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Finanzstabilitätsbericht EZB identifiziert die vier größten Risiken für das Finanzsystem

In ihrem Finanzstabilitätsbericht kommt die Europäische Zentralbank zum Fazit: Die Abwärtsrisiken für das weltweite Wachstum sind gestiegen.
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EZB identifiziert die vier größten Risiken für das Finanzsystem Quelle: dpa
Frankfurter Bankenskyline

Die Hochhäuser der Bankenmetropole leuchten im letzten Licht der bereits untergegangenen Sonne. Die schwache Profitabilität der Banken ist laut der EZB ein Sorgenfaktor innerhalb der EU.

(Foto: dpa)

FrankfurtWer Risiken für die Wirtschaft im Euro-Raum identifizieren will, braucht eigentlich nicht lange zu suchen. Der Brexit, die Sorge um Italien und der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China sind nur einige Beispiele.

Entsprechend kommt die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht auch zu dem Fazit, dass die Abwärtsrisiken für das weltweite Wachstum gestiegen seien. „Angesichts hoher Bewertungen und geringer Risikoprämien wird das Finanzsystem verwundbarer“, heißt es.

In ihrem Bericht hat die Notenbank die vier größten Risiken für das Finanzsystem identifiziert.

1. Plötzlicher Anstieg der globalen Risikoprämien

Eine Gefahr sieht die EZB darin, dass die Märkte sehr abrupt auf politische Unsicherheitsfaktoren reagieren könnten. Viele Vermögensbewertungen sind aktuell relativ hoch. Außerdem sind die Vermögenspreise weltweit stark miteinander korreliert. Das könnte dazu führen, dass es im Falle politischer Schocks zu einem deutlichen Einbruch auf breiter Front kommt.

Faktoren, die einen solchen Schock auslösen könnten, gibt es einige. In Italien beispielsweise ist die politische Unsicherheit seit dem Antritt der neuen populistischen Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega drastisch gestiegen. Die Regierung will trotz hoher Schulden deutlich mehr Geld ausgeben.

Die Zinsen für italienische Staatsanleihen sind daraufhin bereits stark gestiegen. Bislang halten sich die Ansteckungseffekte auf andere Euro-Länder aber in Grenzen. Weitere mögliche Faktoren, die eine Abwärtsspirale auslösen könnten, sind etwa ein harter Brexit oder weitere Probleme in den Schwellenländern.

2. Zunehmende Verschuldung

In einzelnen Euro-Ländern könnte zudem die Sorge über die hohe Staatsverschuldung stärker in den Blickpunkt der Investoren geraten. Aktuell ist das vor allem in Italien der Fall. Dort liegt die Staatsverschuldung bei etwa 130 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Im Privatsektor beobachtet die EZB vor allem die Entwicklung bei Häuserkrediten. "Wir glauben mittlerweile, dass es eine leichte Überbewertung gibt" sagte EZB-Vize Luis de Guindos am Donnerstag in Frankfurt. Bei der Vergabe neuer Immobilien-Darlehen müsse genau hingeschaut werden, vor allem in besonders betroffenen Staaten wie Irland. Für eine generelle Überhitzung des Marktes sieht die EZB aber noch keine Anzeichen. In Deutschland warnt die Bundesbank schon seit längerem vor überteuerten Wohnimmobilien insbesondere in Großstädten. Aus ihrer Sicht liegen die Preise dort um rund 15 bis 30 Prozent über dem gerechtfertigten Niveau. In Deutschland machen Immobilienkredite mehr als die Hälfte aller Darlehen an Privathaushalte und Unternehmen aus.

3. Schwache Profitabilität der Banken

Ein weiterer Sorgenfaktor ist die schwache Profitabilität der Banken. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Institute decke nach wie vor nicht die Kapitalkosten, schreibt die EZB. Das liege auch an strukturellen Schwächen wie Überkapazitäten in bestimmten Märkten und an hohen Kosten. Zudem sind die Preise europäischer Bankaktien seit Mai im Schnitt um etwa 25 Prozent gefallen - die Aktienkurse italienischer Banken brachen sogar um 37 Prozent ein. Dies ist auch deshalb ein Problem, weil es dadurch für die Banken schwerer wird, sich neue Mittel am Kapitalmarkt zu beschaffen.

4. Kapitalabflüsse aus Investmentfonds

Doch nicht nur im Bankensektor sieht die EZB Probleme, sondern auch bei Investmentfonds. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die darin geparkten Mittel auf etwa 14 Billionen Euro verdoppelt. Der Sektor habe sich aber auch stärker in weniger liquiden und besonders riskanten Vermögenswerten engagiert. Dadurch sei die Anfälligkeit für Schocks gestiegen. Wenn es zu Turbulenzen an den Märkten kommen sollte, könnte dies dazu führen, dass Anleger verstärkt Kapital aus Fonds abziehen. Dadurch müssten Fonds dann eventuell Vermögenswerte verkaufen, was vor allem bei illiquiden Vermögenswerten schwer wäre und zu größeren Verwerfungen führen könnte.

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