Fed-Protokolle: Folgen der Bankenkrise: US-Notenbanker erwarten Rezession in den kommenden Monaten
Die Fed hält womöglich nur noch „eine gewisse zusätzliche geldpolitische Straffung“ für angebracht.
Foto: ReutersWashington. Die Zinsdiskussionen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) haben am Mittwoch die Anleger an der Wall Street verunsichert. Zwar haben sich die Währungshüter bei ihrer vergangenen Sitzung im März für eine weitere Zinserhöhung entschieden. Doch die hohen Risiken für die Wirtschaft haben in der Debatte eine zentrale Rolle gespielt. Das geht aus den Protokollen der Sitzung vor, die am Mittwoch veröffentlicht wurden.
So betonte das ökonomische Team der Fed in einem Report, dass eine milde Rezession in diesem Jahr wahrscheinlich sei. Die Notenbanker betonten damit, dass sie bereit seien, eine Rezession in Kauf zu nehmen. Ähnlich hatte sich am Mittwoch auch der Chef der regionalen Notenbank in Richmond, Thomas Barkin, geäußert.
Der Leitindex Dow Jones, der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq drehten nach der Veröffentlichung der Daten ins Minus. „Eine Rezession ist an den Märkten noch nicht eingepreist“, gab Cameron Dawson, Investmentchefin beim Vermögensverwalter New Edge, im US-Börsensender CNBC zu bedenken. Viele Trader hatten darauf spekuliert, dass es die Fed nicht so weit kommen lassen würde.
Mehrere US-Währungshüter hatten angesichts der Bankenkrise auf ihrer Sitzung im März eine Zinspause erwogen. Letztlich verwarfen sie diese Idee aber wieder, auch weil die Notenbanker die Krisenmaßnahmen der Fed nach dem Zusammenbruch zweier US-Regionalbanken als ausreichend erachteten, um die Lage im Finanzsektor zu beruhigen.
Aus den Protokollen geht auch die Erwartung hervor, dass die Inflationsraten schon bald deutlich zurückgehen werden. Der Trend sinkender Inflationsraten hat sich im März verfestigt, zeigen die jüngsten Daten vom Mittwoch. Demnach ist die Teuerungsrate von 6,0 auf 5,0 Prozent gesunken. Doch gleichzeitig stieg die für die Fed wichtige Kerninflationsrate von 5,5 auf 5,6 Prozent.
Fed: Nächster Zinsentscheid steht Anfang Mai an
Die Fed entscheidet am 3. Mai das nächste Mal über die weitere Zinsstrategie. Eine weitere Anhebung der Zinsen um einen Viertelprozentpunkt gilt derzeit als wahrscheinlich. Die Geldpolitiker könnten die Zinsen danach jedoch weniger stark anheben, als sie noch vor der Bankenkrise gedacht hatten, wie die Protokolle zeigen. Die März-Anhebung um 25 Basispunkte, trotz der Turbulenzen in der Bankenbranche, war die neunte in Folge.
Die Strategie der Notenbanker ist riskant, warnte Diane Swonk, Chefökonomin von KMPG am Donnerstag. „Die Schlüsselfrage ist, inwieweit die Fed das Ausmaß einer Rezession kalibrieren kann“, so Swonk. Nach der Pleite der Silicon Valley Bank zeichnet sich eine deutliche Verknappung der Kredite an. Und wenn die Wirtschaft einmal in einen Abwärtsstrudel gerate, sei es schwierig, diesen genau zur richtigen Zeit zu stoppen.
Das gilt auch für den Arbeitsmarkt, der sich zuletzt deutlich abgekühlt hat. Wenn Entlassungswellen einmal beginnen, warnen Ökonomen, ließen sich diese nicht so schnell wieder umdrehen. Torten Slok, Chefökonom des Finanzinvestors Apollo, geht davon aus, dass es die Fed mit den Zinserhöhungen zu weit treiben werde und die Zinsen noch in diesem Jahr wieder senken könnte, um die Wirtschaft und das Finanzsystem zu stabilisieren.
Die US-Währungshüterin Mary Daly ließ offen, wie es geldpolitisch weitergeht. „Mit Blick auf die Zukunft gibt es gute Gründe zu der Annahme, dass die Politik möglicherweise stärker gestrafft werden muss, um die Inflation zu senken“, sagte die Chefin des Fed-Bezirks San Francisco in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah. Aber es gebe auch gute Gründe für die Annahme, dass sich die Wirtschaft auch ohne zusätzliche geldpolitische Schritte abkühlen werde.
Mit Agenturmaterial