Federal Reserve Gipfeltreffen der (Ex-)US-Notenbankchefs

Bei einem seltenen Zusammentreffen der amtierenden US-Notenbankchefin und ihrer Vorgänger, herrscht Zufriedenheit mit der Lage der US-Wirtschaft. Doch es fallen auch mahnende Worte.
Diskussionsrunde in New York: US-Notenbankchefin Janet Yellen mit zwei ihrer Vorgänger. Alan Greenspan war auch dabei – allerdings per Video-Schaltung. Quelle: AP
Janet Yellen, Ben Bernanke, Paul Volcker

Diskussionsrunde in New York: US-Notenbankchefin Janet Yellen mit zwei ihrer Vorgänger. Alan Greenspan war auch dabei – allerdings per Video-Schaltung.

(Foto: AP)

New YorkDie Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, hat Sorgen über eine bevorstehende Rezession in den USA zerstreut. „Diese Volkswirtschaft befindet sich auf einem soliden Kurs“, sagte die Fed-Chefin. Blasen auf den Finanzmärkten, von denen zuletzt im Präsidentschaftswahlkampf immer wieder die Rede war, sehe sie nicht.

Yellen sprach auf einer Veranstaltung in New York, bei der sie gemeinsam mit ihren Vorgängern, Ben Bernanke und Paul Volcker auf der Bühne saß. Alan Greenspan wurde per Video-Schalte aus Washington zugeschaltet. Alle Notenbank-Experten gaben sich betont einig: „Die US-Wirtschaft bewegt sich nach vorn“, sagte Ben Bernanke, der 2014 das Amt an Yellen übergab. „Ich sehe keinen Grund, warum eine Rezession in 2016 wahrscheinlicher sein soll als 2015 oder 2014.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Greenspan mahnte jedoch zu mehr Produktivitätsgewinnen an, denn nur so könne die größte Volkswirtschaft der Welt schneller wachsen. Organisiert wurde das Treffen von der Organisation „International House“, die junge Leute aus der ganzen Welt zusammenbringt und fördert. Medienberichten zufolge haben die Eintrittskarten tausend Dollar gekostet.

Das Treffen der Notenbanker fällt in eine Zeit, in der Politiker und Investoren besonders intensiv die Aktivitäten der Zentralbanken verfolgen. Yellen hatte sich erst vergangene Woche dafür ausgesprochen, die Zinsen in diesem Jahr nur vorsichtig anzuheben und damit auch intern eine große Diskussion ausgelöst. Japan dagegen hat negative Zinssätze eingeführt, die Europäische Zentralbank erst im März die Geldpolitik noch einmal gelockert.

Die Fed hatte im Dezember zum ersten Mal seit fast zehn Jahren die Zinsen wieder erhöht und damit als erste Notenbank die Zinswende eingeleitet. War das eine Fehlentscheidung? Yellen winkt ab: „Ich denke nicht, dass die Entscheidung im Dezember ein Fehler war. Wir bleiben auf einem vernünftigen Weg.“

„Glücklicherweise muss ich mich nicht kümmern“

Die ehemaligen Notenbank-Chefs wirken gelöst und zu Scherzen aufgelegt. Auf die Frage, wie die Bilanzsumme der Fed wieder verkleinert werden könnte, nachdem sie unter Bernanke auf über vier Billionen Dollar angeschwollen war, antwortete er trocken: „Glücklicherweise muss ich mich darum nicht mehr kümmern.“

Auch bei einem weiteren Thema herrscht Einigkeit: Yellen hatte zuletzt immer wieder betont, dass die Fed bei ihren Entscheidungen auch die wirtschaftlichen Situationen in anderen Teilen der Welt berücksichtigen müsse und dafür auch innerhalb des Zinsausschusses Kritik bekommen. Ihre Vorgänger pflichten ihr jedoch bei, allen voran Alan Greenspan. „Es wäre töricht zu glauben, dass wir unabhängig vom Rest der Welt handeln können“, stellte er klar. Yellens Gegner haben hoffentlich zugehört.

Zum hundertjährigen Jubiläum des „Federal Reserve Acts“, der die US-Notenbank schuf, hatten sich im Dezember 2013 alle vier noch lebenden (Ex-)Fed-Chair(wo)men in einem Raum getroffen. Quelle: AP
Janet Yellen, Paul Vocker, Alan Greenspan, Ben Bernanke

Zum hundertjährigen Jubiläum des „Federal Reserve Acts“, der die US-Notenbank schuf, hatten sich im Dezember 2013 alle vier noch lebenden (Ex-)Fed-Chair(wo)men in einem Raum getroffen.

(Foto: AP)

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