EZB-Ratssitzung Draghi unter Zugzwang

Gebannt blicken die Märkte nach Frankfurt: Dort steht Mario Draghi heute vor einer schwierigen Entscheidung. Die schwache Preisentwicklung setzt ihn unter Druck. Doch die Signale könnten widersprüchlicher nicht sein.
22 Kommentare
Die Märkte schauen heute auf Mario Draghi. Handelt er jetzt? Quelle: dpa

Die Märkte schauen heute auf Mario Draghi. Handelt er jetzt?

(Foto: dpa)

An seiner Entschlossenheit lässt Mario Draghi keinen Zweifel. „Wir haben das Mandat, die Preisstabilität zu sichern, in beide Richtungen“, sagte er im Januar. Und machte auch klar, was das bedeutet:  „Wir sind bereit, alle erlaubten und verfügbaren Instrumente in Betracht zu ziehen.“

Nimmt man Draghi beim Wort, bedeutet das: Er muss handeln. Bisher geht die EZB für 2014 von einem Anstieg der Kerninflation von 1,3 Prozent aus. Die Kerninflation ist der um besonders schwankungsanfällige Güter wie Energie bereinigte Preisanstieg. Das erscheint inzwischen jedoch zweifelhaft. Im Januar lag der Wert gerade mal bei 0,8 Prozent. Commerzbank-Ökonom Michael Schubert erwartet deshalb, dass die EZB bald etwas tut. „Draghi hat gesagt: Wenn sich der Inflationsausblick ändert, wird die EZB aktiv. Das ist aktuell der Fall“, sagt Schubert. Die von der EZB prognostizierte Kerninflationsrate von 1,3 Prozent sei „praktisch nicht mehr erreichbar.“

Und so blicken die Märkte heute gebannt nach Frankfurt. In den vergangenen zwei Wochen hat der Deutsche Aktienindex um mehr als fünf Prozent nachgegeben. Ein entschlossener Schritt von EZB-Chef Draghi, so die Hoffnung, könnte diesen Trend zumindest kurzfristig stoppen. Bisher hat Draghi aber beim Thema Deflation immer abgewunken. Er betonte: Die Inflationserwartungen in der Euro-Zone seien „fest verankert“. Wenn er seinen Standpunkt ändert und den Kampf gegen Deflation aufnimmt, müsste er sich vermutlich für schärfere Mittel entscheiden als nur für eine weitere Zinssenkung. 

Ob die EZB schon auf ihrer heutigen Sitzung etwas unternimmt, ist jedoch unklar. Im Dezember gab es eine ähnliche Konstellation: Da war die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr auf 0,8 Prozent gefallen. Daraufhin fackelte der EZB-Rat nicht lange und senkte den Leitzins – zur Überraschung vieler Experten. Diesmal geht Commerzbank-Ökonom Schubert eher davon aus, dass die EZB erst im März handelt und zunächst ihre eigene Inflationsprognose anpasst. Gegen ein sofortiges Handeln sprechen auch die äußerst widersprüchlichen Signale aus der Wirtschaft: Einerseits ist die Preissteigerung so niedrig wie selten – andererseits sind die Stimmungsindikatoren in der Euro-Zone derzeit auf Rekordniveau.

Die entscheidende Frage lautet: Wie schätzt die EZB das Risiko sinkender Preise ein? Je näher sich die Preise der Nullmarke nähern, desto größer die Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten. Die Erfahrung aus Japan zeigt: Wenn erst mal die Unternehmen und Haushalte mit sinkenden Preisen rechnen, lässt sich eine Spirale aus Preisrückgang und einer Rezession nur schwer stoppen – in Japan fielen die Preise 15 Jahre lang.

„Gegen Deflation muss die EZB zu schärferen Mitteln greifen“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: EZB-Ratssitzung - Draghi unter Zugzwang

22 Kommentare zu "EZB-Ratssitzung : Draghi unter Zugzwang"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die EZB ist wie die Europäischen Politiker, um Gotteswillen nichts machen. Bei einer Krise, nehmen sie die Problemlösung vom Großvater, Leistungen runter, Gesundheits-, und Bildungswesen Kürzen und Steuernhoch, und abgesehen sind die Ausländer und Emigranten schuld an den Politischen Verfehlungen. Ansonsten, ja nichts unternehmen, es könnten Wählerstimmen verloren gehen. Die Zukunft wird es Richten. Der GR Finanzminister hat mit Freudiger Inbrunst verkündet,das die Wirtschaft mit weniger als 4% geschrumpft ist. Das ist doch eine freudige Überraschung, jetzt geht es nur noch aufwärts.

  • An Mondahu: Es ist schön, daß sie es ansprechen. Manchmal fühlt man sich wie Don Quijote. Es wird gegen jegliche Grundsätze der Volkswirtschaft und der Geldwirtschaft (Geld ist eigentlich nur ein Tauschmittel) verstoßen.

    Draghi weiß es doch. Die Bilanz der EZB kann man doch nicht Fehlinterpretieren???

    Fast alle Staaten der Europäischen Union sind überschuldet. Die Zentralbanken kaufen „Staatsanleihen (Kriegsanleihen)“ an.

    Wir sind doch nicht im Krieg????

    Am Ende eines Krieges ist ein Staat meistens hoch verschuldet, der Mittelstand (Hofft vergebens auf die Auszahlung der Kriegsanleihen/Staatsanleihen) verarmt und eine neue Währung (Währungsschnitt) ist sehr wahrscheinlich.

    Wir sind aber im Frieden.

    Ich sehe die Bilanzen an, studiere meine alten Bücher (Volkswirtschaft) und neue Bücher (Bilanzregeln, Betriebswirtschaft, Makroökonomie) in der Freizeit (dafür ist die Zeit eigentlich mir zu Schade).

    Wir werden dreist angelogen (EU, Bundesregierung, EZB etc.)

    Es kann doch nicht sein das unser System am Ende ist???
    (Ich hoffe das ich falsch liege)

  • @ Ingenieur

    Zitat : über geblieben

    - dieser Ausdruck sagt über Sie alles aus, ohne dass Sie hier Ihre Strapsen runterziehen müssen.....!

  • AN senfra: Wenn sich wie Sie schreiben- Heizoel in 3 Jahren verdoppelt hat, sollte der Preis wegen Überangebot eher sinken.

  • Nein den Ing habe ich mir in Timbuktu gekauft.

    Etwas Geld war von meinem Nobelpreis noch über geblieben und davon habe ich mir ein paar Titel gekauft und einen Schnellkurs, damit ich Hauptschulabgänger schneller erkennen kann.

  • @ Ingenieur

    - Sie müssen wohl ihren Ing. an der Börse gewonnen haben...? In Bukarest ......?

  • Die EZB soll einfach jedem Haushalt in Europa zusätzlich den Betrag X (der für irgendwelche Rettungen ausgegeben würde) schenken. Mit einem Mal würde der Konsum auch wieder funktionieren. So was aber auch...

  • In was für einem Idiotenuniversum leben wir? Früher war es mal Aufgabe der Zentralbanken vor Inflation zu schützen, heute soll sie Inflation schürren. Sie soll eine Deflation bekämpfen die es überhaupt nicht gibt. Wenn es sie gäbe, dann ware es endlich mal etwas positives, dann könnten sich endlich ein paar Leute mehr eine Wohnung oder ein Haus leisten.

  • Es wäre noch hinzuzufügen das viele Menschen die sich im unteren Drittel der freien Vermögensverfügbarkeit befinden sich nur deshalb dem Konsum entziehen, weil sie es schlicht und ergreifend müssen, während das obere Drittel erhebliche Kapitalmengen in diverse Spekulations- und Anlagegeschäfte investieren - hier bedient Geld letztendlich nur noch Geld und existiert daher in gewisser Weise ausschließlich zum Selbstzweck. In beiden Fällen steht das zum Konsum notwendige Kapital dem Warenkreislauf nicht zur Verfügung. Eine Lösung könnte hier eine maßvolle Umverteilung von hoher zur geringer Vermögensverfügbarkeit darstellen.

  • Vielen Dank für die Blumen. Aber warum muß sich mondahu als Einzelkämpfer dagegen wehren, daß wohldefinierte Fachausdrücke von der Politik (die EZB gehört da zweifellos bereits dazu) mißbraucht und in ihrer Bedeutung umgedreht werden. Wo bleiben da die Koryphäen der Nationalökonomie und die Fachzeitschriften (HB aufpassen!), um diesem Verfall objekiver Wortwahl energisch zu widersprechen?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%