EZB und Bankencrash Banker rufen Zentralbanken zu Hilfe

Die Beben an den Finanzmärkten bringt Notenbanken unter Zugzwang, nicht zuletzt wegen der Schwäche des Bankensektors. Ein Bankenchef ruft die Zentralbanken um Hilfe – und steht damit nicht allein.
38 Kommentare
Als Krisenmanager wieder gefordert? Die EZB steht unter Druck nach dem Aktienausverkauf zum Jahresbeginn. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank in Frankfurt

Als Krisenmanager wieder gefordert? Die EZB steht unter Druck nach dem Aktienausverkauf zum Jahresbeginn.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten bringen die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Notenbanken unter Zugzwang. Sie wird im März ihre Geldpolitik auf den Prüfstand stellen. Greg Fuzesi, Ökonom der US-Großbank JP Morgan, erwartet drastische Aktionen.

Die EZB werde den Einlagenzins bis Juni auf minus 0,7 Prozent senken und ihre Anleihekäufe ausweiten, prognostiziert er in einer aktuellen Analyse. Derzeit liegt der Satz bei minus 0,3 Prozent. Als Grund nennt der Analyst den schwächeren Inflationsausblick und die großen globalen Risiken. Die Zentralbanken sollen es richten.

Und in der Finanzwelt wird der Ruf nach solchen drastischen Schritten lauter. Der Vorstandschef der italienischen Großbank fordert ein koordiniertes Vorgehen der großen globalen Zentralbanken. „Eine Zentralbank ist nicht genug, es gibt einen großen Bedarf an einer starken Koordination der großen Zentralbanken der Welt – in den USA, Europa, Japan und vielleicht China“, sagte Federico Ghizzoni am späten Dienstagabend in einem Fernsehinterview.

Er sehe derzeit keine logische Reaktionen im Markt, so Ghizzoni. Am Mittwoch erholten sich Bankaktien zwar deutlich und teilweise zweistellig, doch seit Jahresbeginn hat ein wichtiger europäischer Bankindex deutlich mehr als 20 Prozent verloren. „Für italienische Banken ist die Lage noch schwieriger als in anderen Ländern, aber derzeit stehen alle Banken in Europa und den USA unter Druck“, so Ghizzoni weiter.

Der dramatische Verfall der Bankaktien könnte deutliche Auswirkungen auf die Geldpolitik haben. In der Euro-Zone spielen die Banken eine wesentlich größere Rolle bei Finanzierung der Unternehmen als anderswo. In den USA etwa finanzieren sich diese viel stärker über den Kapitalmarkt. Die Banken haben deshalb eine Schlüsselrolle bei der Übertragung geldpolitischer Impulse auf die Realwirtschaft. In der Krise haben sie diese Impulse wegen ihrer eigenen Probleme nicht weitergegeben, was dazu geführt hat, dass Zinssenkungen der EZB weitgehend verpufften.

Seit dem Höhepunkt der Krise 2012 hat sich dies verbessert. Viele Maßnahmen der Notenbank, wie zum Beispiel die zur „Dicken Bertha“ getauften Langfristkredite der EZB an die Banken, dienten dazu, den Bankensektor zu stützen. Doch das Beben bei den Bank-Aktien könnte das in Gefahr bringen. Denn wenn ihre Aktienkurse sinken, steigen die Kapitalkosten. Das wiederum kann dazu führen, dass sie weniger Kredite vergeben.

Welche EZB-Mittel den Banken helfen könnten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: EZB und Bankencrash - Banker rufen Zentralbanken zu Hilfe

38 Kommentare zu "EZB und Bankencrash: Banker rufen Zentralbanken zu Hilfe"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Bitte nicht noch mehr Geld!
    Wie weit sollen die Anleihekurse denn noch steigen? Soll die Blase, die in den letzten Jahren aufgeblasen wurde, jetzt mit aller Macht zum platzen gebracht werden? Die Tatsache, dass die Kreditgewährung für mittelständische Unternehmen nicht zunimmt, wird daran mit Sicherheit nicht liegen. Dieser Beweis dürfte zwischenzeitlich erbracht sein. Stellt sich die Frage, wann eine Bank lieber Kredite vergibt, als das Geld am Kapitalmarkt anzulegen?

    1. Risikobudget:
    Solange die Bankbücher voll mit Risiken sind, können die Zinsen noch so niedrig sein, die Bank wird keine neuen Kredite vergeben (können). Also, zuerst müssen die Bilanzen von den Altlasten bereinigt werden. Dies trifft insbesondere auf die italienischen Banken in Bezug auf die Kreditrisiken zu, aber auch auf die Deutsche Bank in Bezug auf die Rechtsrisiken. Die Commerzbank könnte so langsam - dank staatlicher Unterstützung - darüber hinweg sein.

    2. Attraktivität der Kreditvergabe:
    Als zweite Voraussetzung muss die Kreditgewährung attraktiver sein als die Geldanlage am Kapitalmarkt. Wenn die Banken gezwungen werden Staatsanleihen (z. B. w/ LCR) zu kaufen und diese in der EK-Unterlegung gegenüber Unternehmenskrediten privilegiert sind, braucht man sich nicht wundern, wenn der Kapitalmarkt immer größer und der Kreditmarkt kleiner wird. Es ist ja grotesk, dass Banken mit einem hohen Kreditanteil Probleme haben die Vorschriften der LCR einzuhalten, während Banken mit einem geringen Kreditgeschäft hier geringere Herausforderungen haben.

    3. Profitabilität des Bankgeschäfts:
    Wenn mit jedem Euro Einlage eine negative Marge erzielt wird, kann das Geschäftsmodell von Banken schlichtweg nicht mehr aufgehen. Wenn an der Kaufmannsregel: "Im Einkauf liegt die Hälfte vom Gewinn" etwas dran ist, wird es mit Verlusten im Einkauf nicht gut gehen können.

    Also, folgende Bitten:
    1. Bereinigt die Bankbilanzen von Risiken
    2. Vernünftige Regulierung
    3. rückkehr zu einer normalen Zinspolitik

  • Es gibt mehr Geld als Heu über was regen sie alle sich eigentlich über ein paar Billionen mehr auf.

  • Die Zentralbanken agieren bereits seit geraumer Zeit koordiniert. Bei den diversen QE Maßnahmen war bereits recht deutlich sichtbar, dass es unter den Zentralbanken eine Art Rollenverteilung gab. Die eine Zentralbank marschierte mit einer mehr oder weniger unsinnigen Maßnahme voran und die anderen folgten dann im zeitlichen Abstand. Warum sonst, sollte beispielsweise die schweizerische Nationalbank für Milliarden Apple-Aktien kaufen? Es gibt nur einen nachvollziehbaren Grund: um im Verein mit den anderen Zentralbanken die überhöhten Börsenindizes abzustützen.

  • Wozu gibt es überhaupt noch Spielcasinos ?? Wir haben doch die Banken - und wenn ich einen Kredit brauche - Sparkasse! Sogar jeder Faschingsnarr weiss, dass auch die längste Party mal ein Ende hat !

  • Tja, das sind Vorboten die da auf uns wieder zurollen. Keiner will es gewesen sein und keiner will zahlen, halt bis auf den Michl, der sein sauer verdientes Geld zusammenhalten möchte!

    Wie gut, dass es doch so kleine Sparer und Steuerzahler sind, die diesen Bankenwahnsinn letztendlich ungefragt bezahlen!

    Wie war das doch gleich mit den reichsten dieser Welt?

    62 Menschen gegen den Rest!

    Schäuble hat den Italienern bereits vor einiger Zeit versprochen, dass auch die Deutschen einer europäischen Spareinlage zustimmen!

    Hey, in meinem Namen kann der nicht sprechen! Ich würde mal sagen sie sollten erst mal liefern!

    Steuererhöung für Millionäre und zwr saftige!
    Steuern von Konzernen, die sich in Europa immer noch in verschiedenen Staaten Briefkästen an die Wand hängen um keine Steuer zu bezahlen!
    Wo bitte ist die Finanztransaktionssteuer??? Die sollte kurz nach der letzten Krise eingeführt werden??

    Was glauben eigentlich die vom Volk bezahlten Personen, die das Land für den Bürger regieren sollten, wofür sie da sind?
    Bestimmt nicht um Banken und andere Länder zu retten!!!

  • Wann wird den nun endlich der große Teil der Bevölkerung mit seinem bisschen Restvermögen zur Kasse gebeten, der die Zeche schon seit Jahren mit seinem Spargroschen und seine abgewerteten Kapitallebens -u. Rentenversicherung bis zu 50% bezahlt hat und es augenscheinlich nie reichen wird. Und wchon gar nicht bis zum 90.

    Die Schließung der Maple durch die Bafin sollte zu denken geben.

    Die immer rückläufigeren Altersversorgung, Multikulti, Flüchtlingspolitik u.a. schüren nun überhaupt kein Vetrauen -trotz konservativer Koalition- dass sich früher oder später wie in dem Rest Europas rächen wird.

    So könnte sich die Geschichte wiederholen.

    Wenn der deutsche Michel satt und zufrieden ist, ändert sich nix. Nur das dürfte in der kommenden Generation der Rentner vielleicht anders werden. Insbesondere wenn die Altersversorgung klemmt und die Ansparprodukte Negativrenditen abwerfen.

    Ein gefundes Fresssen für Pegida, Petry & Co.

    Wenn es jetzt noch nicht klappt, dann halt später.

    Auf nichts ist mehr Verlass, noch nicht einmal auf die Politik.

  • Auch hier wieder Frau Merkels Baustellen werden immer größer, ihr aussitzen und "Politik auf Sicht" hat bis jetzt nur Chaos angerichtet. Eine seit Jahren total überforderte Person, die jetzt nur noch durch Rechtsbruch im Notstandsmodus regieren kann.
    Die Banken wurden nur zugekleistet mit Draghis wertlosen Geld, das keiner mehr haben wollte.
    Die deutsche Bundesbank ist untergetaucht.
    Der deutsche Finanzminister ist ganz still.
    Die deutsche Bank ist in einer bedenklichen Schieflage, die Deutschlands Steuerbürger noch in einem nie gekannten Ausmaß belasten wird, denn die Bank ist wirklich System relevant.
    Frau Merkel ist auch dafür verantwortlich, denn seit 2008 wurden keine wirklichen Grenzen für die Banken gezogen ( z.B. Aufteilung, größeres Eigenkapital, Gehälter und Bonus, Auslandsaktivitäten u.s.w.).
    Dazu kommt die Comerzbank, KfW und andere Banken in Deutschland die wackeln, von den Sparkassen noch nicht geschrieben.

  • Bankenrettung und kein Ende. Noch mehr von der bisher wirkungslosen Medizin hilft diesmal ganz sicher. Zinsen noch weiter runter, Anleihekäufe bis in astronomische Höhen treiben.Vermögenspreise aufblasen und die Reichen reicher, die Armen ärmer machen.
    Dazu passt es doch hervorragend, das derzeit gerade das Bargeld immer mehr zurück gedrängt werden soll, damit nun auch der Kleinsparer mit Negativzinsen erst zum Konsum gezwungen und wenn das nicht reicht, mit einer 10% Haushaltsrettungssteuer endgültig und direkt enteignet werden kann.
    Und wenn die Banken dann wieder für 10 Monate stabilisiert sind, ist wieder der Euro dran.
    Was ist eigentlich aus der groß angekündigten Reform des Bankensektors geworden? Was ist mit der Finanztransaktionssteuer? Wie sieht es mit der Strafverfolgung und Schadensersatzprozessen von/z.N.v. Bankmanagern aus, die ihre Institute mit ihrer mehr als grob fahrlässigen Firmenpolitik erst an den Rand der Pleite gebracht haben? Na? Nichts mehr, Schweigen im Walde, gelle!?
    Wer wird das am Ende alles ausbaden dürfen? Der Arbeitnehmer mit seinen paar Spargroschen und seiner Altersvorsorge, während die Verantwortlichen für das alles im Taunus oder sonstwo in ihren Villen das gut versteckte Vermögen aus ihren Boni genüsslich vermehren und verzehren. Ist ja widerlich!

  • Allein die Deutsche Bank hat Derivate für 52 Billionen €uro in den Büchern. Das hat mit Dienstleistungen für die Realwirtschaft nichts mehr zu tun.

    Alle Finanz"produkte" müssen nach Wirksamkeit für die Realwirtschaft überprüft werden. Alles was keinen Nutzen für die Realwirtschaft hat, wie z.B. Hochgeschwindigkeitshandel, gehört umgehend verboten. Alternativ eine Börsensteuer von 0,5% des Handelsvolumens. Dann verbietet sich Millisekundenzocken von selbst.

    Das Problem mit der Inflation ist einfach zu lösen : Lohnerhöhungen!

  • es ist von beiden nichts zu erwarten. Der Fehler wurde schon begangen, als die Eigentümer und Investoren nicht haften mußten. Damit war der Markt ausser Kraft gesetzt. Das Spiel soll sich jetzt immer wiederholen. Die Staaten haben kein Geld mehr, also sollen es die Notenbanken richten. Das wird aber nicht funktionieren.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%