EZB-Rat Österreichs Notenbankchef Nowotny macht Vorschlag zum Ausstieg aus der Nullzinspolitik

Das EZB-Ratsmitglied bringt eine Erhöhung des Einlagenzinses ins Spiel – und bewegt die Märkte. Die Notenbank distanziert sich.
Update: 10.04.2018 - 19:21 Uhr 7 Kommentare
Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hält ein schrittweises Vorgehen bei der Abkehr von der Niedrigzinspolitik für erforderlich. Quelle: Reuters
Ewald Nowotny

Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hält ein schrittweises Vorgehen bei der Abkehr von der Niedrigzinspolitik für erforderlich.

(Foto: Reuters)

London, FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat sich von den jüngsten Äußerungen des österreichischen Notenbankchefs Ewald Nowotny zu Anleihekäufen und Zinsentwicklung distanziert. Dies seien die Ansichten von Gouverneur Nowotny, erklärte ein EZB-Sprecher am Dienstag. Sie würden nicht die Ansicht des EZB-Rats widerspiegeln. Dass sich die Notenbank von Äußerungen eines ihrer Ratsmitglieder distanziert, kommt äußerst selten vor. Nowotnys Äußerungen hatten jedoch die Märkte bewegt. Der Euro sprang zeitweise auf ein Tageshoch von 1,2377 Dollar.

Der österreichische Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied hatte in einem Reuters-Interview unter anderem gesagt, er könne sich vorstellen, dass vor einer Erhöhung der Leitzinsen erst der Einlagensatz angehoben werde. Dabei brachte er eine Anhebung auf minus 0,2 Prozent von aktuell minus 0,4 Prozent ins Spiel. „Ich würde kein Problem damit haben, in einem ersten Schritt von minus 0,4 Prozent auf minus 0,2 Prozent zu gehen und dann als zweiten Schritt den Leitzins einzubeziehen“, sagte er.

Außerdem äußerte er die Erwartung, dass die Zeit für eine schrittweise Abkehr von der Politik des billigen Geldes in der Euro-Zone gekommen sei. Zunächst werde die Europäische Zentralbank (EZB) ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm wohl bis zum Jahresende auslaufen lassen, sagte er. Dies werde den Weg bereiten für die erste Zinserhöhung seit dem Jahr 2011. „Das ist die Struktur.“ Dabei sollten die Währungshüter graduell vorgehen, wobei zunächst der Einlagensatz angehoben werden könne.

Der Einlagensatz liegt seit März 2016 bei minus 0,4 Prozent. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass Geldhäuser Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der EZB über Nacht überschüssige Liquidität parken. Der Leitzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld steht seitdem bei 0,0 Prozent.

Experten erwarten aktuell, dass die EZB im Juni oder Juli ihre Pläne bekanntgeben wird, wie sie ihr auf 2,55 Billionen Euro angelegtes Anleihekaufprogramm beenden will. Die Käufe waren in den vergangenen drei Jahren das zentrale Kriseninstrument der Notenbank, um die Konjunktur und die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation anzuschieben. Viele gehen davon aus, dass die Käufe von aktuell monatlich 30 Milliarden Euro ab Oktober bis Jahresende auf null heruntergefahren werden.

Mehrere Währungshüter hatten zuletzt Übereinstimmung mit Markterwartungen signalisiert, nach denen nach einem Stopp der Käufe eine erste Anhebung von Schlüsselzinsen bis etwa Mitte 2019 möglich sei.

Zum exakten Zeitplan wollte sich Nowotny nicht äußern. Dazu sei es noch zu früh. Zu den jüngsten Kursschwankungen an den Börsen sagte er: „Ich denke, Zentralbank-Politik muss eine mittelfristige Strategie verfolgen.“ Der Handelsstreit zwischen den USA und China könne aber die Wechselkurse beeinflussen. Die Turbulenzen könnten Investoren dazu veranlassen, Geld in die Euro-Zone zu bewegen.

Ein starker Euro käme für die EZB in der aktuellen Phase des Übergangs zu einer weniger expansiven Ausrichtung zur Unzeit. Denn das schmälert tendenziell die Absatzchancen europäischer Waren auf dem Weltmarkt und verbilligt Importe, was die Inflation dämpft.

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7 Kommentare zu "EZB-Rat: Österreichs Notenbankchef Nowotny macht Vorschlag zum Ausstieg aus der Nullzinspolitik"

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  • Wie wahr und die EU-Loser werden deshalb die Zeche bezahlen aber ein besonders schlauer Kommentator wird das nie verstehen. Um so tiefer der Dollar, um so höher die Rechnung für die EU-Loser.

    wurde das Vertrauen in die amerikanische Währung nämlich böse nach unten geprügelt. Der Dollar sinkt wie eine Blei-Ente.

  • Hallo Herr Maidan, am erfolgreichsten ist es auf das zu spekulieren was gerade nicht geschätzt wird, jedoch einen grossen inneren Wert aufweist. Einer der reichsten Menschen der Erde (Buffet) ist so zu seinem Reichtum gekommen.

    Am US$ hängt nicht nur die US Wirtschaft, sondern indirekt* auch grosse Teile Asiens und Südamerikas. Insofern ist der $ weit mehr als USA.

    Die Politik Trumps mag Ihnen durch die Qualitätsmedien in einem sehr dunklem Licht vermittelt werden. Einfache Geister übernehmen dann den vermittelten Glauben. Wenn Sie Ihr Gehirn mit analytischen Betrachtungen quälen würden, würden Sie vermutlich Licht und Schatten finden. Denken Sie z.B. an die Deregulierung im Zuge der Abschaffung des Klimaschwindels.


    *viele Währungen Asiens sind an den $ gebunden. In vielen Teilen der Welt insbesondere Südamerika werden sehr viele Geschäfte in $ fixiert.

  • Wenn Sie sich so für die hohen Zinsen der US-Staatsanleihen begeistern können, sollten sie aber darauf achten, diese nicht in US-Dollar zu erwerben. Seit ein gewissen Donald Trump wirkt, wurde das Vertrauen in die amerikanische Währung nämlich böse nach unten geprügelt. Der Dollar sinkt wie eine Blei-Ente. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen - zumal bei jedem erfreulichen Ereignis in Europa der Euro durch die Decke geht. Nach der Wahl von Macron war dies so, und auch nach der Regierungsbeteiligung der SPD in Deutschland.

    Vorsicht also vor fragilen Wirtschaftszonen.

  • Solange Herr Draghi EZB Präsident ist wird die excessive Geldschöpfung weiter gehen.

    Ich habe aufgrund des realen Handelns den Eindruck dass das Hauptziel des EZB Präsidenten Draghi die Entschuldung des italienischen Staatshaushalts zu Lasten der deutschen Sparer ist. Hierbei geniesst er anscheinend Unterstützung der massgeblichen EU Politiker inkl. Fr. Merkel.

    Ein paar Notenbanker aus nordeuropäischen Zahlerstaaten die dies nicht schätzen, oder die Risiken thematisieren werden dies kaum ändern.

  • @ Peter Spiegel

    Der war echt gut. ;-)
    Ich habe auch einen: wieso sollten "Anleger" (hüstel, hüstel) für Staatsanleihen aus Euro-Staaten Negativ-Zinsen zahlen (zumal auch noch die Kurse sinken), wenn man bei den Amis überm Teich wieder saftige 2,8% (10y) bekommt?
    Sowas kauft wirklich nur noch die EZB selbst.
    Da ist sogar die SNB noch wesentlich besser: die kauft (heimische) Aktien in rauen Mengen und "deckt" damit das Fränkli. ;-)

  • Die Ösen haben wohl ihre osteuropäischen Banken abgewickelt, daß jetzt solche Sprüche kommen.

  • EZB-RAT
    Österreichs Notenbankchef Nowotny macht Vorschlag zum Ausstieg aus der Nullzins-Politik
    Österreichs Notenbankchef sieht ein Ende der EZB-Niedrigzinspolitik kommen. Seine Aussage bewegt die Märkte – vor allem den Euro.

    ............................

    WENN ÖSTERREICHISCHE BANKEN mit ITALIENISCHE BANKEN FUSIONIEREN, dann kann man schon morgen damit beginnen die Zinsen zu erhöhen.

    ANSONSTEN : WENN DER EURO NICHT MEHR BESTEHT, BESTEHT EUROPÄISCHE UNION AUCH NICHT MEHR UND DARÜBER SORGEN SICH ALLE IN DER EU & EZB SEHR !

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