EZB Unternehmen sparen dank Minizinsen Milliarden

Sparer klagen über die Niedrigzinspolitik, Kreditnehmer hingegen freuen sich über den EZB-Kurs. Viele Unternehmen sparen kräftig – doch voll zur Entfaltung kommen die Maßnahmen der Währungshüter noch nicht.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unter ihrem Präsidenten Mario Draghi die Zinsen quasi abgeschafft. Quelle: Reuters
Mario Draghi

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unter ihrem Präsidenten Mario Draghi die Zinsen quasi abgeschafft.

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FrankfurtDie Unternehmen im Euroraum profitieren einer Studie zufolge teils erheblich vom Zinstief. Die reine Zinsersparnis auf Bankkredite belaufe sich für Januar 2009 bis Dezember 2015 auf gut 400 Milliarden Euro, rechnete der Chefvolkswirt der Direktbank ING-Diba, Carsten Brzeski, vor. Das seien knapp zehn Prozent des momentan ausstehenden Kreditvolumens. Die höchsten Einsparungen gab es demnach für italienische Unternehmen (86 Mrd. Euro), gefolgt von französischen (79 Mrd.) und deutschen Unternehmen (73 Mrd.).

„Während Sparer in der Eurozone also weniger über die Niedrigzinspolitik der EZB erfreut sind, haben Unternehmen von „Super Mario“ profitiert“, bilanzierte Brzeski. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unter ihrem Präsidenten Mario Draghi die Zinsen quasi abgeschafft: Der Leitzins liegt bei 0,05 Prozent. Zudem flutet die Notenbank die Märkte über den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren mit billigem Geld - mindestens noch bis März 2017.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Brzeski erklärte, Mitte 2008 seien beispielsweise Unternehmenskredite über mehr als eine Million Euro und mit mehr als fünf Jahren Laufzeit für durchschnittlich 5,6 Prozent ausgereicht worden. Im September 2015 waren vergleichbare Kredite für 2,2 Prozent Zinsen zu haben. Die durchschnittliche Laufzeit von Unternehmenskrediten im Euroraum stieg von knapp fünf Jahren (2008) auf fast fünfeinhalb Jahre (2015).

„Die lockere Geldpolitik der EZB hat ihren Weg zwar in den Unternehmenssektor der Eurozone gefunden“, stellte Brzeski fest. Allerdings seien die Investitionen trotz der Zinsersparnisse noch nicht angesprungen - etwa wegen Unsicherheiten über die Zukunft der Währungsunion und der noch immer hohen Verschuldung vieler Firmen. „Daher ist es auch noch lange nicht gesagt, ob eine nächste Runde geldpolitischer Lockerung endlich die erhoffte Wirkung haben wird“, kommentierte Brzeski. Draghi hatte Hoffnungen geschürt, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung am 10. März nachlegen wird.

  • dpa
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