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Finanzstabilitätsbericht Bundesbank warnt vor Verwundbarkeit des Finanzsystems – Das sind die drei größten Risiken

Die Bundesbank fürchtet, dass sich Banken von der guten Konjunktur blenden lassen und Kreditrisiken unterschätzen. Auch bei Vermögenspreisen und Immobilienkrediten sieht sie Gefahren.
Update: 14.11.2018 - 15:34 Uhr Kommentieren
Die Bundesbank-Vizepräsidentin will einen Puffer für schwere Zeiten aufbauen. Quelle: dpa
Claudia Buch

Die Bundesbank-Vizepräsidentin will einen Puffer für schwere Zeiten aufbauen.

(Foto: dpa)

FrankfurtAus Sicht der Bundesbank ist es nicht nur ein Grund zur Freude, dass sich die deutsche Wirtschaft – trotz des jüngsten Dämpfers im Sommer – in der längsten Wachstumsphase seit der Wiedervereinigung befindet. Sie sieht darin auch einen Anlass zur Vorsicht.

„Gerade in wirtschaftlich guten Zeiten kann die Wahrscheinlichkeit von künftig schlechteren Entwicklungen unterschätzt und eine ausreichende Vorsorge vernachlässigt werden“, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch am Mittwoch bei der Präsentation des aktuellen Finanzstabilitätsberichts. „Jetzt ist es daher an der Zeit, stärkere Abwehrkräfte und Puffer für schlechtere Zeiten aufzubauen.“

Die Bundesbank fürchtet, dass das Finanzsystem in den vergangenen Jahren verwundbar geworden ist und bei einem unerwarteten Abschwung anfällig sein könnte. Ein solches Szenario sei mittlerweile wahrscheinlicher geworden.

Als größte Gefahren sieht die Bundesbank, dass Kreditrisiken unterschätzt und Vermögenswerte wie Immobilien auch wegen der aktuellen Niedrigzinsen überbewertet sein könnten. Zudem warnt sie davor, dass die Zinsen möglicherweise deutlich schneller steigen könnten als bisher erwartet, was einige Akteure im Finanzsystem ebenfalls vor Probleme stellen würde.

Grundsätzlich haben die Banken in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalquoten zwar verbessert. Dies lag jedoch auch zu einem gewissen Teil daran, dass sie eine niedrigere Vorsorge für Kreditrisiken vorgenommen haben.

Vor allem große systemrelevante Banken stützen sich bei der Berechnung ihrer Kreditvorsorge auf interne Modelle. Diese berücksichtigen in der Regel die Kreditausfälle in den vergangenen Jahren. Wegen des historisch langen Aufschwungs lagen diese in den vergangenen Jahren jedoch besonders niedrig, weil es zum Beispiel deutlich weniger Unternehmensinsolvenzen gab.

Im Jahr 2003 lag die Risikovorsorge der Banken im Kreditgeschäft noch bei etwa 2,5 Prozent der Bruttokredite – im Jahr 2017 hingegen deutlich unter einem Prozent. Die Frage ist daher, ob sich diese guten Zahlen fortschreiben lassen oder eher einen Ausreißer bilden.

Kommt es wegen eines Abschwungs zu stärkeren Kreditausfällen, würde das die Eigenkapitalpuffer der Institute belasten. Die Bundesbank fürchtet, dass die Banken dann ihre Kreditvergabe stärker als erwünscht einschränken – und so den Abschwung noch verstärken könnten.

Ein weiteres Risiko sieht die Bundesbank darin, dass die Bewertungen an den Finanzmärkten auch wegen der niedrigen Zinsen derzeit hoch seien. Bei einem Konjunktureinbruch könnten daher die Preise für Immobilien, Aktien und Anleihen stärker unter Druck geraten. So sind aus Sicht der Bundesbank beispielsweise die Preise für Wohnimmobilien in den deutschen Städten zwischen 15 und 30 Prozent überbewertet. Immobilien werden häufig auch als Sicherheiten für Kredite hinterlegt. Daher könnte es zu Problemen führen, wenn ihr Wert überschätzt wird.

Akuten Handlungsbedarf sieht die Bundesbank sieht dennoch nicht am Immobilienmarkt. Das liegt auch daran, dass sich die Vergabe von Wohnungskrediten im historischen Vergleich unterdurchschnittlich entwickelt. Die Bundesbank sieht keine Anzeichen, dass die Finanzhäuser ihre Standards für die Kreditvergabe senken würden. Ein Problem dabei ist allerdings, dass es zu den Kreditvergabestandards kaum Daten gibt.

Neben den Kreditrisiken und Vermögenspreisen warnt die Bundesbank zudem vor dem Risiko eines abrupten Zinsanstiegs. Dieser könnte vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken treffen. Denn Verbraucher greifen am Immobilienmarkt immer stärker zu Krediten mit langfristig festgeschriebenen Zinsen.

Seit Anfang 2010 ist der Anteil der Kredite mit einer Zinsbindungsdauer von mehr als zehn Jahren von 26 auf 45 Prozent gestiegen. In der Regel finanzieren sich die Banken aber über einen kürzeren Zeitraum. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken leben davon, dass sie kurzfristige Spareinlagen annehmen und längerfristige Kredite vergeben. Das könnte sie in Probleme bringen, wenn die Zinsen steigen. Dann wären die Zinseinnahmen relativ fix, ihre Finanzierungskosten aber würden steigen.

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