EZB senkt Leitzins auf null Draghi schickt die Märkte auf Achterbahnfahrt

Die EZB hat entschieden, den Leitzins auf null zu senken und das Anleihen-Kaufprogramm auszuweiten. Das Bündel der drastischen Maßnahmen sorgte für ein Auf und Ab an den Aktienmärkten.
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Zinsentscheid ohne Bundesbank – der nächste Paukenschlag!

FrankfurtIm Kampf gegen die chronische Wachstumsschwäche und die Mini-Inflation im Euro-Raum greift die EZB zu drastischen Maßnahmen:

  • Der Leitzins sinkt von 0,05 Prozent auf 0,00 Prozent.
  • Außerdem stocken die Währungshüter ab April ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe von monatlich 60 auf 80 Milliarden Euro auf. Auch Unternehmensanleihen werden künftig aufgekauft. Insgesamt erhöht sich damit der Umfang des Programms auf 1,74 Billionen Euro.
  • Banken müssen zudem künftig einen höheren Strafzins zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken. Als Ausgleich winken ihnen besonders günstige längerfristige Kreditlinien.

Die Beschlüsse lösten an den Börsen heftige Reaktionen aus: Der Euro verbilligte sich zeitweise um mehr als einen US-Cent auf 1,0836 Dollar. Anschließend stieg er aber wieder über die Marke von 1,10 Dollar. Der Dax kletterte zeitweise um bis zu 2,7 Prozent auf ein Zweimonatshoch von 9989 Punkten, gab danach aber einen Teil der Gewinne wieder ab und rutschte sogar wieder deutlich ins Minus. Nach nur 90 Handelsminuten hatten die Indizes das Pulver weitgehend verschossen und bewegten sich wieder auf dem Niveau vor der Bekanntgabe.

„Mit dem heutigen umfassenden Paket geldpolitischer Entscheidungen liefern wir erhebliche Anreize, um den erhöhten Risiken für das EZB-Preisstabilitätsziel entgegenzuwirken“, erklärte Draghi.

„Die Zinsen werden für eine sehr lange Zeit niedrig bleiben.“ Die Währungshüter streben eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, was sie als ideal für die Wirtschaft erachten. Davon sind sie aber momentan sehr weit entfernt. Im Februar waren die Preise im Währungsraum wegen des Ölpreisverfalls sogar um 0,2 Prozent gesunken.

„Wegen der Ölpreisentwicklung sind sehr niedrige oder sogar negative Inflationsraten in den kommenden Monaten unvermeidlich“, räumte Draghi ein. Die Verbraucherpreise werden nach den neuen Prognosen der EZB-Experten in diesem Jahr voraussichtlich nur um durchschnittlich 0,1 Prozent steigen. Noch im Dezember waren sie von 1,0 Prozent ausgegangen. Auf breiter Front fallende Preise gelten als gefährlich, weil sich Konsumenten dann zurückgehalten - in der Erwartung, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Unternehmen verdienen dann weniger und schieben Investitionen auf. So entsteht eine Abwärtsspirale.

Geschäftsbanken müssen künftig mit einem negativen Einlagensatz von 0,4 Prozent zurechtkommen. Zuvor lag dieser bei minus 0,3 Prozent. Die Institute müssen nun also eine höhere Strafe zahlen, wenn sie Geld bei der EZB horten. Damit will die Notenbank die Kreditvergabe ankurbeln, die zuletzt kaum in Schwung kam.

Mit negativen Auswirkungen für die Geldhäuser durch die schärferen Strafzinsen rechnet Draghi nicht. Er kündigte zudem an, dass die EZB vier längerfristige, besonders günstige Kreditlinien für die Banken auflegen wird. Diese sogenannten TLTRO-Geschäfte haben eine Laufzeit von vier Jahren. Sie sollen im Juni 2016 starten.

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33 Kommentare zu "EZB senkt Leitzins auf null: Draghi schickt die Märkte auf Achterbahnfahrt"

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  • Herr hartmut braune

    Ihre Forderung nach der DM und harter Währung, da sollten sie bedenken, das es mehr Nachteile hat als Vorteile. Schauen sie den CHF an, da werden Milliarden in den Markt gepumpt um den Kurs zu stützen, damit die Wirtschaft nicht zu grossen Schaden nimmt und die Konjunktur abgewürgt wird. Ihr Vergangenheitsbezogen Rezept bringt auch keine Problem Lösung.

  • ..................es ist doch nicht zu fassen, wie, und mit welchen Mitteln dort oben in der EZB in die Speichen gegriffen wird.
    Wird nach dem heutigen Tag klar, daß Herr D. nicht mehr der Mann am Lenkrad unserer aller Währung sein kann und darf. Und so werden wir in den nächsten Tagen erleben, daß die Schritte in den bevorstehenden Crash schneller werden, sind heute dazu zusätzlich die weiteren Weichen gestellt worden.
    Und es ist im Interesse aller Menschen in dieser Euro-Zone jetzt bald der Schritt von Seiten der Politik zu machen, Herrn D. schnellstens abzulösen, durch ein konstruktives Mißtrauens-Votum. An dessen Stelle muß endlich...endlich...ein Banker aus deutschen Landen ans Pult......eine Person egal ob Frau oder Mann..... aus Schrot und Korn....so wie die Mannen zur Zeit der DM dieser vergangenen Währung....war sie doch die Ersatzwährung nach dem Dollar und in der ganzen Welt geachtet. Oder hängt uns noch unsere Vergangenheit an der Buchse.
    Es scheint so.
    Um so mehr muß die Politik in Berlin dafür sorgen, daß an die Spitze eine Person gehört die aus dem größten und stärksten Wirtschafts-Standort kommt.....und das ist eben Deutschland......es muß so sein, haben alle anderen Staaten auch den Nutzen davon, wenn der Laden wieder rund läuft.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Trump@Auch die USA könnten ihre Währung abwerten. Besser sei es jedoch, Strafsteuern auf ausländische Produkte zu erheben. Die souveräne USA schon
    aber die Sklaven EU nicht, die wird noch nicht mal mit ein paar Arabern fertig.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Das mit dem Zinssenkungen wird nicht mehr lange ausreichen, es muss der Euro2 her. alles umtauschen im Kurs von 1:2 Zwei Alteuro gegen einen neuen. So wie es bei der D-Mark auch schon funktioniert hat.

  • Goldbesitz und Verkauf muss bestraft werden.
    Als nächstes dann Geldbesitz. Abschaffung des Bargeldes!
    Alle müssten irgendwie in der Schuld von der EU stehen damit alle noch besser gesteuert und besteuert werden können.

  • Was für ein Spaß. Über 500,0 Punkte Tages-Range. Der arme Kassa-DAX, unser in die Jahre gekommenes altes Börsentier, kam teilweise wieder einmal gar nicht hinterher, so schnell hat ihn der FDAX zeitweise hin- und her geschubst. Schon klasse, was diese Handelsmaschinen mit Micro-Sekundenlatenzzeiten heute so alles können.

    So geht Arbeiten und Geld verdienen im 21. Jahrhundert. Geld verdient Geld. Schönen Feierabend @ all.

  • erst wird der Zins runter gefahren, dann Strafzins auf Guthaben. Dann bekommen alle mit der Angst zu tun, dann Inflation und dann ist das Geld weg. Alles im Plan.
    Wieviel Milliarden Arbeitsstunden hatte Deutschland letztes Jahr?
    Alles richtig gemacht EU. Vom Volke Deutschland ist noch viel mehr zu holen.
    Ach alles Quatsch, Deutschland profitiert von der EU wie keine anderes Land! Angela M.

  • Wenn ihr das Geld so Anlegen würdet wie ihr Jammert und immer auf andere Leute wartet, die für euch den Wagen aus dem Dreck holt, hättet ihr kein Investment Problem.
    Und zu Draghis aussagen. Ist es so wie beim Arzt, wenn er dir eine Medizin verschreibt und du nimmst sie nicht, hast du ein Problem.

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