EZB und Fed: Ende eines Experiments: Warum die Kehrtwende in der Geldpolitik so schwierig ist
Der Chef der US-Notenbank Fed hat einen schwierigen Weg vor sich.
Foto: APNew York, Frankfurt. Für Jerome Powell wird es langsam unbehaglich. Der hoch angesehene Chef der US-Notenbank (Fed) sieht sich zunehmender Kritik ausgesetzt. Nachdem die Fed mehr als jede andere Notenbank die Kapitalmärkte trotz Coronakrise flüssig gehalten und damit die Aktienkurse immer weiter aufgepumpt hat, fordern immer mehr Kritiker von Powell, jetzt mehr darauf zu achten, dass die Inflation nicht aus dem Ruder läuft.
Die Europäische Zentralbank (EZB) steckt – bisher noch – viel tiefer im Krisenmodus. Eine echte Inflation ist weiter entfernt als in den USA – allein schon, weil die Regierungen der Euro-Zone trotz des gemeinsamen Wiederaufbauprogramms weit weniger Geld in die Wirtschaft pumpen als die US-Regierung unter Präsident Joe Biden. Aber irgendwann wird die Debatte über eine Abkehr von der leichten Geldpolitik auch die Währungshüter in Frankfurt erreichen.
Bill Dudley, der frühere Chef der Fed in New York, gehört mittlerweile zu den Kritikern der US-Notenbank. Die im vergangenen Sommer verkündete neue Strategie, die Inflationsrate von zwei Prozent nicht mehr direkt, sondern nur noch als Durchschnittswert anzusteuern, sei zwar nachvollziehbar. „Doch so, wie die Fed ihre langfristigen geldpolitischen Rahmenbedingungen umsetzt, wird es vermutlich zu größeren Schwankungen bei den Zinsen und höheren Rezessionsrisiken kommen“, warnte Dudley diese Woche in seiner Kolumne, die er für den Finanzdienstleister Bloomberg schreibt.