EZB-Präsident Mario Draghi

Ob der Notenbankchef am Donnerstag klare Hinweise auf die weitere Geldpolitik gibt, ist fraglich.

(Foto: AFP)

EZB-Sitzung Was Investoren von EZB-Chef Mario Draghi heute hören wollen

Investoren wünschen sich Klarheit über den Kurs der EZB. Deren Arbeit wird nach der Wahl in Italien nicht leichter.
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FrankfurtMario Draghi dürfte am Sonntag die Wahlen in Italien sehr genau verfolgt haben. Mehr als die Hälfte der Italiener stimmte für europakritische Parteien. Das macht die Arbeit für den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht gerade leichter.

Er muss am Donnerstagmittag nach der EZB-Ratssitzung Rede und Antwort zum weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank stehen. Im Januar hatte die EZB ihre Anleihekäufe auf monatlich 30 Milliarden Euro halbiert und bis September verlängert.

Investoren wünschen sich von Draghi vor allem eines: mehr Klarheit. Sie wollen wissen, wie es nach der Verlängerung der Anleihekäufe weitergehen soll. Das nämlich ist noch völlig offen. Doch aller Voraussicht nach müssen sie weiter warten – vermutlich wird der EZB-Präsident am Donnerstag wieder einmal auf Zeit spielen.

Denn die drohende politische Instabilität in Italien macht es für Draghi und seine Kollegen noch schwerer, klare Aussagen zu treffen. Der EZB-Rat wird auf seiner Sitzung wohl über eine Änderung seiner Kommunikation diskutieren. Carsten Brzeski, Ökonom der ING, erwartet „eine feine Änderung der Sprachregelung der EZB, um zu signalisieren, dass sie auf dem Weg in Richtung Ausstieg ist.“

Was Brzeski meint: Bislang behält sich die EZB die Option vor, ihre Anleihekäufe von aktuell 30 Milliarden Euro im Monat nötigenfalls auszuweiten. Diesen sogenannten Easing Bias könnte die Notenbank abändern. Aus Sicht vieler Ökonomen passt die Option nicht mehr zur aktuellen wirtschaftlichen Lage: Die Wirtschaft im Euro-Raum ist 2017 schließlich so stark gewachsen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Dass die EZB die Aussage streicht oder anpasst, ist aber keinesfalls sicher.

Für einen solchen Schritt sprechen die Aussagen einiger Ratsmitglieder. So hat EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré in der vergangenen Woche angedeutet, dass die Notenbank ihre Nettoanleihekäufe beenden könnte, bevor sie einen nachhaltigen Anstieg der Inflation erkennt. Auch der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau und sein litauischer Ratskollege Vitas Vasiliauskas hatten sich dafür ausgesprochen, die Nettokäufe weniger stark zu betonen.

Bereits im Protokoll der vergangenen Ratssitzung heißt es, einige Mitglieder hätten sich dafür ausgesprochen, den Verweis auf eine Ausweitung der Anleihekäufe zu streichen.

Gegen einen solchen Schritt spricht allerdings, dass Notenbankchef Draghi und viele seiner Ratskollegen starke Marktreaktionen auf einen solchen Schritt fürchten. Wie anfällig die Märkte derzeit sind, hat sich nach der Veröffentlichung der Protokolle der Ratssitzung im Dezember gezeigt.

Investoren hatten sie als Hinweis gewertet, dass die Notenbank bald ihre Kommunikation anpassen könnte. Entsprechend sorgten die Protokolle für starke Reaktionen bei Zinsen und Euro-Kurs. Genau diese wollen die Entscheider in der Notenbank aber vermeiden.

Ohnehin hat der Euro 2017 um etwa 14 Prozent gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Dies dämpft tendenziell die Inflation und das Wachstum im Euro-Raum. Die EZB hat sich bereits besorgt über die Schwankungen des Wechselkurses geäußert.

Daher gibt es nicht wenige Ökonomen, die damit rechnen, dass die EZB zunächst abwartet. „Wir halten es für etwas wahrscheinlicher, dass der Rat seine Entscheidungen nochmals aufschiebt“, schreibt Commerzbank-Ökonom Michael Schubert.

Zur gleichen Einschätzung kommt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Für die weitere Zurückhaltung würden auch Risiken etwa aufgrund des Wahlausgangs in Italien und einer mögliche Zunahme des Protektionismus in der weltweiten Handelspolitik sprechen.

US-Präsident Trump hat Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte angekündigt – woraufhin die EU und andere Länder ebenfalls mit Strafzöllen auf US-Produkte gedroht haben. Aus Sicht von Schmieding könnte eine Eskalation vor allem die Stimmung in der Wirtschaft belasten. Eine Anpassung der Kommunikation der EZB erwartet er erst im April.

Ob Draghi nicht doch schon früher handelt, wird sich auf seiner Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag zeigen.

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6 Kommentare zu "EZB-Sitzung: Was Investoren von EZB-Chef Mario Draghi heute hören wollen"

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  • Früher haben sich die Zentralbanken um die Währungsstabilität gekümmert, heute kümmert sich die EZB um das Wohlergehen der PIGS.

    Trotzdem verläuft alles nur im schatten der FED und wenn auch hier bald die Zinsen steigen, dann kippen endlich die Länder und Unternehmen, die nur noch leben, weil es Geld umsonst gibt.

  • Draghi, der Retter der EU, hat uns durch seine Staatsanleihenkäufe vor dem Staatsbankrott der Südländer bewahrt, hoffentlich kann er die Niedrigzinsen noch lange durchsetzen, sonst brechen unsere Unternehmen zusammen.

  • Draghi hat betrogen und macht das weiterhin... wie viele nationale Notenbanken müssen ihm eigentlich widersprechen bis er das zur Kenntnis nehmen muss?

    Draghi hat eigenmächtig gehandelt, es gab zudem versteckte Käufe der sürd-europäischen Notenbanken, auch darüber wird nicht mehr geredet. Welche Anleihen kauft Draghi eigentlich jetzt noch? Der Markt müte doch leer sein... Gibt es hierzu Infos?

    Und seine Arbeit für Italien? Er hat Zeit gekauft, damit Reformen gemacht werden können. Erkennbar seit langem ist, dass es keine Reformen gab (er kauft aber auf unsere Kosten weiter Zeit!). Die süd-europäische Jugend ist in der Zwischenzeit weiter arbeitslos... und unsere Target-Salden können wir bald vergessen (weil auch unsere Regierung pennt!)

    Stoppt endlich diesen Wahnsinnigen!!!

  • Nun, wer sich mit der ( Finanz ) Mafia einlässt, der muss deren Spiel spielen.
    "Aussteigen" oder das Spiel anders gestalten zu wollen ist nicht vorgesehen.

  • Viel interessanter wäre auch eine Namenliste der Investoren für die Öffentlichkeit, vor denen der Mario Draghi immer Männchen machen muss.

    Damit man mal die Spieler und Köpfe kennenlernt, die den Globalismus und damit unsere Wirklichkeit mit ihren Finanzströmen lenken und gestalten, - natürlich immer zu ihren Gunsten.

  • Wer spürt eigentlich die Aktionen des Herrn Draghi am ehesten ? Manager, Politiker oder der Bürger mit Durchschnittseinkommen? Der Bürger darf alle 4 Jahre mal seinen Reim zur Politik geben und die letzte Wahl fiel für die oberen Zehntausend überraschend aus.
    Liegt das vielliecht daran dass der Bürger viele Dinge die der nicht von den Völkern gewählte Herr Draghi in einer Cloud lebt, die mit der Realität des Bürgers gar nichts mehr zu tun hat ? Der Bürger zweifelt am Verstand oder der Redlichkeit der EZB Manager, die z.B. in ihre Infaltionsrechnungen die Mieterhöhungen, die Fahrpreiserhöhungen , die z.T. verdoppelten Gebühren der Kommunen, die rasant gestiegenen Gebühren der Banken bei Null Habenzins NICHT BERÜCKSICTIGEN. Eine Dreistigkeit der EU mit ihrer nicht demokratisch legitimieretn EZB. Da kann Herr Draghi sagen, was er will, die EU Verdrossenheit wird sich weiter steigern, wenn nichts passiert und in nicht ferner Zukunft alle Draghis nicht mehr wollen.

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