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Finanzkrise Griechenlands Finanzminister lockert die Kapitalkontrollen

Griechische Bürger können ab Oktober wieder ohne Einschränkungen Bargeld abheben. Auch die verbleibenden Kapitalverkehrskontrollen sollen bald aufgehoben werden.
Update: 27.09.2018 - 18:30 Uhr Kommentieren
An griechischen Geldautomaten können Bürger künftig wieder unbeschränkt Geld von ihren Konten abheben. Quelle: dpa
Unbeschränktes Abheben

An griechischen Geldautomaten können Bürger künftig wieder unbeschränkt Geld von ihren Konten abheben.

(Foto: dpa)

AthenAb kommender Woche können die Griechen wieder nach Herzenslust ihre Bankkonten erleichtern: Finanzminister Euklid Tsakalotos gab am Donnerstag eine Lockerung der vor mehr als drei Jahren eingeführten Kapitalkontrollen bekannt. Die wichtigsten Änderungen: Vom 1. Oktober an können Bankkunden wieder Bargeld in unbegrenzter Höhe von ihren Konten anheben. Noch liegt die Obergrenze bei 5.000 Euro im Monat. Bei Auslandsreisen dürfen die Griechen künftig 10.000 Euro mitnehmen oder im Ausland ihre Kreditkarten entsprechend belasten – bisher waren es maximal 3.000 Euro.

Eine wichtige Erleichterung für Firmen und Geschäftsleute: Überweisungen ins Ausland sind ab Montag in einer Höhe von bis zu 100.000 Euro pro Tag und Geschäftsvorgang erlaubt. Noch liegt die Obergrenze bei 40.000 Euro. Wer Geld aus dem Ausland nach Griechenland gebracht und dort investiert hat, darf in Zukunft die Kapitalerträge oder Dividenden in voller Höhe wieder ins Ausland transferieren. Diese Lockerung kommt vor allem ausländischen Investoren entgegen.

Griechenland hatte die Kapitalkontrollen Ende Juni 2015 eingeführt. Sie sollten den drohenden Zusammenbruch des griechischen Finanzsystems abwenden. Damals hatten Premierminister Alexis Tsipras und sein exzentrischer Finanzminister Yanis Varoufakis mit ihrer Konfrontationsstrategie gegenüber den internationalen Gläubigern das Land an den Rand des Staatsbankrotts geführt. Während Tsipras und Varoufakis über Monate im Dauerclinch mit der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds lagen, plünderten die Griechen aus Angst vor einem Grexit und einer Staatspleite ihre Bankkonten.

Die Einlagen bei den Geschäftsbanken schmolzen im ersten Halbjahr 2015 von 160,3 Milliarden Euro auf 122,2 Milliarden. Das Geld floss teils ins Ausland, teils horteten die Menschen große Bargeldbestände in Schließfächern, häufig auch in ihren Wohnungen.

Im Juni 2015 beschleunigte sich die Kapitalflucht dramatisch. Binnen drei Wochen flossen mehr als 7,5 Milliarden Euro ab. Die griechischen Geldinstitute drohten auszubluten. Als die EZB daraufhin ankündigte, den griechischen Banken die Liquidität zu kappen, musste Finanzminister Varoufakis Kapitalkontrollen einführen – und wenig später seinen Stuhl räumen. Unter dem Druck der drohenden Staatspleite einigte sich Tsipras Anfang August mit den Geldgebern auf ein Rettungsprogramm, das strikte Spar- und Reformauflagen enthielt.

Drei Wochen lang blieben die griechischen Banken geschlossen. Vor den Geldautomaten bildeten sich lange Schlangen. Anfangs durften die Menschen pro Tag maximal 60 Euro von ihren Konten abheben. Auslandsüberweisungen waren zunächst ganz verboten. Neue Bankkonten durften nicht eingerichtet werden. Die Kapitalkontrollen trieben in den folgenden Monaten tausende kleine und mittelgroße Unternehmen in die Pleite, weil sie keine Auslandgeschäfte mehr abwickeln konnten.

Schrittweise hat die Regierung in den vergangenen Jahren die Kapitalkontrollen gelockert. Dass nun Abhebungen in unbegrenzter Höhe möglich sind, ist für die meisten Menschen nicht von großer praktischer Bedeutung. Schon die bisher geltende Obergrenze von 5000 Euro konnte kaum jemand ausschöpfen. Die Einkommen sind im Laufe der acht Krisenjahre um etwa ein Drittel gefallen.

Das durchschnittliche Bruttogehalt in der Privatwirtschaft liegt bei knapp 1200 Euro im Monat. Eine spürbare Erleichterung vor allem für Geschäftsleute sind hingegen die ab Montag geltenden deutlich höheren Obergrenzen bei Auslandsüberweisungen und Auslandsreisen.

Die Kapitalkontrollen haben 2015 die Kapitalflucht gebremst und das drohende Ausbluten der Banken abgewendet. Am 20. August beendete Griechenland das Hilfsprogramm. Die verbleibenden Kapitalkontrollen sollen so bald wie möglich aufgehoben werden, teilte das Finanzministerium am Donnerstag mit. Das Vertrauen der Griechen in ihre Banken kehrt aber nur sehr langsam zurück.

Nach Angaben der griechischen Zentralbank wuchsen zwar die Einlagen der Geschäftsbanken im August um 1,33 Milliarden Euro. Es war der siebte monatliche Anstieg in Folge. Die Depositen liegen aber immer noch weit unter dem Vor-Krisenniveau: Im September 2009 beliefen sich die Einlagen der griechischen Banken auf fast 238 Milliarden Euro. Heute sind es nur 131,6 Milliarden.

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