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Finanzmärkte Chinas unterschätzter Einfluss auf die Geldpolitik

Schwächelt Chinas Wirtschaft, reagieren Notenbanken weltweit: Ein Asien-Experte zeigt Zusammenhänge der Geldpolitik – mit überraschenden Ergebnissen.
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Chinas Wirtschafts- und Geldpolitik zeigt weltweit Wirkung. Quelle: dpa
Containerhafen von Schanghai

Chinas Wirtschafts- und Geldpolitik zeigt weltweit Wirkung.

(Foto: dpa)

FrankfurtWer das mitunter chaotische Geschehen an den weltweiten Finanzmärkten verstehen will, fängt am besten mit der US-Notenbank Fed an. Denn die Fed hat mehr direkten Einfluss auf Zinsen und Kurse als irgendeine andere Institution. Aber die Notenbank reagiert ihrerseits auf Signale, die von weit her kommen – aus China. Davon ist Gerwin Bell überzeugt, Asien-Ökonom bei PGIM Fixed Income, Investmenttochter des US-Versicherers Prudential.

„Mich erinnert die Situation zurzeit an das zweite Halbjahr 2015“, sagt er. Damals schalteten die Notenbanken weltweit einen Gang zurück. Die Fed wagte zwar einen kleinen Zinsschritt im Dezember, hielt dann aber ein Jahr lang still.

Die Europäische Zentralbank (EZB) startete im selben Jahr ein Anleihekaufprogramm. Die japanische Notenbank erfand 2016 ein Programm zu Kontrolle der kurz- und der langfristigen Zinsen. Der Auslöser für die Maßnahmen der drei Notenbanken war ein Schwächeanfall der chinesischen Volkswirtschaft. Und die Folge der lockeren Geldpolitik war, dass sich der Aufschwung an den Märkten weltweit fortsetzte.

Im Jahr 2018 gab es eine ähnliche Entwicklung wie 2015. Wie unter anderem die Volkswirte der US-Bank Jefferies analysiert haben, versuchte die Regierung in Peking zunächst, die interne Verschuldung zu bremsen, vor allem die Kreditvergabe außerhalb des offiziellen Bankensektors. Das führte zu merklichem Druck auf das Wirtschaftswachstum in China.

Die Folgen waren an den Kapitalmärkten weltweit spürbar. Die Fed schaltete zur Jahreswende 2018/2019 deutlich zurück und stellt jetzt keine weiteren Zinserhöhungen für das laufende Jahr mehr in Aussicht. Die EZB hat zwar ihr Programm zum Ankauf von Anleihen netto auf null gestellt, aber zugleich die erste Zinserhöhung auf unbestimmte Zeit vertagt.

Märkte verdrängen den vergangenen Einbruch

Wieder zeigt sich das Bild: Probleme in China, große Sorgen weltweit, an den Notenbanken gewinnen die „Tauben“, die Anhänger einer weichen Geldpolitik, die Oberhand.

China hat allerdings seit dem Spätsommer den Hebel wieder umgelegt. In diesem Punkt sind sich alle Ökonomen einig. Auch Jefferies hat registriert, dass es Peking wieder wichtiger ist, das Wirtschaftswachstum zu unterstützen, als den sogenannten Schattenbanken-Sektor zurechtzustutzen, der maßgeblich verantwortlich für die hohe Verschuldung ist. Die offene Frage ist, wie es weitergeht.

„Ich gehöre zu denen, die eine kräftige Ausdehnung der Kredite erwarten“, sagt Bell mit Blick auf China, räumt aber ein, dass es dazu verschiedene Meinungen gibt. Folgt man seinem Szenario und behält den Einfluss aus Peking im Auge, dann ist aber in absehbarer Zeit auch wieder ein Anziehen der Geldpolitik möglich.

Schon jetzt scheinen die Märkte den Absturz der Aktienkurse gegen Ende 2018 ja mehr und mehr zu vergessen. Das beeinflusst – wenn auch manchmal unausgesprochen – letztlich auch die Notenbanken. Denn gute Märkte stärken das Vertrauen und fördern die Wirtschaft. Bisher allerdings, merkt Torsten Slok von der Deutschen Bank an, spiegeln die wirtschaftlichen Daten den Umschwung noch nicht wider.

Tritt das von Bell prognostizierte Szenario ein, dürfte es aber wieder ein weltweites Aufatmen geben – und den Notenbanken damit den Spielraum einräumen, die Zügel etwas anzuziehen und ihre Geldpolitik weiter zu normalisieren.

Schwellenländer hängen von Chinas Konjunktur ab

Bell erklärt aus der heutigen Konstellation heraus auch das gute Abschneiden der Schwellenländer in den vergangenen Monaten. Sie reagieren in der Regel positiv auf Wachstum in China und auf niedrige Zinsen in den USA. Weil China wieder aufs Gas drückt und die Fed noch nicht auf die Bremse, ergibt sich somit eine ideale Situation. Bell warnt allerdings: „Es ist schwer einzuschätzen, wie viel von dieser guten Entwicklung die Märkte schon vorweggenommen haben.“

Außerdem droht den Schwellenländern auf mittlere Sicht auch ein Risiko aus China. Das Land hat seine traditionellen Exportüberschüsse inzwischen auf null gesenkt und dürfte bald mehr einführen als ausführen. Wenn das passiert, braucht es internationales Kapital zur Finanzierung. Das dürfte zumindest zum Teil zu Lasten anderer Schwellenländer gehen.

„Damit entsteht das Risiko einer Schwächung der Währungen in den Emerging Markets, vor allem in Asien“, sagt Bell. Der Währungseffekt wäre in diesem Fall aus seiner Sicht deutlicher abzuleiten als der Einfluss auf die Kurse von Wertpapieren oder die Bonität von Anleihegläubigern.

Auf längere Sicht tut sich ohnehin ein gemischtes Panorama auf. Auch wenn die Regierung in Peking die Geldschleusen wieder öffnet, wird sie irgendwann gezwungen sein, erneut vorsichtiger zu agieren, um die Verschuldung nicht zu hoch zu treiben. Daher sind in den kommenden Jahren weitere Schwankungen an den Kapitalmärkten zu erwarten, die letztlich von China ausgelöst werden.

Bell sagt: „Um diese Schwankungen zu vermeiden, müsste die Regierung in Peking ihr Wachstumsziel senken. Das dürfte sie aber aus Sorge um die politische Stabilität des Landes scheuen.“ Daher wird es auf längere Sicht angeraten sein zu beobachten, was in China passiert: Jeder Druck aufs Gas- oder Bremspedal in Peking hat, meist mit etwas Verzögerung, weltweit Konsequenzen.

Mehr: Fed-Chef Powell sorgt sich um globales Wachstum – und plädiert für „geduldige“ Zinspolitik

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