmen sich außerordentlich günstig finanzieren konnten, gingen auch hier die Investitionen zurück. Die Unternehmen hatten angesichts der Euro-Turbulenzen zu viel Angst vor der Zukunft, um das günstige Kreditangebot zu nutzen.

Im Juli 2012 hat die EZB mit einem überfälligen Machtwort klargestellt, dass sie keinen Selbstmord begehen wird, sondern stattdessen alle Reformstaaten im Euro halten wird, die sich den letztlich vom Deutschen Bundestag gesetzten Bedingungen fügen. Seitdem hat sich die Lage erheblich beruhigt. Dies war der entscheidende geldpolitische Schritt, den die Eurozone brauchte.

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45 Kommentare zu "EZB entscheidet am Mittag: „Zinssenkungen verpuffen“"

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  • "Viel würde ein noch niedriger Leitzins also nicht nutzen. Aber schaden würde er auch nicht." na, bei so kleinen Zinsschritten kann man ja auch keine Wunder erwarten. Aber wenn es z.Z. nicht notwendig ist bzw. man sich nicht viel davon verspricht den Leitzins zu senken sollte man es auch nicht machen. Motto : man sollte sein Pulver nicht zu früh verschiessen. Das Problem sieht man doch in den USA, bei der FED : Leitzinsen zwischen 0 - 0,25% , und das schon seit Jahren !! Die haben da eben keinen Spielraum mehr - und trotz der Geldflutung (oder gerade wegen) bekommt man die Probleme nicht wirklich in den Griff .
    Selbstverständlich sind mir die letzten "Erfolgsmeldungen"
    auch bekannt. Aber wer glaubt noch an eine nachhaltige
    Gesundung ? Die vielen Arbeitslosen und Food-stamp -Empfänger wohl immer weniger. Die Amis sind schon gute
    Geschäftsleute - aber auch Blender ... .

  • Ob man eine "Griechenland-Rettung" so genau von einer Banken-Rettung trennen kann, weiß ich nicht. Aber jedefalls sind in Griechenland noch Strukturen, welche von Europapolitiker argwöhnisch beäugt werden. Das Menschen systemisch hungern, ist eine Katastrophe, was hätte die ECB tun sollen um das zu vermeiden?? Abdanken? Oder weiter gegen die Irrlichter in der Hochfinanz angehen !? Letzteres, oder?

  • @Zeitwende
    Sicher, Ihr ist Einwand hier bei mir Angekommen...
    {}
    Aber schauen Sie doch mal über den Tellerrand EU - Was dort abgeht müsste Ihnen dann wohl die Sprache verschlagen...
    Das Geld der EU (von uns Steuerzahlern wohlgemerkt) war eben knapp bemessen..sry :)

  • @ Shadhajuuhpioky

    Kinder hungern bereits in Griechenland.
    Einfach mal nach "Griechenland hunger" suchen
    oder hier:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article114430742/Griechische-Schueler-werden-vor-Hunger-ohnmaechtig.html

    Es ist eben keine Griechenland-Rettung, sondern eine Banken-"Rettung". (In Wirklichkeit ist es ein Vorwand zur Enteignung des Mittelstands in den Geberländern.
    50 % der Deutschen halten 1 % der Vermögen,
    10 % der Deutschen halten gut 60 % der Vermögen.
    Den 40 % dazwischen, denen gehts jetzt an den Kragen, alternativlos versteht sich.

  • @ Marcopolo

    keine Anlagen, die auf Euro oder anderes Papiergeld lauten.
    Also dann besser Aktien.
    Aber auch da wissen sie nicht, ob der nächste Lastenausgleich statt Immobilien diesmal auch Aktien betrifft. Deshalb kommen m.E. nur anonyme (!) Sachwerte in Frage.

  • Sie können immer noch in gute dt. Unternehmensanleihen gehen,auch wenn gute durch Draghi´s Niedrigzins,weg gehen wie warme Semmeln.
    Auf jeden Fall sicherer als Aktien.

  • Wir kommen von 4,25% in 08.Jetzt 0,5%.Was soll jetzt noch kommen? Die Zinssenkungen kommen im Süden gar nicht an.Für deren Sparer gut -für unsere Sparer schlecht-denn nur weniger als 10% der Deutschen besitzen Aktien bzw.Aktienfonds.

  • "Es gibt keine Märkte, es gibt nur private Banken mit ihrem Geldmonopol und ihrem Schuldgeldsystem!

    Das Zentralbankgeld geht “billig” an die Privatbanken diese geben es “teuer” per Kredit weiter an die Menschen!"

    Die beste und prägnanteste Darstellung.
    Durch die Schuldensättigung ist das legalisierte Pyramidensystem am Ende angelangt. Jetzt geht es den Betreibern und ihren Politdarstellern darum, daß sie es irgendwie am Laufen halten, d.h. das Stimmvieh dazu bringen, sich irgendwie noch mehr zu verschulden, während man jenen, welche genügsam und sparsam waren und nicht auf Pump in Saus und Braus gelebt haben, ihre Ersparnisse langsam zu enteignen, ohne daß diese es merken und nach einem Hitler verlangen, der damit aufräumt.

  • “Die Märkte rechnen fest mit mehr billigem Geld.
    Doch was würde das bringen?
    Fast gar nichts, meint der Ökonom Holger Schmieding.”

    Richtig!

    Warum haben wir eine Krise?

    Weil die Menschen kein Geld haben!

    ”Die Märkte rechnen fest mit mehr billigem Geld”

    Es gibt keine Märkte, es gibt nur private Banken mit ihrem Geldmonopol und ihrem Schuldgeldsystem!

    Das Zentralbankgeld geht “billig” an die Privatbanken diese geben es “teuer” per Kredit weiter an die Menschen!

    Wenn sich kein Mensch (Natürliche Person, Juristische Person, Staat) verschuldet kommt das Geld bei den Menschen nicht an!

    Zur Zeit werden wir alle (Bürger, Unternehmen, Staat) gezwungen privates Fiatgeld zu nutzen!
    Privatbanken haben das Geldmonopol.

    Um an dieses Geld zu kommen müssen wir uns alle bei privaten Banken bzw. deren Eigentümer verschulden!

    Präsident Kennedy unterzeichnete am 4. Juni 1963 ein präsidiales Dokument die"executive order number 11110". Dieser präsidiale Beschluss ermächtigte den Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Herstellung von Banknoten wieder in die Gewalt des Staates zurückzubringen!
    Weg vom Schuldgeld der privaten FED die damit die ganze Welt verschuldet/versklavt!

    Kongressdokumente, die erst kürzlich ans Tageslicht gekommen sind, beweisen, dass Präsident Kennedy sogar schon damit begonnen hatte, das neue Staatsgeld unter der Bezeichnung "United States Notes" drucken zu lassen und in Umlauf zu bringen. Immerhin 4 Milliarden Dollar sind noch zu seinen Lebzeiten der Geldzirkulation zugeführt worden.

    Als Kennedy ermordet wurde, wurden die neuen Staats-Dollar-Scheine unmittelbar nach dem Attentat von den zwölf Privatbanken, aus denen sich die amerikanische Notenbank zusammensetzt, restlos vernichtet.

    Heute gibt es nur noch private FED-Dollar.

    Das amerikanische Volk und die übrige Welt erfuhren nichts davon.

    Warum erfahren wir nichts darüber in den Mainstreammedien

    Wer steht hinter den Mainstreammedien?

  • @Marco99
    bisschen der Inhalt aber besonders die Rhetorik: Geil =)

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