Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Finanzstabilitätsbericht Bundesbank warnt vor Risiken für die Banken

Wegen dem seit vielen Jahren anhaltenden Wachstum und den niedrigen Zinsen gehen die Geldhäuser höhere Risiken ein. Dreht sich die Situation, kann das teuer werden.
Update: 21.11.2019 - 16:25 Uhr Kommentieren
Die Kreditvergabe der Banken werde zunehmend riskanter, befürchtet die Bundesbank. Quelle: imago/Jan Eifert
Frankfurter Skyline im Nebel

Die Kreditvergabe der Banken werde zunehmend riskanter, befürchtet die Bundesbank.

(Foto: imago/Jan Eifert)

Frankfurt Auch wenn die deutsche Wirtschaft derzeit schwächelt, steckt sie noch immer in einer der längsten Wachstumsphasen der Nachkriegszeit. Seit 2009 legt sie Jahr für Jahr ununterbrochen zu. Die Bundesbank sieht durch das lange Wachstum und die historisch niedrigen Zinsen jedoch die Gefahr, dass sich immer größere Risiken im Finanzsystem aufbauen.

„Die Verwundbarkeit hat zugenommen“, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Präsentation des Finanzstabilitätsberichts. „Ein unerwarteter Konjunktureinbruch und abrupt steigende Risikoprämien könnten das deutsche Finanzsystem empfindlich treffen.“ Gefahren sieht Buch in diesem Fall vor allem auf die Banken zukommen.

Der Bericht verweist darauf, dass die Banken in ihren Risikomodellen die Gefahr eines Konjunktureinbruchs nicht mehr so stark berücksichtigen wie früher. Die Modelle richten sich vor allem nach der Entwicklung der vergangenen Jahre.

Zuletzt war die Quote der Insolvenzen und der Kreditausfälle wegen des außergewöhnlich langen wirtschaftlichen Aufschwungs jedoch sehr gering. Entsprechend hätten die Banken ihre Risikovorsorge reduziert. „Die zukünftige Entwicklung der Kreditrisiken könnte damit aber unterschätzt werden“, heißt es im Bericht.

Nach Analyse der Bundesbank haben die Geldhäuser zuletzt verstärkt Kredite an Unternehmen vergeben, die besonders konjunkturanfällig sind. Insgesamt hat sich die Bonität dieser Unternehmen, auch wegen des langen Aufschwungs, zwar verbessert. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass die Kredite im Falle eines unerwarteten Konjunktureinbruchs stärker ausfallen. „Die Hinweise, dass Kreditrisiken unterschätzt werden könnten, verdichten sich“, sagte Buch.

Grund für den höheren Anteil von Krediten an relativ riskantere Unternehmen ist aus Sicht der Bundesbank die Tatsache, dass sich andere Unternehmen stärker durch Eigenkapital finanzieren oder zur Finanzierung direkt an den Kapitalmarkt gehen.

Bundesbank sieht kleine Immobilien-Preisblase

Auch der steigende Anteil langlaufender Wohnimmobilienkredite könnte für Banken zum Problem werden. Mittlerweile hat jeder zweite neue Wohnungsbaukredit eine Laufzeit von mehr als zehn Jahren. Verluste drohen, wenn sich das Zinsniveau ändert, oder wenn sich Wertannahmen für Häuser und Wohnungen, die als Sicherheiten für Kredite dienen, als zu optimistisch erweisen.

Eine Preisblase am deutschen Immobilienmarkt sieht die Bundesbank weiterhin nicht – auch wenn Wohnungen und Häuser in deutschen Städten nach ihrer Einschätzung um 15 bis 30 Prozent überbewertet sind. Die Bundesbank verweist darauf, dass Wohnungskredite nach wie vor einen relativ hohen Eigenanteil haben.

Wenn es zu Preiskorrekturen kommt, kann das für die Betroffenen zwar schmerzlich sein. Die Folgen für das Finanzsystem wären aber begrenzt. „Wir sehen aktuell keine Hinweise darauf, dass wir eine kreditgetriebene Spekulationsdynamik an den Märkten haben“, sagte Buch. Sie verwies jedoch auch darauf, dass weitere Daten für eine bessere Analyse nötig seien. Bislang gibt es zum Beispiel keine guten Daten zu den Vergabestandards bei Immobilienkrediten.

Wegen der langen Zinsbindung bei Immobilienkrediten könnten also steigende Zinsen für die Banken zum Problem werden. Doch auch wenn die Zinsen niedrig bleiben, belastet das die Banken, weil dann tendenziell ihre Zinserträge sinken.

Passend zu den Warnungen der Bundesbank senkte die Ratingagentur Moody’s am Donnerstag ihren Ausblick für das deutsche Bankensystem. Wegen der niedrigen Zinsen werde die Profitabilität der Geldhäuser sinken und sich die Kreditwürdigkeit der Institute insgesamt eintrüben, erklärte sie. Die Bonitätswächter senkten den Ausblick für das deutsche Bankensystem daher von „stabil“ auf „negativ“.

Mehr: Die Experten von Moody's haben den Ausblick für Deutschlands Geldhäuser auf negativ gesenkt. Schuld sind die Minuszinsen und hausgemachte Probleme.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Finanzstabilitätsbericht - Bundesbank warnt vor Risiken für die Banken

0 Kommentare zu "Finanzstabilitätsbericht: Bundesbank warnt vor Risiken für die Banken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.