EZB-Liveblog 1.140.000.000.000 Euro

Die EZB kauft bis September 2016 monatlich 60 Milliarden Euro an Anleihen. Die Börsen jubeln. Der Euro bricht ein. Staatsanleihen aus Krisenländern erreichen historische Tiefwerte. Draghis Pressekonferenz zum Nachlesen.
Update: 22.01.2015 - 17:24 Uhr 61 Kommentare
EZB-Chef Mario Draghi verteidigt die Anleihekäufe vor der Presse. Quelle: dpa

EZB-Chef Mario Draghi verteidigt die Anleihekäufe vor der Presse.

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FrankfurtLange hat EZB-Chef Mario Draghi über den möglichen Kauf von Staatsanleihen spekuliert. Heute hat er den Worten Taten folgen lassen: Draghis Pressekonferenz offenbart einen Milliardenankauf von Staatsanleihen. Monatlich soll die EZB ab März bis Ende September 2016 rund 60 Milliarden monatlich investieren – ein Rekord. Draghis Pressekonferenz und Reaktionen im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Samaras: Griechenland droht Ausschluss +++
Griechenland droht nach den Worten von Ministerpräsident Antonis Samaras ein Ausschluss aus dem gerade beschlossenen massiven Anleihenkaufprogramm (QE) der Europäischen Zentralbank (EZB). Ohne einen Abschluss der Prüfmission der Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF), bei der diese die Reformfortschritte auf Basis der getroffenen Zusagen unter die Lupe nimmt, werde Griechenland nicht von dem EZB-Programm erfasst, sagte Samaras am Donnerstag in Athen. „Die heutige Entscheidung der EZB macht deutlich, dass wir ohne einen Abschluss der Prüfaktion .... ausgeschlossen werden.“

+++ Bundesanleihen drehen ins Plus +++
Zehnjährige deutsche Bundesanleihen haben am Donnerstag nach der Ankündigung der EZB, ein Anleihekaufprogramm im Umfang von 60 Mrd. Euro pro Monat aufzulegen, ihre vorherigen Verluste ausgeglichen und Kursgewinne verzeichnet. Zuletzt lag die Rendite der deutschen Papiere mit 0,46 Prozent sieben Basispunkte unter Vortag. Der Bund-Future notierte mit 157,59 Prozent 78 Basispunkte höher. Die Rendite zehnjähriger US- Treasuries, die zunächst ebenfalls gefallen war, lag zuletzt mit 1,88 Prozent wieder einen Basispunkt über Vortag.

+++ Staatsanleihen einiger Krisenländer auf Rekordtief +++
Die Renditen für Staatsanleihen der Euroländer Frankreich, Spanien und Italien sind nach der Verkündung des milliardenschweren Ankaufprogramms der EZB auf ihren bislang niedrigsten Stand gefallen. Staatsanleihen dieser Länder mit zehnjähriger Laufzeit wurden von Investoren stark nachgefragt, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstagnachmittag das Ankaufprogramm verkündet hatte.

+++ EZB-Anleihenkauf beflügelt New Yorker Börse +++
Nach der Verkündung des milliardenschweren Ankaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Börsen an der New Yorker Wall Street nach oben gedreht. Der Leitindex Dow Jones, in dem 30 der wichtigsten US-Unternehmen aufgeführt werden, legte in den Minuten nach der Ankündigung am Donnerstag um 62,42 Punkte auf 17.616 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 6,07 Punkte auf 2038 Punkte, der Technologieindex Nasdaq gewann 10,72 Punkte dazu und lag bei 4668.

+++ Draghi teilt die Haftung auf +++
Die EZB wird bei ihren Anleihenkäufen nur einen kleinen Teil der Risiken innerhalb der Währungszone verteilen. Eine gemeinsame Risikohaftung werde es nur bei Wertpapieren europäischer Institutionen geben, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Solche Anleihen, zu denen etwa Papiere der Europäischen Investitionsbank zählen könnten, sollen zwölf Prozent der gesamten Käufe ausmachen. Staatsanleihenkäufe sollen sich nach dem Anteil der Euroländer am EZB-Kapital auf die einzelnen Länder verteilen. Damit wird die EZB vor allem Staatsanleihen von Deutschland, gefolgt von Frankreich und Italien kaufen.

+++ Euro bricht nach EZB-Entscheid ein +++
Der Euro hat am Donnerstag während der Pressekonferenz von Mario Draghi nachgegeben. Der EZB-Präsident hatte ein Anleihekaufprogramm im Umfang von 60 Mrd. Euro bis September 2016 angekündigt. Die Gemeinschaftswährung notierte um 15:15 Uhr MEZ 1,1 Prozent unter Vortag bei 1,1481 Dollar. „Das ist umfangreicher als erwartet in Bezug auf Größe und Dauer“, sage Neil Jones von Mizuho Bank Ltd. in London. „Die Maßnahmen von heute werden den Abwärtsdruck auf den Wert des Euro aufrechterhalten.“

+++ Bereits 219 Milliarden Euro EZB-Staatsanleihen +++
Laut eigenen Angaben hat die EZB in der Spitze bereits Staatsanleihen für 219 Milliarden gehalten. Im Dezember waren es noch 143,9 Milliarden.


+++ ARD sendet Brennpunkt +++
„Die ARD sendet heute um 20.15 Uhr einen Brennpunkt zum Thema. Der Titel „Milliardenflut der EZB: Rettung oder Ruin?“

+++ Banken kritisieren EZB-Entscheid +++
Die großen deutschen Bankenverbände halten das EZB-Vorgehen für übertrieben. „Ich kann auf breiter Front keine wirklichen Deflationsgefahren erkennen, die es zu bekämpfen gilt“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Durch den Aufkauf von Staatsanleihen setze sich die Notenbank zudem immer mehr der Gefahr aus, neben der Geldpolitik auch Fiskalpoltik zu betreiben. „Damit setzt sie ihre Unabhängigkeit aufs Spiel.“ Fahrenschon fürchtet wie andere Politiker und Banker in Deutschland, dass durch das Vorgehen der EZB der Druck auf schwächelnde südeuropäische Länder sinkt, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen zu stärken.

+++ Deutsche Versicherer kritisieren Draghi +++
„Der Schritt der EZB ist eine Zumutung“, sagte Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbands GDV. Es sei ungewiss, ob das Programm wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhofft zu mehr Investitionen und steigenden Preisen führe. „Sicher ist hingegen, dass weiterer Schaden für die Sparkultur in Deutschland angerichtet wird", erklärte Erdland. "Denn das Ankaufprogramm verstärkt den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere, die eine Säule der privaten Altersvorsorge sind.“

+++Einstimmigkeit über Rechtmäßigkeit +++
Der EZB-Rat sei einstimmig der Auffassung gewesen, dass Anleihekäufe als geldpolitisches Instrument durch das Mandat der EZB gedeckt seien, sagte Draghi. „Der Rat ist einstimmig der Meinung, dass es sich bei den Wertpapierkäufen um ein gewöhnliches Instrument der Geldpolitik handelt.“ Für das beschlossene Anleihekauf-Programm habe es zwar keine einstimmige Zustimmung gegeben. Die Mehrheit sei aber so groß gewesen, dass man nicht habe abstimmen müssen. Auch über die gefundene Lösung zur Haftung für Verluste habe es Konsens gegeben.

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61 Kommentare zu "EZB-Liveblog: 1.140.000.000.000 Euro"

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  • Der Euro ist jetzt mit 1,13 so hoch bewertet,wie Anfang Mai 2003.Damals,der ungerechte Irakkrieg 2003 war gerade beendet,verkauften viele Anleger den Dollar und kauften dafür den Euro.Der Grund war simpel:Die Anleger wollten die Amerikaner für den ungerechten Krieg im Irak bestrafen.Vor allem Anleger aus Europa,dem Nahen Osten und Russland handeln nach dieser Devise.Nun- das ist längst vergessen.Jetzt zählen wieder Fakten.Der Euro wird weiter verlieren.

  • Alles gegen das BVerfG gerichtete Maßnahmen, die aktuell von Gauweiler bereits dort erneut beklagt werden.

    Zwar wirkt das BverfG nicht über Deutschland hinaus, jedoch ist die Regierung gebunden, seiner Auslegung der Verfassung Folge zu leisten.
    So bleibt angesichts der Ignoranz des Draghi allein der Austritt aus dem Euro-Währungssystem.
    Nun endlich weiß Merkel, was zu tun wäre - wurde auch Zeit.

    Nebenbei ist die Risikoteilung ein billiger Theatertrick, der nicht funktioniert. Aber mit den dummen Europäern kann man es machen.
    Natürlich haftet nach dem Schlüssel der Gewährträgerschaft jeder mit seinem Anteil - da kann intern von Draghi und seinem Rat der Komiker vereinbart werden, was will.

  • Warum regen wir uns auf? Das versteckte Motiv der Einführung des Euro war doch sowas wie der Länderfinanzausgleich in der BRD! Da spielte sich vor Jahren ab, was jetzt auf euopäischer Ebener kommen wird.
    Das Land Bremen (nicht nur) ist das Griechenland der BRD. Das BVerG (der EuGH gibt Draghi einen Freibrief) verpflichtet Mitte der Neunziger Jahre den Rest der Republik zu Sonderzahlungen an Bremen. Ergebnis: Bremen hat die Chance nicht genutzt zu Schuldenabbau, sondern sich noch zusätzlich verschuldet (Die Griechen wollen wieder Geld geschenkt haben). Und wie in Europa gibt es auch bei uns solche Kandidaten in der Warteschlange. Was hier wohl nicht passieren wird, wird in Europa passieren: Die europäische Idee wird durch den Euro scheitern. - Aber der deutsche Wähler, bar jeglicher wirtschaftlicher Kompetenz, hat es so gewollt. Vielleicht dämmert dem Michel, dass alle Koalitonen von schwarz-gelb über rot-grün bis schwarz-rot den Nutzen des deutschen Volkes nicht gemehrt haben. - Aber was ist schon ein Eid...

  • @ Herr Cal Andersen

    >> Immerhin geht er für uns alle vor´s BVerfG. >>

    Vor's BVerfG zu gehen ist verlorene Zeit.

    Man muss dort auch seine Ziele erreichen.

    Das kann Gauweiler nicht....und will es auch nicht.

    Vor dem BVerfG müssen Geschütze auffahren, die auch treffen.

    Teilzunehmen ist nur bei Olympia wichtig.

  • -Spanien, Frankreich, Portugal und Italien werden zukünftig weiter sparen müssen und das ist auch nicht für die Nachfragen optimal und Unternehmen investieren wenn sie Ihre Produkte auch absetzten können. Ohne Absatz keine Investition!

    -Ich bin Baujahr 68, keine Nachfrage habe alles und bin glücklich

    Ich glaube ich habe die Probleme etwas umrissen und beschrieben, die auch Herr Draghi nicht ändern wird und kann. Er kann nur Zeit kaufen mehr nicht, der Euroverfall wird kommen und ich nehme schon mal Wetten an.
    Ich wünsche allen Pegidaanhänger auf ihren Demos viel Erfolg, lasst uns kämpfen für mehr Demokratie. Mit dem Diktat einer Minderheit aus Bundestag und EU-Parlament muss endlich Schuss sein und ich habe schon zu DDR – Zeiten gesehen wie Wahlen laufen, die FDP wurde für eine große Koalition geopfert für TTIP, Ceta, Eurobond = Draghi.
    MfG

  • Das Inflationsziel wird Draghi nie erreichen, höchsten eine Megablase an den Börsen und wie immer drängen Blasen zum platzten. 2000, 2008 und diese wird nur durch die FED und EZB am platzten behindert, aber wenn die platzt war der Urknall nur ein leises rauschen.

    Der Mann hat soviel Hirn wie das Eigelb eines Ei, damit steht er auf derselben Stufe wie unsere Bundesregierung.

    Stellt sich keiner mehr die Frage WIESO - WESHALB – WARUM?

    Wieso brauchen wir Zuwanderung?

    Antwort: 40 Jahre falsche Familienpolitik. Einfach oder

    Wieso ist die Krise 2008 entstanden?

    Antwort: Wer Schulden handelt die verkauft, neu bündelt und wieder verkauft braucht sich nicht wundern wenn man auf die Fresse fliegt.

    Ich habe nie verstanden wer so blöd ist und Schulden kauft.

    Wieso wird Draghi das Inflationsziel nie erreichen?

    Anwort: Die ist etwas ausführlicher.

    -Praktikanten haben noch nichtmal eine Familienplanung wie soll da eine Nachfrage bestehen

    -Subunternehmer keine Nachfrage

    -Subunternehmer und deren Subunternehmer keine Nachfrage

    -Subunternehmer und deren Subunternehmer und deren Subunternehmer keine Nachfrage

    -Aufstocker = Minijobber oder 1 Euro Jobs oder auf 400 Euro keine Nachfrage

    -Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen keine Nachfrage, keine Planung möglich

    -Ausländer Asylbewerber keine Nachfrage, wenn in Arbeit wird das Geld nach Hause geschickt

    -Hartz4 Empfänger keine Nachfrage

    -Bedarfsgemeinschaften keine Nachfrage

    -Rentner zur Zeit noch wird sich aber ändern und dann auch keine Nachfrage

    - Griechenland im Schrumpfmodus, Wirtschaft liegt am Boden, keine Nachfrage

    -Mit Russland könnten wir noch mehr Probleme bekommen und könnte auch die Lunte am Fass sein, Megacrash

    -35% Selbständige keine Nachfrage, es bleibt gerade mal so viel das man Leben kann. Vorsorge fürs alter ist nicht möglich

    -Der Mindestlohn ist lächerlich, zu DDR Zeiten wäre ich nicht für 10 Mark aufgestanden

    -es geht weiter

  • Die EZB kauft bis September 2016 monatlich 60 Milliarden Euro an Anleihen. Die Börsen jubeln. Der Euro bricht ein.

    --------------------------------------------------------

    SCHULDEN...SCHULDEN...und NOCHMALS SCHULDEN...

    die SCHULDEN BEZAHLT IMMER DAS VOLK !!!

    Die MAUERN um die EU...

    dienen irgendwann wie in der DDR...

    die Europäer darin zu verhaften...

    damit keiner sich der Neue Menschenausnutzungen entziehen

    kann !!!!!






  • @ Herrn Schmidt

    Sehr nett geschrieben. Erhöht aber Deutschland die Löhne so, dass unsere Leistungsbilanz zum Ausgleich kommt, können wir unser Wachstumsmodell Exportüberschüsse nicht mehr fahren. Das heisst wir hätten ceteris paribus die gleich hohe Arbeitslosigkeit wie in Griechenland.

  • Es ist doch "inflationswirksam": und zwar vor allem "assetinflationswirksam", wie Sie doch insbesondere an den (hochgepushten) Aktienmärkten hervorragend sehen können.
    http://www.macroanalyst.de/afc-5-asset-inflation.htm

  • Um inflationswirksam zu sein wurde von Ökonomen doch von 2.3 Billionen EURO Ankäufen von Staatsanleihen gesprochen.
    Die Summe von 1.140.000.000.000 Billionen EURO wäre da etwa die Hälfte der vorgesehenen Summe.
    Man denkt mit Wehmut an die Zeiten zurück als ein Bundeswirtschaftsminister Stoltenberg gefragt wurde : "Herr Minister, wie viel Nullen hat 1 Milliarde".
    Die Antwort des Ministers :"Fragen sie nicht so was Schweres"
    Es ist nun erkennbar warum die SNB "Kalte Füße" bekommen hat.
    Fazit : Zum Trost zirkulieren diese Zahlen nur im Computer und müssen nicht auf Papier gedruckt werden, anderenfalls drohte Europa ein Kahlschlag wie auf der Osterinsel !!
    Die Aktienmärkte freuen sich, insbesondere auch, weil eine neue "Bewertungsmethode" für Aktien von nobelpreisverdächtigen Ökonomen entwickelt wurde :
    Das BIP !! Der kapitalisierte Wert aller US-amerikanischen börsennotierten Unternehmen liegt bei ca. 110 % des BIP. In Europa nur bei ca. 40%. Da gibt es im DAX noch enormes Steigerungspotential !! Herr Draghi liefert nun den Stoff dazu. Wohl bekomms !

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