EZB-Ratsitzung „Es gibt keine Japanisierung des Euro-Raums“

Mario Draghi hebt deutlicher als bisher hervor, dass die EZB sehr lange an ihrer Niedrigzinspolitik festhält. Er warnt vor den Risiken sinkender Preise – aber weist Parallelen zwischen der Euro-Zone und Japan zurück.
Update: 09.01.2014 - 16:05 Uhr 28 Kommentare
EZB-Chef Mario Draghi sieht keine allzu großen Parallelen zwischen der Eurozone und Japan in den 1990er Jahren. Quelle: AFP

EZB-Chef Mario Draghi sieht keine allzu großen Parallelen zwischen der Eurozone und Japan in den 1990er Jahren.

(Foto: AFP)

FrankfurtEZB-Chef Mario Draghi ist im Kampf gegen die Wirtschaftskrise und für stabile Preise in der Euro-Zone zum erneuten Eingreifen bereit. Auf der heutigen Sitzung beließ die EZB aber den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. "Wir haben verschiedene Instrumente", sagte Draghi auf der Pressekonferenz nach der Ratssitzung in Frankfurt. Welche zum Einsatz kommen könnten, ließ er allerdings offen.

DZ-Bank-Analyst Jan Holthusen wertet Draghis Worte als „etwas deutlicher als bisher.“

Ähnlich äußerte sich Thomas Amend von HSBC Trinkaus. Die EZB habe signalisiert, dass im Moment keine Notwendigkeit bestehe, die Geldpolitik noch expansiver zu gestalten. Gleichzeitig lässt sie sich jedoch wie immer alle Türen offen. Sollte die Inflationsrate weiter zurückgehen oder es zu Verzerrungen am Geldmarkt kommen, könnte die EZB im Laufe des Jahres wohl noch einmal aktiv werden," sagte Amend.

Auf der Pressekonferenz machte Draghi mehrfach klar, dass die EZB bei zu niedrige Preissteigerungen etwas tun müsse. "Ich möchte deutlich machen, dass wir ein Mandat haben, um Preisstabilität zu sichern - und zwar in beide Richtungen", sagte Draghi. Im Dezember ist die jährliche Inflationsrate im Euroraum auf 0,8 Prozent gesunken – und damit deutlich unter den Zielwert der EZB von unter aber nahe zwei Prozent. Einige Ökonomen befürchten, dass die Preise ähnlich wie in Japan in den 1990er-Jahren fallen könnten. Die japanische Wirtschaft litt über 15 Jahre unter einer sich selbst verstärkenden Spirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.

Die Situation in der Eurozone ist aus Sicht von Draghi jedoch nicht mit der in Japan in den 1990er Jahren vergleichbar. Erstens habe die EZB bereits sehr einschneidende Entscheidungen getroffen. Zweitens seien die Banken in Europa heute stärker als sie damals in Japan gewesen seien. Der dritte große Unterschied liege darin, dass die Inflationserwartungen in der Eurozone fest verankert seien, wohingegen sie dies in Japan nicht gewesen seien.



  • rtr
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28 Kommentare zu "EZB-Ratsitzung: „Es gibt keine Japanisierung des Euro-Raums“"

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  • "Geld entsteht nur über Kredit" - die Aussage ist für 90% der Geldmenge im Euroraum korrekt, da ca. 90% der Geldmenge in Giralgeldform vorliegt, die nunmal nur in Schuldform und gegen Zins erschaffen wird, und zwar nur von den Geschäftsbanken, die diesen Zins erhalten (Geldschöpfungsgewinn). Würden all diese Schulden auf einmal zurückbezahlt, gäbe es kein Geld mehr (bzw. nur noch 10%); das ist überraschen aber es ist tatsächlich so. Dass Geld über zinspflichtige Schuld generiert wird, ist tatsächlich ein (nicht das einzige) zentrales Problem unseres Geldsystems. Dass Geld gegen Zins weiterverliehen wird ist dagegen keins, sondern essentiell notwendig, das muss man sauber trennen.

    Und was die Steuerungsmöglichkeiten einer Zentralbank angeht, so sehen wir ja, dass diese entweder beinhae wirkungslos sind oder absurd ungerecht (und beinahe wirkungslos); die Nebenwirkungen jedoch in Form von Risiken immens

  • Was regen wir uns auf, das Kind ist in den Brunnen gefallen und kommt da auch leider nicht mehr heraus, da EU-Verträge willentlich gebrochen werden. Wie entschulden sich also hoch verschuldete Staaten, durch Inflation (ist ein alter Hut), denn zurückzahlen kann man die Billionen eh nicht. Wie können die maroden "Südstaaten" noch etwas am Leben gehalten werden, durch niedrigste Zinsen. Beide Szenarien sind derzeit aktuell. Warum ist der Immobilienmarkt leergefegt, weil jeder versucht sein Geld in Sachwerte einzutauschen (deshalb entsteht nebenbei noch die Immobilenblase und Mietwohnungen werden für die unteren Einkommensschichten unbezahlbar), verbunden mit der vagen Hoffnung, nach dem großen Knall (und der wird kommen) wenigstens einen gewissen Teil seines Vermögens zu retten. Es ist zum Heulen, diesen Ignoranten in der EZB zusehen zu müssen und sehenden Auges das Unheil nicht verhindern zu können.

  • Tja was waren das noch Zeiten, als sich Frau Thekla Carola Wied im Werbespot darüber beklagte, dass es bei der Bank nur 3,5 Prozent Zinsen geben würde.

    Und HEUTE: es gibt fast NICHTS mehr an Zinsen auf Sparguthaben. Wer sein Geild bei der Bank deponiert, der bekommt dafür fast NICHTS. Auch Lebensversicherungen lohnen sich im Vergleich zu früher fast überhaupt nicht mehr.

    Nur wer Schulden hat oder ein Haus/ein Auto/eine Wohnung abbezahlt, der freut sich über niedrige Zinsen.

    Auf diese Weise wird der deutscher Sparer und die Deutschen mit ihren Vermögen von der EZB enteignet.

    Und warum macht Draghi dies ? NICHT weil er den deutschen Sparer so gern hat - ganz im Gegenteil er hasst ihn.

    Herr Draghi macht die Niedrigzinspolitik, weil Südeuropäer und südeuropäische Regierungen total über ihre Verhältnisse gelebt haben und dort die Regierungen zwei Jahrzehnte lang zu viele Staatsschulden angehäuft haben.

    UND Frau Merkel und die CDU ? Und Herr Gabriel und die SPD ?

    Die machen da auch noch mit und finden es gut, dass das Geld nach Südeuropa verschleudert wird und die deutschen Sparer enteignet werden.

    Daher wer als deutscher Sparer CDU oder SPD, der muss bescheuert sein.

  • @Dissident

    Richtig! Der Normalbürger wird doch vorn und hinten belogen. Und dieser Herr Draghi lebt in einem Wolkenkuckucksheim. Aber er hat ja eh' nichts zu sagen, außer Unsinn. Er ist ja „Puppet on the String“ von Großkapital und Banken. Denen gefällt die Niedrigzinspolitik außerordentlich gut. Können sie doch mit den Milliarden der trägen Normalbürger riesige Gewinne einfahren. Normalbürger aufwachen! Hebt eure Ersparnisse ab und legt sie unter's Kopfkissen! Ist doch kein Problem bei den Zinsen. Aber für die Banken!!!!!! Wetten die Zinsen steigen wieder?

  • Und wenn Draghi den banken in Europa noch 10 Billionen Euro gibt. Warum sollte ein Bank, einem Unternehmen Kredite geben, wenn für die Bank das Risiko eines Kreditausfalls besteht etc. Immer mehr Mneschen lenben an oder in der Armutsgrnze, sind arbeitslos, haben prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Die Banken geben denn keinen Kredit und kein Geld. Da unterscheiden sich eben die Geschäfstbanken von der EZB und der FED etc. Die kaufen auch alles auf, was keinen Wert hat Ramschanleihen von Pleitestaaten. Die EZB wälzt ihre Bilanz dann eben auf Europas Steuerzahler ab - die vielen Schulden. Warum sollte eine Bank Kredite vergebenm die spekulieren doch lieber an der Börse, das geht doch viel einfacher. Und bringt tolle Gewinne - siehe jeden Tag Höchststände im Dax und Dow Jones. Das Geld geht hin zur Börse und in Immobilien. Gibt Herr Draghi den banken noch ein paar Billionen, dan steht der Dax bei 30000 Punkten, aber kein Geld geht ans Volk oder in die Wirtschaft. Wenige profitieren, die Bürger zahlen. Tolle Politik.

  • Draghi, ein mieser italienischer Höllenhund!

  • Statt über Inflation implizit, demokratisch nicht legitimiert die Mittelschicht zu enteignen, sollte,soweit wegen c) eine massvolle Relativierung von Eigentumsrechten angeraten scheint, explizit die Eigentumsfrage gestellt und demokratisch Lösungsmöglichkeiten gesucht werden, welche Leistungsbilanzungleichgewichte z.B. von den konsumfernen oberen Zehntausend zu den konsumnahen unteren Schichten abbaut, ohne individuelles wirtschaftliches Engagement zu sehr zu demotivieren. Leitschnur sollte hier ein Leistungsprinzip sein, welches aber die Leistung nicht nur am individuellen Nutzen für die eigene Geldbörse sondern am realen Nutzen für Menschen und Gesellschaft misst.

    Zocker in Banken, deren Job darin besteht Risiken zu verschleiern und Preise zu manipulieren und so Fehlinvestitionen zu verursachen, können in diesem System keine Millionengehälter kassieren, weil sie nichts leisten, sondern vor allem zerstören.

  • "Auf der Pressekonferenz machte Draghi mehrfach klar, dass die EZB bei zu niedrige Preissteigerungen etwas tun müsse."

    Das etwas getan wird, dagegen hat ja niemand etwas. Hinterfragt werden muss aber, was getan wird. Dazu muss die Situation adäquat analysiert werden, statt der Propaganda der aufgeblasenen Finanzindustrie zu erliegen, welche sich ebenso wie aufgeblasene Politiker über Inflation zu saniern hofft.

    Die Situation ist die, dass

    a) die Wirtschaft in vielen Bereichen gesättigt und organisches Wachstum nicht möglich ist
    b) die Gesellschaft unter einer Fixierung auf primitive, rein quantitative Formen und individuelle Formen von Wachstum und Gewinn leidet
    c) es massive Leistungsbilanzungleichgewichte innerhalb von Staaten ("unten"/"oben") und zwischen Staaten gibt, welche auf Ausgleich drängen


    Vielzahl falscher Preise - sei es wegen Manipulation der Zentralbanken oder persönlicher Korruptheit/geistiger Infantilität der Menschen- leidet, welche glasperlige Industriemassenware erschwinglich aber z.B. vitales Essen oder sauberen Strom preislich unattraktiv erscheinen lässt

    Wegen a) muss eine forcierte Kreditexpansion zwangsläufig mit einer Kreditverschlechterung einhergehen, welche wiederum den deflationären Druck verstärkt. Als Folge wird sich die EZB zu einer weiteren Verschärfung ihrer Inflationspolitik genötigt sehen und in der Folge eine imer fragileres Spannungsfeld aus Deflation- und Inflation erzeugen in welchem rationales und organischen wirtschaften und adäquate nicht manipulierte Preise kaum noch möglich sind. Dies wird die gesamte Volkswirtschaft von innen verfaulen lassen. In Verbindung mit einer Überwindung von c) könnten organische Wachstumspotentiale, welche nicht ohne weiteres quantifizierbar sind (z.B. besseres, vitaleres Essen, saubere Energie oder "gesellschaftliches Wachstum") erschlossen werden.

  • Die EZB hat durch ihre Währungspolitik (extremes Wachstum der Geldmenge und historisch tiefe Zinsen), den Euro abgewertet. Alleine gegenüber den Yen hat der Euro über 40 Prozent verloren. Trotz dieser massiven Abwertung sind die Südeuropäischen Länder und Frankreich nicht in der Lage die Exporte massiv zu steigern und ihre Importe zu verringern.

    Die EZB und einige Europäische Staaten stützen Banken die keine Substanz mehr besaßen. Diese Banken sind heute „Zombiebanken“ diese Banken findet man auch in Japan.

    Die Zinsen sind zu gering, genauso wie in Japan und trotzdem wächst die Eurozone nur marginal.

    Mit anderen Worten die EZB hat dieselben Fehler begangen wie die Japanische Zentralbank (Politischen Druck) und wir sind heute „Japanische“ wie wir denken.

    Dabei hat Japan immer noch ein Auslandguthaben (Staatsanleihen der USA).

    Wir haben trotz riesiger Überschüsse (BRD) kein Auslandsguthaben zur Verfügung.

    Die EZB funktioniert nur noch durch die „Liquidität“ der Bundesrepublik Deutschland.

    Wir haften für die EZB!

  • An Wissensmanufakur_net

    Ihre Aussage: „Geld entsteht nur über Kredit“

    Ist so nicht richtig. Die Geldmenge X ist gleich der Warenmenge im Währungsraum. Dieses Geld ist nicht „Zinsbelastet“. Wenn die Geldmenge stärker steigt wie die Warenmenge ergibt sich eine Inflation.

    Wenn also eine „Zentralbank“ Geld schafft (Geldscheine druck) ist dieses Geld natürlich „Zinsfrei“ und damit sehr verlockend für den Staat (Gefahr von Inflation).

    Das Giralgeld/Buchgeld ist Zinsbelastet. Dieses Geld wird von den Banken generiert und die Zentralbank steuert durch ihre Instrumentarien die Höhe/Volumen des Giralgeldes (Achtung! Durch den „Interbankenhandel“ ist es möglich die Steuerungsmöglichkeiten einer Notenbank auszuhebeln).

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