Fed lässt Leitzins unverändert Das Zauberwort heißt „solide“

Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins am Mittwoch auf seinem Niedrigstand verharren lassen. Doch Yellens Wortwahl interpretierten einige Experten als Hinweis auf eine baldige Zinserhöhung.
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Die Fed-Chefin sieht „solide“ Fortschritte am Arbeitsmarkt und befeuert damit Spekulationen um eine Zinserhöhung. Quelle: AFP
Janet Yellen

Die Fed-Chefin sieht „solide“ Fortschritte am Arbeitsmarkt und befeuert damit Spekulationen um eine Zinserhöhung.

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WashingtonIn den ersten Sekunden sprangen die Aktienkurse höher, als die US-Notenbank (Fed) ihr Statement nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses bekannt gab. Doch sehr schnell wurde diese Reaktion wieder neutralisiert.

Auf den ersten Blick gab es keinerlei Hinweis auf eine Zinserhöhung schon bei der nächsten Fed-Sitzung im September. Doch dann entdeckten die Experten ein neues Wort: „solide“. Nach Meinung der Fed gibt es „solide“ Fortschritte am Arbeitsmarkt. Das hat sie so deutlich bisher nicht gesagt, deswegen kann es als ganz zarter Hinweis dienen, dass im September doch schon die erste Zinserhöhung seit neun Jahren angesagt ist.

David Kelly von JP Morgan machte darauf aufmerksam, dass in den folgenden Tagen neue wirtschaftliche Daten veröffentlicht werden, am Donnerstag zum Beispiel zum Wachstum im zweiten Quartal. Seiner Meinung nach hat sich die Notenbank auch deswegen mit deutlicheren Hinweisen zurückgehalten, weil sie diese Daten noch abwarten will.

Die Fed achtet bei ihrer Zinsentscheidung vor allem auf die Konjunktur, die Arbeitslosigkeit, das Anziehen der Löhne und die Inflation. Dabei ist die Konjunktur halbwegs robust, die Arbeitslosigkeit ist bereits niedrig, die Löhne ziehen endlich ein bisschen an, und die Inflation liegt immer noch weit unter den gewünschten zwei Prozent. Kelly macht auf einen weiteren Grund aufmerksam, der für eine baldige Zinserhöhung spricht: Die Fed will manövrierfähig werden. Zurzeit könnte sie auf einen wirtschaftlichen Einbruch nicht mit Zinssenkungen reagieren, weil die Zinsen bei Null liegen.

Die Investoren an den Kapitalmärkten sehen dem ersten Schritt mit gemischten Gefühlen entgegen. Viele sehnen sich nach einer Normalisierung der bisher extrem lockeren Geldpolitik. Bill Gross twitterte am Mittwoch: „Wo liegen die richtigen Preise?“ Er bezeichnete die Märkte als „Hütchenspiel“. Erst nach einer Normalisierung wird wieder deutlich, mit welchem Zinsniveau und welchen Kursen man auf Dauer zu rechnen hat. Zugleich fürchten andere Investoren immer noch eine heftige Kursreaktion nach der ersten Zinserhöhung.

Wo die nächste Blase platzen könnte
Wenn die Blase lauert
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Seitdem die US-Immobilienblase 2007/2008 mit weltweit katastrophalen Folgen geplatzt ist, versuchen Experten, schon vorab die Risiken eines Luftgebildes an den Anleihemärkten zu erkennen. In einer aktuellen Untersuchung hat die Citigroup nun vier Kriterien für eine Blasenbildung definiert: 1. eine Erfolgsgeschichte eines Marktsegments wird zunächst von überzeugenden Daten gestützt; 2. ein Überschuss an Liquidität befeuert den Markt; 3. ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und, 4., die Unwilligkeit, Kritik an dem Geschäft zu äußern beziehungsweise anzunehmen.

Standardabweichung als Gradmesser
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Anhand dieser Kriterien hat die Bank analysiert, wo derzeit potenzielle Gefahrenherde lauern. Als Gradmesser für die jeweiligen Bereiche hat das Geldhaus einen Durchschnittswert der Aktienkurse im Verhältnis zu Buchwerten ermittelt. Liegen die Kurse deutlich über dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre – konkret, ist die berechnete Standardabweichung größer als 2,0 – droht den Analysten zufolge eine gefährliche Blase. Diese Annahme basiert darauf, dass die Preise auch bei früheren wirtschaftlichen Rezessionen über diesem Wert lagen. Die Tech-Blase 2000 hatte einen Vergleichswert von 3,7 erreicht.

Branchen: US-Werk- und Rohstoffe
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Allgemein gelten der Einzelhandel, Gebrauchsgüter und Kundenservice als gefährdet. Die Citigroup hat die einzelnen Branchen allerdings auch noch mal danach ausgewertet, in welchen Regionen die Preise überbewertet sind. Als kritisch gilt in der Untersuchung demnach die Branche der Werk- und Rohstoffe in den Vereinigten Staaten. Sie berührt mit einer Standardabweichung von 2,0 die Schwelle, an der eine Blase erkennbar ist.

US-Medien
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Etwas kritischer sieht es schon bei den US-Medien aus. Der Einschätzung der Citigroup nach zählt die Branche zu einer der teuersten weltweit und übersteigt auch die kritische Standardabweichung von 2,0.

Pharma- und Biotech-Branche in Europa und Großbritannien
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Auch Europa wird von einer Blase bedroht. Nach Angaben der Citigroup sind erste Anzeichen in der Pharma- und Biotech-Branche auf dem alten Kontinent zu erkennen. Mit einer Standardabweichung von 2,25 könnte auch dort eine Blase entstehen.

Japanische Lebensmittel- und Getränkebranche
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In Japan bildet sich eine Blase bei Lebensmitteln und Getränken. Die Branche wirke überteuert, schreiben die Studienmacher. Mit einer Standardabweichung von 2,4 liegen die Preise klar über der Schwelle von 2,0.

US-Einzelhandel
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Eine weitere US-Branche, der eine Blase droht: der Einzelhandel. Er liegt mit einem Wert von 2,6 deutlich über dem durchschnittlichen Preislevel der vergangenen zehn Jahre, anhand derer die Standardabweichung bemessen wird.

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