Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fehler im Auswahlverfahren EZB-Einstellungstests verführten zum Mogeln

Bewerber bei der EZB konnten wegen eines Fehlers im Auswahlverfahren leicht betrügen. Obwohl das Problem lange bekannt war, hat die Notenbank erst jetzt reagiert.
19.12.2018 - 15:31 Uhr Kommentieren
Die Notenbank hat Probleme bei ihren Online-Tests jahrelang ignoriert. Quelle: dpa
EZB-Zentrale in Frankfurt am Main

Die Notenbank hat Probleme bei ihren Online-Tests jahrelang ignoriert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Wer für die Europäische Zentralbank arbeiten will, muss sich in einem harten Wettbewerb durchsetzen. Um überhaupt zu einem Interview eingeladen zu werden, müssen Bewerber einen aufwendigen Eingangstest absolvieren.

Dabei geht es um einen langen Fragenkatalog, in dem zum Beispiel nummerische Fähigkeiten, logisches Denken und Abstraktionsvermögen getestet werden. Seit 2014 führt ein externer Dienstleister den so genannten „profiling for success“ Test im Auftrag der EZB durch.

Anhand der Ergebnisse trifft die EZB dann eine Vorauswahl aus zum Teil hunderten Bewerbern. Das Kalkül: Nur die Besten sollen sich durchsetzen und zu Interviews eingeladen werden.

Allerdings gab es bei den Auswahlverfahren schwerwiegende Fehler, über die die Süddeutsche Zeitung zuerst berichtet hat. Obwohl die Probleme der EZB lange bekannt waren, hat sie erst jetzt reagiert. Bewerber mussten sich nicht persönlich für das Verfahren identifizieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dadurch wurde Betrug leicht gemacht: Mogler konnten sich unter falschem Namen auf eine Stelle bewerben und so die Testfragen erfahren. Danach konnten sie sich unter richtigem Namen anmelden und hatten mit dem Wissen deutlich bessere Chancen, die Hürde zu bewältigen.

    Zum Teil kursierten die Lösungen sogar in Internet-Foren wie auf der Seite „Economic Job Market Rumors“, auf der sich Volkswirtschaftsstudenten und Doktoranden austauschen. Im Intranet der EZB schrieben Mitarbeiter, dass zumindest in den vergangenen 12 Monaten stets dieselben Fragen in derselben Reihenfolge abgefragt worden seien.

    Ein erfolgreiches Abschneiden im Eignungstest ist nur die erste Hürde um einen Job bei der EZB zu bekommen. Wer reüssiert, muss weitere Tests absolvieren, bei denen schlechte Bewerber ausscheiden.

    Das Problem ist aber: Mogler können die Statistik so verzerren, dass es selbst sehr gute Kandidaten unter Umständen nicht in die nächste Runde schaffen, wenn sie ehrlich bleiben. Das setzt aus Sicht von Kritikern fatale Anreize für Fehlverhalten.

    Bei den betroffenen Stellen handelt es sich auch um Positionen in der Bankenaufsicht. Dies ist auch deshalb pikant, weil eine der wichtigsten Aufgaben der Bankenaufseher darin besteht, zu prüfen, ob es Fehlverhalten bei Banken gibt. Die Fehler im Auswahlverfahren aber machen die Bankenaufseher angreifbar.

    „Man kann nicht ausschließen, dass es in der Bankenaufsicht Leute gibt, die ihren Job bekommen haben, indem sie betrügerische Praktiken angewendet haben,“ sagt Emmanuel Larue, Chef der EZB-Gewerkschaft IPSO.

    Die EZB sagt zu den Vorwürfen, dass sie einige Ergebnisse der Online-Tests annulliert habe, nachdem Unregelmäßigkeiten ans Licht gekommen seien. Nun wolle man einen neuen externen Anbieter für die Eingangstests suchen mit besseren Sicherheitsvorkehrungen. „Wir bedauern die Verzögerungen bei Bewerbungsverfahren und die Unannehmlichkeiten für Kandidaten, die den Test ohne böse Absichten absolviert haben.“

    Die Unregelmäßigkeiten waren durch Beschwerden von Mitarbeitern im Intranet der EZB bekannt geworden. Dabei ging es um Analystenstellen in der Bankenaufsicht. Dort beschwerten sich Mitarbeiter unter anderem darüber, dass Betrug sehr einfach sei und Listen mit den Lösungen für den Test kursieren würden. Nach extrem vielen Beiträgen dazu im Intranet der EZB reagierte die Personalabteilung schließlich.

    Die Frage ist allerdings, warum dies erst jetzt passierte. „Der Betriebsrat hat der EZB bereits vor mehr als zwei Jahren seine Bedenken hinsichtlich des Eingangstests mitgeteilt. Das Problem ist, dass er ignoriert wurde,“ sagt Emmanuel Larue.

    In einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, warnt der Betriebsrat bereits im Oktober 2016, dass die Online-Tests „berechtigte Zweifel wecken.“ In dem Brief an EZB-Personalchefin, Anne-Sylvie Catherin, heißt es: „Die Tests müssen Online absolviert werden und die Identität der Kandidaten wird dabei nicht überprüft. Das öffnet die Tür für Betrug.“

    Auch die Chefin der Bankenaufsicht, Danièle Nouy, und ihre Stellvertreterin, Sabine Lautenschläger, sollen bereits 2017 informiert worden sein. Trotz der Bedenken wurde das Testverfahren aber bis vor kurzem beibehalten. Die EZB wollte dies nicht kommentieren.

    Startseite
    Mehr zu: Fehler im Auswahlverfahren - EZB-Einstellungstests verführten zum Mogeln
    0 Kommentare zu "Fehler im Auswahlverfahren: EZB-Einstellungstests verführten zum Mogeln"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%