EZB und Fed Trump erleichtert Draghi und Yellen längere Geldflut

Donald Trumps Wahlerfolg hat auch Folgen für die Geldpolitik, denn die wirtschaftliche Unsicherheit steigt. Das stärkt vor den wichtigen Dezember-Sitzungen der Notenbanken die Befürworter der lockeren Geldpolitik.
Update: 09.11.2016 - 15:21 Uhr 16 Kommentare
EZB-Präsident Mario Draghi: Der Ausgang der US-Wahl macht eine Verlängerung der EZB-Anleihekäufe noch wahrscheinlicher. Quelle: AP
Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi: Der Ausgang der US-Wahl macht eine Verlängerung der EZB-Anleihekäufe noch wahrscheinlicher.

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FrankfurtChefvolkswirt Peter Praet war am Mittwoch das erste hochrangige EZB-Mitglied, das sich nach dem überraschenden Sieg von Donald Trump bei der US-Wahl zu Wort meldete. Seine Botschaft: Ruhe bewahren. Es sei zu früh, um Schlüsse aus der Wahl zu ziehen, sagte Praet in Brüssel. „Wir müssen ruhig sein, ruhiger als die Märkte.“ Noch sei es zu früh, um auf das US-Wahlergebnis zu reagieren.

Bislang sind die Ausschläge an den Märkten jedoch nicht so dramatisch, wie manche befürchtet hatten. Zwar gibt es eine Flucht in Sicherheit. Die Zinsen für Bundesanleihen sind gefallen - Umgekehrt stiegen die Zinsen etwa für italienische Staatsanleihen zunächst. Eine Panik mit deutlich steigenden Risikoprämien gibt es aber bisher nicht.

Eines scheint jedoch klar: „Trumps Wahlsieg sorgt für politische Unsicherheit,“ sagt ING-Diba-Chefvolkswirt, Carsten Brzeski. Dadurch habe EZB-Chef Draghi weitere Argumente für eine Verlängerung der umstrittenen milliardenschweren Anleihekäufe der Notenbank.“ Derzeit kauft die EZB für monatlich 80 Milliarden Euro vor allem Staatsanleihen der Euro-Länder. Die Käufe sind bisher bis März 2017 geplant. Im Dezember aber will die EZB über eine Verlängerung entscheiden. Vor allem die deutschen Vertreter im EZB-Rat wie Bundesbank-Chef Jens Weidmann und Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger sehen dies kritisch.

Doch Trumps Wahlerfolg schwächt ihre Verhandlungsposition: Denn angesichts der Unsicherheit erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank Fed noch in diesem Jahr die Leitzinsen erhöht. Und das hat auch Folgen für die EZB. „Die Anhebung ist erst einmal abgesagt. Die Fed wird nicht riskieren wollen, dass die Konjunktur weiter belastet wird“, sagt der Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther. Bislang gingen viele Analysten davon aus, dass die Fed auf ihrer Dezember-Sitzung eine weitere Erhöhung verkünden wird. Für die EZB wäre eine Verschiebung schlecht. Denn dies würde tendenziell den Wechselkurs des Euros gegenüber dem US-Dollar stärken. Ein höherer Euro-Kurs dämpft die Preisentwicklung und auch das Wirtschaftswachstum. In diesem Umfeld ließe sich ein Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik schwerer vermitteln. „Wenn die Märkte wackeln, wird Yellen die Zinserhöhung im Dezember nicht wagen“, ist sich Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank sicher. Bei der Europäischen Zentralbank bereitet man sich bereits für den Notfall auf eine Intervention vor, wie EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny wissen ließ. Er befürchte eine Phase der mittelfristigen Unsicherheit, was ebenfalls das Wachstum dämpfen dürfte.

EZB-Rat: „Kein guter Tag für die Weltwirtschaft“

EZB-Chef Draghi liebäugelt ohnehin damit, die milliardenschweren Anleihekäufe der Notenbank im Dezember zu verlängern und die Regeln dafür zu lockern. Die EZB hat Arbeitsgruppen eingesetzt, die entsprechende Optionen prüfen. Bundesbank-Chef Jens Weidmann und EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger haben ihre Skepsis gegenüber einem solchen Schritt deutlich gemacht. So sprach sich Lautenschläger am Montag in einer Rede gegen weitere Zinssenkungen oder eine Verlängerung des milliardenschweren Anleihekaufprogramms aus. „Mit der Zeit wird der Nutzen geringer und die Risiken dieser Maßnahmen größer,“ sagte Lautenschläger.

Schwerere Verhandlungsposition für Kritiker der Geldflut
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16 Kommentare zu "EZB und Fed: Trump erleichtert Draghi und Yellen längere Geldflut"

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  • Wie sonst hätten in der Vergangenheit Banken und Lebensversicherungen den Sparern solch hohe Zinsrenditen versprechen und auf ihren Konten gutscheiben können?

  • Es wurde massiv umverteilt, vom Schuldner hin zu den Kapitalvermögen.

  • konträren Vermögen.

  • Neue Verschuldung bedeutet weitere Geldvermögenszuwächse beim Kapital.
    Wüsste ansonsten nicht, dass es in unserem Schuldgeldsystem anders funktionieren sollte.
    Das ist ja auch das Problem, dass wir aktuell haben, zu wenig Neuverschuldung, bei gleichzeitig null Wirtschaftswachstum.
    Es finden sich keine neuen Schuldner mehr, somit bei einer Nullzinspolitik auch keine Geldvermögenszuwächse mehr auf der Kapitalseite.

  • @ Helmut

    Die Gegenposition der Verschuldung sind immer auch die kontären Vermögen.
    Ist die Verschuldung hoch, sind auf der Gegenseite auch die Vermögen hoch.
    Die letzten Jahrzehnte gab es für die Investoren und Sparer massive Zinsgewinne, haben sie dies schon vergessen? Es wurde im großen Stil umverteilt, vom Schuldner zu den Kapital. Das Instrument dafür war der Zins und Zinseszins. Sozusagen die leistungslose Geldveremehrungsmaschine der Besitzenden und der Geldvermögen!

  • @ Hallo Holger
    Ich glaube mittlerweile, die Kapitalmärkte wollen diese EU der Selbstbediener zerschlagen.
    Dieser Staatenbund, in dem jeder macht, was er will und der Euro sollen zerstört werden, weil sich der Euro als Fehlversuch entpuppt hat.
    Europa ist eben kein Bundesstaat, sondern ein zusammengewürfeltes Nationengemisch mit den unterschiedlichsten Interessen, Geschichte, Sprachen und Kulturen.
    Sowas kann nicht funktionieren.
    Die Zerschlagung des Euros und der EU hätte bestimmt schon geklappt, wenn die EZB nicht durch Staatsfinanzierungen und Nullzinspolitik dagegengesteuert hätte. Ich denke, man sollte zur Vernunft kommen und den Euro abwickeln. Das deutsche Export-Überschussmodell, das uns immer als „Erfolg“ verkauft wird, ist auf der Ver(Über)schuldung des Auslandes aufgebaut. Gehen zudem unsere Schuldner pleite (Staatspleiten), sind nicht nur unsere Forderungen am Arsch, nein zudem müssen wir den Euro mit immer neuen Rettungspaketen vorm Kollaps retten. Der Euro ist ein Fehlveersuch und ist krachend gescheitert, das steht fest. Die Globalsierung und deutsche Wettbewerbsfähigkeit funktioniert nur dann, wenn wir uns durch den Euro an Weichwährungsländer ankoppeln und gleichzeitig den größten Niedriglohnsektor unterhalten. Das ist das „deutsche Export-Erfolgsmodell“.

  • @ Harald Trautmann
    "Wie konnte ich in der Vergangenheit nur so dumm sein, nicht die riesigen Vorteile der Globalisierung und des Raubtierkapitalismus auszunutzen..."

    Da kann man noch nicht einmal in Ruhe Kaffee trinken gehen.
    Was haben Gelddruckerei und Aufpumpen von Vermögenspreis-Blasen mit "Raubtierkapitalismus" zu tun??
    Es geht hier um Schuldenfinanzierung ("Deficit Spending", wie es so schön heißt).
    Wer lässt das Geld drucken? Pöse, pöse Unternehmen (= "Raubtiere") oder der Staat?
    Vielmehr ist es ein RAUBTIERSOZIALISMUS. Das erkennen Sie am allerbesten daran, dass Zentralbanken mit Geldmonopol (und der Möglichkeit, die Geldmenge zu verändern) eine 1:1-Umsetzung der Forderung aus dem Kommunistischen Manifest (!!!) von Marx / Engels sind:

    >>"Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."<<

    https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_(1848)

  • Geldflut und dann Inflation.

    Der schnellste Weg sich als verschuldeter Staat mit den überschuldeten Städten und Kommunen sich zu entschulden.

    Ein gewagtes Spiel!

  • Die Kapitalmärkte sind ruhig. Die Wahl Trumps sollte eigentlich kein Sachargument für eine weitere Geldschöpfungsorgie sein.

    Allerdings vermute ich dass das Ziel zumindest der EZB die Inflationierung der italienischen Staatsschulden zu Lasten der Deutschen Sparer ist und dafür ist kein Vorwand zu peinlich.

    Die links-ökologischen Meinungsmacher hatten den Brexit als Weltuntergang dargestellt. Die Börse brach kurz ein. Nachdem die Menschen festgestellt haben dass sich die Erde weiter dreht und GB sich ausserhalb der EU vielleicht besser entwickelt als in dieser orientieren sich die Märkte wieder an den Unternehmenszahlen.

    Trump wurde gem. der gleichen links-ökoreligiösen Meinungsmacher als Teufel in Person dargestellt. Ich vermute, dass sich die Menschen etwas von dieser Propaganda gelöst haben. Die Aktienmärkte haben sich bereits in Tagesfrist beruhigt.

  • Schiffsaktien

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