EZB-Präsident Draghi prophezeit weiter niedrige Zinsen

Mario Draghi hält an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank fest. Im Handelsblatt-Interview spricht der EZB-Präsident über Preisstabilität, den Kauf von Staatsanleihen – und seine politischen Ambitionen.
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EZB-Präsident Mario Draghi fordert von den Staaten der Euro-Zone Strukturreformen. Quelle: Bert Bostelmann / bildfolio für Handelsblatt

EZB-Präsident Mario Draghi fordert von den Staaten der Euro-Zone Strukturreformen.

(Foto: Bert Bostelmann / bildfolio für Handelsblatt)

FrankfurtDer Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sieht die Zinsen in der Euro-Zone noch für einen längeren Zeitraum auf einem niedrigen Niveau. „Die Zinsen sind seit langem sehr, sehr niedrig – und das wird wahrscheinlich noch eine Zeit so bleiben“, sagte Draghi im Interview mit dem Handelsblatt (hier finden Sie das gesamte Interview zum Download). Die EZB halte die Zinsen niedrig, um die Wirtschaft zu stimulieren und Preisstabilität zu erreichen.

Vehement fordert Draghi die europäischen Regierungschefs auf, wirksame Strukturreformen umzusetzen. „Der Dreiklang aus Reformschwäche, Bürokratie und Steuerlast behindert Europas Erholung. Wenn wir das nicht lösen, bleibt unser Wachstum schwach“, sagte der EZB-Präsident. Europa habe die höchste Steuerlast in der ganzen Welt. Das sei ein „schwerer Wettbewerbsnachteil“. Draghi betonte, dass „alle“ Länder der Euro-Zone mehr tun müssten, auch Deutschland.

Konkret forderte er, die Ausgaben für Investitionen, vor allem in Forschung, Bildung und die digitale Agenda, zu erhöhen. „Andere Ausgaben und auch die Steuern sollten reduziert werden“, mahnte Draghi.

Für den Euro-Raum besteht weiter die Gefahr, in eine Abwärtsspirale sinkender Preise zu geraten, die den Abbau von Schulden erschwert, die Kauflust der Verbraucher beeinträchtigt und Investitionen der Unternehmen hemmt.

EZB-Präsident Draghi deutete im Handelsblatt-Interview an, dass die Zentralbank daher schon bald mit dem Kauf von Staatsanleihen beginnen könnte. „Das Risiko, das wir unser Mandat der Preisstabilität nicht erfüllen, ist höher als vor sechs Monaten“, sagte Draghi. Die EZB sei deshalb in technischen Vorbereitungen, „um Umfang, Tempo und Zusammensetzung unserer Maßnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden, um auf eine lange Periode zu niedriger Inflation zu reagieren“.

Mit Blick auf die anstehenden Neuwahlen in Griechenland sagte Draghi: „Jetzt müssen die griechischen Wähler über die zukünftige Zusammensetzung des Parlamentes und der Regierung entscheiden.“ Die Neuwahl musste ausgerufen werden, nachdem der Kandidat der Regierung für das Präsidentenamt, der konservative ehemalige EU-Kommissar Stavros Dimas, im Parlament auch im dritten Anlauf nicht die erforderliche Mehrheit erhalten hatte. In Umfragen für die Parlamentswahl liegt die radikale Linke von Alexis Tsipras vorn.

Draghi selbst schließt einen Wechsel in die Politik, beispielsweise als Nachfolger des italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano, aus: „Ich will kein Politiker sein. Mein Mandat als EZB-Präsident dauert bis zum Jahr 2019“, sagte er.

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21 Kommentare zu "EZB-Präsident: Draghi prophezeit weiter niedrige Zinsen"

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  • Das ist Marktwirtschaft!

    Es gibt zuviel Geld/Kapital in Folge dessen besteht keine Notwendigkeit für die Staaten hohe Zinsen zu zahlen. Besser als niedrige Zinsen - die das Geld in den Wirtschaftskreislauf locken sollen - wären höhere Steuern, damit die Staaten endlich wieder agieren könnten und Strassen, Schulen oder das Gesundheitsystem verbessern könnten.
    Wenn man noch das Rentensystem gerecht auf alle Schultern verteilen würde, könnte man sich das Risiko sparen die Rente auf dem Kapitalmarkt zu investieren und die Zinsen der Zentralbank wären den meisten Bürgern Schnuppe, da er sein Geld einfach ausgibt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @Herr Konstantin Lewe

    Zitat: "Immer mehr fossile Brennstoffe werden von Menschen
    verbrannt aber es gibt nicht immer mehr Pflanzen die
    das auchgleichen können also steigt nach Adam Riese
    der CO2-Gehalt in der Luft "

    Haben Sie schon mal darüber nachgedacht wo das CO2 war bevor es sich als Baum, Öl oder ähnlichen zum Verbrennen eignete?? Ja - richtig! Es war in der Luft!

    Das gesamte CO2 war bevor es heute verbrannt wird vor vielen, vielen Jahren in der Luft.

    Sie wollen nicht die Natur retten - denn die Natur bedeutet Wandel! Sie möchten den Augenblick retten - den aktuellen Stand einfrieren - weil es Ihnen jetzt gut geht.

  • @Konstantin Lewe
    Fragt sich nur, er von uns beiden der Gläubige ist.
    Fakt ist, dass wir noch hunderte von Jahren Oel, Gas und Kohle in Überfluss haben. Das CO2 ein überlebenswichtige Gas ist. Denn im Kreislauf des Leben wird CO2 für die Basis unserer Sauerstoffherstellung via Pflanzen dringenst benötigt.
    Pflanzenwachstum und damit Nahrungspflanzenanbau wird mit hohen CO2 Werten besser und mehr an Pflanzenmasse produziert.
    Uran und Thorium ist als Energieträger noch einige Millionen von Jahren für uns Menschen vorhanden. Und das langt locker für uns ALLE -ohne auf unseren energiebasierenden Wohlstand und damit auf unsere Zukunft in einer armutsfreien Welt zu bauen. Danke!

  • niedrige Zinsen kann er leicht prophezeien, er legt sie ja selber fest. Solange ihn keiner bremst, wird er weiterhin die Südstaaten z.L. deutscher Steuerzahler finanzieren. Kein Politiker in Europa läst erkennen, dass er ihn bremsen will, auch wenn die Staatsfinanzierung durch die EZB illegal ist. Wie lange das noch gut geht, ist eine gute Frage. Derzeit haben wir noch keine Währungskrise, nur eine Finanzkrise (ist nicht vorbei) und eine Staatsschuldenkrise. M.E. werden wir aber mittelfristig auf eine Währungskrise hin steuern.

  • Sie glauben ernsthaft, dass ein Draghi, eine Frau Merkel, eine Familie Springer, Quandt etc. verhungern muss, wenn der Euro scheitern sollte?

    Es ist doch bereits alles angerichtet. Eine immer kleiner werdende reiche Gruppe lässt eine immer größer werdende Gruppe für ihre Zinsen und Dividenden arbeiten. Davon baut man sich Gated Developments, eigene Unis, Schulen, Krankenhäuser etc.

    Bei der Stange gehalten, wird das arbeitende Volk mit der Möhre "Du kannst auch dazu gehören", wenn Du nur hart genug (für uns) arbeitest.

    Und wenn es doch mal ungemütlich wird, dann wir mittels der eigenen Medien eben ein Feindbild kreiert (aktuell eben die Flüchtlinge und Einwanderer, dann wieder die "Alten", die alles belasten, "der Russe" etc).

    Auch aus der nächsten Krise werden einige noch reicher und noch mächtiger hervorgehen.

  • H. Draghi und seine Komplizen in Brüssel und in Deutschland machen auch 2015 unbeirrt weiter, weil kein Politiker diese Wirtschaftsgangster und Sparvermögenvernichter bremst oder bremsen will.
    Daher gilt auch für 2015 das Zitat von Jared Diamond
    aus dem Buch "Kollaps":
    Am Ende jedoch standen die Häuptlinge ohne Gefolgsleute da.
    Das letzte Recht, das sie für sich selbst in Anspruch nehmen konnten, war das Recht,
    als Letzte zu verhungern.
    Na, dann mal los.......

  • Der Bundestzag sagte im Jahr 2001 : Der Euro entspricht 1 DM. Überrascht? Wie sonstz ist zu erklären, dass der Bundestag seine Gehälter (Diäten) 1:1 von Dm zu Euro umtauschte, während alle anderen Bürger ihr Guthabenim Nennwert halbiert bekamen?
    Noch 20 Jahre früher war der Dollar gut für 2,50 DM also 2,50€ = 1 Dollar (nach Bundestags Schema).
    Doch zu jener Zeit waren die USA mehr als doppelt so günstig wie heute. Man erhielt zum Beispiel ein Roundtrip Flugticket von NewYork zur Ostküste und zurück mit beliebig vielen Unterbrechungen für 99 Dollar. Da man heute mehr als das 10 fache dafür bezahlen muss, ist die Abwertung des Euro bis zur Gleichstellung zum Dollar eine nicht legitime kalte Enteignung. Sie trifft wie üblich die Mittel- und Unterschicht.

  • Glauben können Sie in der Kirche.

    Die Zahlen lügen nicht.
    Denken Sie doch mal nach.
    Immer mehr fossile Brennstoffe werden von Menschen
    verbrannt aber es gibt nicht immer mehr Pflanzen die
    das auchgleichen können also steigt nach Adam Riese
    der CO2-Gehalt in der Luft diesen können Sie gerne
    persönlich ausmessen.

    Und wer viele Schulden hat dem helfen wenig Zinsen in
    jedem Fall weiter. Wieder ein einfacher mathematischen
    Zusammenhang.

    Weniger Leitzinsen = weniger Zinsen für Schulden und neue
    Schulden.

  • "Draghi plündert die Altersvorsorge der Deutschen zusehens und die Regierung schiebt den Versicherern Milliarden von Euros aus Lebensversicherungsverträgen der Versicherten zu deren Überleben hinüber."

    Das ist so nicht korrekt. Wenn überhaupt, dann plündert die Bundesregierung die Rentenkasse, um andere Dinge zu finanzieren. Es gibt zudem kein Grundrecht auf Zinsen (aus einer Lebensversicherung). Juckt die amerikanische oder britische Mittelschicht überhaupt nicht, da die Altersvorsorge über Aktien (steuerlich gefördert) betrieben wird.

    Außerdem wäre es vermessen ein würdevolles Altern nur auf den finanziellen Aspekt zu reduzieren. Befassen Sie sich mal mit Studien zu dem Thema. Das weitaus größere Problem sind negative Stereotype den "Alten" gegenüber, mangelnde Bereitschaft seitens der Industrie ältere Arbeitnehmer auch im hohen Alter noch im Betrieb zu beschäftigen, Einbindung älterer Mitbürger in das gesellschaftliche Leben etc. Dieses Fehlverhalten kann man Draghi nicht vorwerfen. Das geht aufs Konto der Politgrößen Nahles, von der Leyen, Kristina Köhler (Schröder) etc.

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